Musik

Konzertreihe „das neue werk“: NDR stellte Saisonprogramm vor

Komponistin  Unsuk Chin (58) lebt in Berlin.

Komponistin Unsuk Chin (58) lebt in Berlin.

Foto: Priska Ketterer

Achim Dobschall wurde bei der Vorstellung der Reihe „das neue werk“ für die Saison 2019/20 geradezu überschwänglich.

Hamburg. Gab es jemals bessere Zeiten für Komponisten Neuer Musik? In Hamburg vermutlich nicht, denn die Strahlkraft der Elbphilharmonie, sie wirkt auch in einem Gebiet, das jahrzehntelang als reines Kassengift galt. Wenig verwunderlich also, dass Achim Dobschall, Leiter des Bereichs Orchester, Chor und Konzerte des NDR, bei der Vorstellung der Reihe „das neue werk“ für die Saison 2019/20 am Montagvormittag geradezu überschwänglich wurde. Die Akzeptanz des Publikums sei riesig, eine große Offenheit für ungewohnte Klänge spürbar.

Im Rolf-Liebermann-Studio, einst Heimstätte der Neuen Musik, habe man vor 300 bis 350 Interessierten gespielt, in der Elbphilharmonie heute regelmäßig vor mehr als 2000. Natürlich kommen immer noch viele wegen des neuen Konzerthauses, wahr ist aber auch, dass Stücke von Rihm, Varese oder Ligeti bisweilen ebenso bejubelt werden wie der klassische Kanon von Bach bis Vivaldi. Da hat sich also etwas getan, und einen erheblichen Anteil daran hat der NDR, dessen Konzertprogramme, so rechnete Dobschall vor, inzwischen zur Hälfte aus Kompositionen der letzten 100 Jahre bestehen.

Konzert im Kleinen Saal der Elbphilharmonie

Weiter erhöhen könnte sich die Quote nun durch die in Südkorea aufgewachsene und inzwischen in Berlin lebende Komponistin Unsuk Chin, in dieser Saison Composer in Residence beim NDR. Gleich sieben Konzerte sind ihr noch bis April 2020 ganz oder teilweise gewidmet, zur Aufführung kommt – abgesehen von der Oper – die ganze Bandbreite ihres Schaffens von den Pianoetüden bis zum großformatigen Orchesterstück „Spira“. Auftakt des Reigens ist am 28. November ein Konzert im Kleinen Saal der Elbphilharmonie, in dessen Rahmen Unsuk Chin der mit 10.000 Euro dotierte Hamburger Bach-Preis 2019 verliehen wird.

Doch beim „neuen werk“ kommen in dieser Saison natürlich auch Arbeiten anderer Komponistinnen und Komponisten zur Aufführung. So spielt etwa das Signum Quartett am 13. November im Kleinen Saal der Elbphilharmonie Werke von Ives und Schnittke, das Ensemble Modern kontrastiert am 18. Januar ebendort Neuwirth und Kagel mit einem Beethoven-Septett, während in der Hauptkirche St. Katharinen am 23. Mai Werke von Gubaidulina und Mansurian erklingen. Den Abschluss der Konzertreihe liefert am 23. Juni das Trio Accanto im Kleinen Saal der Elbphilharmonie mit Kompositionen von Lachenmann, Saunders, Wolff und Haas. Da können offene Ohren nicht schaden.