Voices for Children

Ganz großes Tennis in der Elbphilharmonie

Gemeinsam für die gute Sache: Unter anderem standen beim Benefiz-Konzert von Michael Stich Max Mutzke (l.), Sasha (M.) und Michael Schulte (r.) auf der Bühne.

Gemeinsam für die gute Sache: Unter anderem standen beim Benefiz-Konzert von Michael Stich Max Mutzke (l.), Sasha (M.) und Michael Schulte (r.) auf der Bühne.

Foto: Andreas Laible / HA

Das von Michael Stich organisierte Benefiz-Konzert wartete mit großen Namen wie Sasha, Max Mutzke und Cassandra Steen auf.

Hamburg. Jetzt kommt ja bald die Weihnachtszeit, in der es von allem zu viel gibt. Zu viel Süßes, zu viel Glühwein, zu viele Feiern, zu viele Geschenke. Doch Michael Stich hat am Sonntag mit einem einzigartigen Konzert in der Elbphilharmonie bewiesen, dass ein zu viel nicht immer schlecht sein muss. Da trat ein Top-Künstler nach dem anderen auf, und immer wenn man dachte, okay, der Gänsehaut-Höhepunkt ist hiermit erreicht, kam ein weiterer Sänger und zeigte, dass immer noch mehr geht als gedacht.

Unter dem Motto „Voices for Children“ hatten sich Cassandra Steen, Frida Gold, Gregor Meyle, Revolverheld-Sänger Johannes Strate, Kate Louisa, Max Mutzke, Michael Schulte, Sasha und Stefanie Kloß von Silbermond bereit erklärt, ohne Gage ihre Stimme für die gute Sache zu erheben.

Cassandra Steen im Duett mit Max Mutzke

Sie wollten Michael Stichs Stiftung, die die Tennislegende vor 25 Jahren gründete, um Menschen über das Thema HIV zu informieren und Ängste abzubauen, unterstützen. Doch am Ende taten sie weit mehr als das: Sie bewiesen zum einen, welch‘ Zauber im Ungewöhnlichen stecken kann, und zum anderen, dass Musik immer dann am besten funktioniert, wenn sie gemeinsam entsteht.

Als gleich zu Beginn Cassandra Steen und Max Mutzke „Me and Mrs. Jones“ sagen, war jedem Gast klar: Hier stehen heute die besten Künstler Deutschlands auf einer Bühne. Steen auf goldenen Highheels und in einem hochgeschlitzten schwarzen Abendkleid, welches an sich schon eine Melodie darstellte, Mutzke in Sneakern und T-Shirt. Sie sahen so anders aus und klangen so harmonisch.

Voices for Children: bereits nach zehn Tagen ausverkauft

Das Charity-Konzert sei nach zehn Tagen bereits ausverkauft gewesen, erzählte Michael Stich, der den Abend moderierte und deswegen sehr aufgeregt war: „Ich kenne mich auf Sportplätzen besser aus, dieses hier ist ungewohntes Terrain für mich.“ Egal. Ein Ass kann auch außerhalb eines Centercourts geschlagen werden, zum Beispiel in der Elbphilharmonie. Diese durfte sich bei Max Mutzke bedanken, der seinen Song „Schwerelos“ ohne Mikrofon zur Klavierbegleitung performte. Endlich verstand auch der letzte Laie, was dieser Konzertsaal vermag. Die Zuschauer trauten sich kaum zu atmen, als er sang, und belohnten seine Darbietung mit Standing Ovations.

Stefanie Kloß sagte, wie sehr sie sich freue, in diesem wundervollen Haus auftreten zu dürfen und für eine übergeordnete, gemeinsame Sache einzustehen: „Es geht um Kids, die unsere Hilfe und Unterstützung brauchen. Das schafft eine Atmosphäre, die sich über Musikgenres hinweg erhebt.“ Die Silbermond-Frontfrau sang „Symphonie“, und selbst wer unter den Gästen keinen Liebeskummer hatte, verspürte ihn auf einmal.

Sasha als Brad Pitt, Gregor Meyle als Udo-Parodist

Sasha trug einen sensationellen Oberlippenbart, den ein Konzertbesucher vollkommen richtig an Brad Pitt in "Inglorious Bastards“ erinnerte, und zog das Publikum mit seinen Songs von den Sitzen. Der Groove war so cool, man wünschte sich irgendwie, am nächsten Morgen von einer Big Band geweckt zu werden. Ebenso locker Johannes Strate von Revolverheld: „Ein schönes Heimspiel hier für mich. Das war die kürzeste Anreise des Jahres, und ich bin so gerührt, weil ich noch nie an diesem Ort aufgetreten bin.“ Der Revolverheld-Sänger zeigte eine neue Seite, als er „Ich lass für dich das Licht an“ nur mit der Begleitung des Kaiser Quartetts aufführte, die gemeinsam mit der zweiten Band monoPunk alle Lieder der neun Sänger neu arrangiert hatten.

Gregor Meyle zeigte, wie gut er Udo Lindenberg parodieren kann und was man mit einer Gitarre so anstellen kann, Michael Schulte, warum alle seine Konzerte ausverkauft sind, Kate Louisa, wie man einer Stadt eine Liebeserklärung macht und Frida Gold, wie magisch das Wort „Liebe“ wirkt, wenn man es nur häufig und auf sehr besondere Art und Weise wiederholt.

Nach zwei Stunden war das Konzert zu Ende, da wollte nicht nur Michael Stich „eigentlich noch zwei weitere Stunden“. Immerhin traten alle Künstler noch einmal gemeinsam auf. Ein Chor beim Matchball. Es gewann die gute Sache.