Hamburg

BallinStadt: Die tragische Geschichte der „St. Louis“

Das Auswanderermuseum BallinStadt

Das Auswanderermuseum BallinStadt

Foto: BallinStadt Auswanderermuseum

Die Sonderausstellung „St. Louis – Schiff der Hoffnung" im Auswanderermuseum hat Bezüge zu aktuellen Ereignissen.

Hamburg.  Es war eigentlich eine Reise voller Hoffnung: Am 13. Mai 1939 legte die „St. Louis“ unter Kapitän Gustav Schröder in Hamburg ab. Das Ziel: Havanna auf Kuba. An Bord: 937 Juden, die sich vor dem Terror der Nazis in Sicherheit bringen wollten. Doch die anfänglich zuversichtliche Stimmung kippte, als die „St. Louis“ keine Erlaubnis bekam, in Havanna anzulegen. Ein Drama nahm seinen Lauf. Die neue Sonderausstellung „St. Louis – Schiff der Hoffnung“ im Auswanderermuseum Ballin­Stadt erzählt die tragische Geschichte jetzt im Detail.

Anlegen und sämtliche zunehmend verzweifelte Passagiere an Land lassen durfte Gustav Schröder jedenfalls nicht. Wie sich herausstellte, hatte der Direktor der kubanischen Einwanderungsbehörde ungültige Visa verkauft – nur 28 Passagiere besaßen ein gültiges Visum und durften schließlich an Land gehen. Für alle anderen begannen fünf Tage des bangen Wartens, in denen sich die Lage immer mehr zuspitzte: Ein Passagier unternahm einen Selbstmordversuch, andere drohten damit. Kapitän Schröder wandte sich an die USA und Kanada mit der Bitte, dort anlegen zu dürfen. Beide Regierungen lehnten ab.

Bezüge zu aktuellen Seenotrettungsaktionen

Der Anweisung von Propagandaminister Goebbels, das Schiff mitsamt Passagieren nach Deutschland zurückzubringen, widersetzte sich Schröder. Dann kam endlich die erlösende Nachricht: Großbritannien, Belgien, Frankreich und die Niederlande erklärten sich bereit, die Geflüchteten aufzunehmen. Die „St. Louis“ kehrte nach Europa zurück, doch ein Happy End blieb dennoch aus: Ein Viertel der Passagiere der „St. Louis“ überlebte den Zweiten Weltkrieg nicht. Dennoch konnten sich mehr als 600 Menschen dank des mutigen Einsatzes des „St. Louis“-Kapitäns retten.

Wer sich mit der Schicksalsfahrt der „St. Louis“ auseinandersetzt, findet schnell Bezüge zu aktuellen Seenotrettungsaktionen im Mittelmeer. Fand die „St. Louis“ damals lange keinen sicheren Hafen, so sind heute immer wieder Geflüchtete in einer ähnlichen Situation. Auch wenn die Fahrt der „St. Louis“ bereits 80 Jahre zurückliegt, die Thematik ist noch immer aktuell.

„St. Louis – Schiff der Hoffnung“, täglich 10.00–16.30, Auswanderermuseum BallinStadt (S Veddel), Veddeler Bogen 2, Eintritt: 13,-/11,-/7,-; www.ballinstadt.de