Kritik

Beisenherz und Polak: Sexwitze gehen immer

Die Podcaster Oliver Polak (l.) und Micky Beisenherz waren im St. Pauli Theater zu Gast.

Die Podcaster Oliver Polak (l.) und Micky Beisenherz waren im St. Pauli Theater zu Gast.

Foto: Gerald von Foris

Live-Podcast mit Oliver Polak und Micky Beisenherz im St. Pauli Theater. Auch das Corona-Virus war ein Thema.

Hamburg. Als Comedian hat man gerade leichtes Spiel: ein, zwei Witze über das Corona-Virus, und das Publikum ist im Sack. „Hallo, Hamburger Publikum!“, ruft Oliver Polak in den Saal, „Alle über 50!“ Und Micky Beisenherz ergänzt: „Lauter Risikopatienten.“ Ja, man sollte Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern meiden, und heute sitzen im St. Pauli Theater vielleicht gerade mal 500 Zuschauer, also ist man auf der sicheren Seite und lacht. Aber man lacht beunruhigt.

Polak und Beisenherz performen ihren Podcast „Juwelen im Morast der Langeweile“ live, einen Podcast, den die beiden Mittvierziger seit 2017 mit durchschlagendem Erfolg aufnehmen. Im Grunde heißt das: Zwei Kumpeltypen sitzen beim Bier zusammen und labern. Was nicht nur ziemlich testosteronlastig, breitbeinig, forciert heterosexuell klingt, sondern auch so aussieht. Wobei man sagen muss: Polak und Beisenherz sind nicht unsympathisch. Und was sie labern, ist nicht doof. Nur halt ein bisschen, naja. Am Ende jeden Satzes muss eine Pointe kommen, und wenn sich mal keine Pointe anbietet, geht ein Sexwitzchen immer. „Wenn du heutzutage was mit einer Asiatin anfängst, musst du nicht nur ein Kondom benutzen, sondern auch Gesichtsmaske und Handschuhe.“ Ist das lustig? Geht so.

Andererseits schlägt „Juwelen im Morast der Langeweile“ aus solchen Situationen immer wieder echte Funken. Polak: „Hast du gehört, dass die Israelis jetzt einen Impfstoff gegen Corona gefunden haben?“ Beisenherz: „Ich bin im Netz immer nur auf Seiten unterwegs, auf denen steht, dass sich die Israelis das alles ausgedacht haben.“ Das geht tiefer als man zunächst gedacht hatte.

Breitbeiniger Humor auf politischem Parkett

Als die Show schließlich ins Politische lappt, zeigt sich, was breitbeiniger Humor so alles kann. Jens Spahn rät, wegen Corona auf unnötige Reisen nach NRW zu verzichten, worauf der gebürtige Recklinghausener Beisenherz bekennt, dass er das schon seit Jahren so handhaben würde. Geht da noch mehr? Durchaus. Plötzlich spricht Polak über Hanau und über die AfD. „Ich mache mir da keine Freunde, aber – dieses Geziefer!“ Und ohne dass man es wirklich gemerkt hat, ist der Auftritt nicht mehr nur derber Humor, sondern echte Haltung.

Aber weil Haltung nur manchmal funktioniert, Sexwitzchen aber immer, erzählt Polak noch eine todtraurige Geschichte über seine Hodenkrebs-Diagnose, über eine Bestellung beim Escort-Service und eine beim Pizza-Bringdienst. Und dann ruft er seine Mutter an, weil: ein jüdischer Comedian und seine Mutter, das müsste doch auch einen Gag hergeben, oder? Schon ist man bei Woody Allen und bei der MeToo-Thematik. Irgendwie sind Polak und Beisenherz nach 90 Minuten immer noch die Kumpeltypen beim Bier, aber dass ihr Auftritt harmlos sei, behauptet niemand mehr. Auch wenn sie sich, um ehrlich zu sein, nie wirklich über das Corona-Thema hinaus bewegt haben.