Kino

Isländisches Drama gewinnt Filmpreis in Lübeck

Mika Kaurismäki stellte seinen neuen Film „Meister Cheng“ vor.

Mika Kaurismäki stellte seinen neuen Film „Meister Cheng“ vor.

Foto: dpa

Der Publikumspreis bei den Nordischen Filmtagen geht an Altmeister Mika Kaurismäki für „Meister Cheng“.

Lübeck. Und wieder ist es Island. Filme aus dem Inselreich mit nur 360.000 Einwohnern im Nordwesten Europas genießen bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck schon lange einen guten Ruf. Bei der 61. Auflage des am Sonntag beendeten Festivals wurde „Weißer weißer Tag“ von Hlynur Pálmason mit dem NDR-Filmpreis (Dotierung: 12.500 Euro) ausgezeichnet. Der Regisseur erzählt in seinem Drama von einem Polizisten, der nach dem Tod seiner Frau Hinweise auf ihre Untreue findet, und dadurch viel über sich selbst erfährt.

Erst im vergangenen Jahr hatte in Lübeck das isländische Drama „Gegen den Strom“, zugleich Eröffnungsfilm beim Filmfest Hamburg, vier Preise gewonnen. Das kleine, künstlerisch aber sehr produktive Land war in diesem Jahr auch noch mit dem Film „Milchkrieg in Dalsmynni“ im Wettbewerb vertreten. Dessen Regisseur Grímur Hákonarson machte darauf aufmerksam, dass fast alle isländischen Regisseure für ihre bildgestalterisch oft sehr überzeugenden Filme Kameraleute aus dem Ausland engagieren. Er selbst hat an seinem Wettbewerbsbeitrag mit dem Esten Mart Taniel gearbeitet.

Feelgood-Movie von Mika Kaurismäki

Der Publikumspreis der „Lübecker Nachrichten“ ging an das Werk eines Altmeisters. Mika Kaurismäki hat mit „Meister Cheng“ ein Feelgood-Movie gedreht, in dem es um „die wichtigen Dinge im Leben“ geht. Ein Chinese strandet mit seinem kleinen Sohn in der Pampa in Nordfinnland. Sie teilen dort schon bald mit den Einwohnern die Schönheit der Natur, Freundschaft, Liebe und gutes chinesisches Essen. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Kaurismäki, der 30 Jahre lang in Brasilien gelebt hat, ist vor Kurzem in seine finnische Heimat zurückgekehrt, weil er die politische Atmosphäre im südamerikanischen Land unter Präsident Jair Bolsonaro unerträglich fand.

Allein schon im Wettbewerb ließ sich beim Festival große Vielfalt finden. Noch ein Altmeister, der Schwede Roy Andersson, punktete dort mit seinem skurril-humorigen Film „Über die Unendlichkeit“. Ein ungewöhnliches erzählerisches Experiment war der estländische Beitrag „Skandinavisches Schweigen“ von Martti Helde. Das schwarz-weiße Roadmovie erzählt seine Geschichte mit wenigen Worten. Ein Film zum Mitdenken.

Ein Spielfilm pro Jahr

Im Wettbewerb lief auch der erste von einer Frau inszenierte Spielfilm aus Grönland: Pipaluk Kreutzmann Jørgensens Liebesgeschichte „Anori“. Der Gast des Filmfrühstücks der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein kam ebenfalls aus Grönland. Aka Hansen ist die Leiterin des Filmworkshops in Nuuk. Etwa ein Spielfilm pro Jahr entsteht auf der riesigen, aber nur mit 55.000 Menschen besiedelten Insel.

Bisher sei meistens von den dänischen „Kolonialherren“ über Grönland berichtet worden, so Hansen. „Diese Filme sind oft nur sozialkritisch, und schon nach kurzer Zeit läuft ein Betrunkener durchs Bild. Wir wollen endlich unsere eigene Geschichte erzählen. Wenn man eine Nation aufbauen will, muss man doch auch ihre positiven Seiten und Errungenschaften zeigen.“