Fundus Theater

Alpenglühen mit Heidi, Peter und dem Alm-Öhi

“Heidi“ mit Sabine Dahlhaus und Monika Els.

“Heidi“ mit Sabine Dahlhaus und Monika Els.

Foto: Marcel Weinand

Die ganze Geschichte, wie sie Generationen von Kindern lieben gelernt haben, wird an einem Tisch mit zwei Stühlen lebendig.

Hamburg.  Die freie Theatergruppe kirschkern & Compes nennt sich jetzt kirschkern Compes & Co. Und vollzieht nach 20 Jahren Theaterschaffen für junge und ganz junge Zuschauer – gekrönt unter anderem mit dem Barbara Kisseler Theaterpreis 2017 – einen Generationenwechsel.

In der ersten Produktion „Heidi. Eine Berg- und Talgeschichte“ frei nach Johanna Spyri für Kinder ab fünf Jahren, die jetzt im Fundus Theater gastierte, ist er glanzvoll geglückt. Judith Compes konzentriert sich ganz auf Stückfassung und Regie und überlässt den beiden tollen Darstellerinnen Sabine Dahlhaus und Monika Els die Bühne.

Die ganze Geschichte, wie sie Generationen von Kindern lieben gelernt haben, wird an einem Tisch mit zwei Stühlen lebendig: Alpenglühen, grantige Alm-Öhis, die ihr weiches Herz entdecken, aufrechte Freundschaften, Tanten mit egoistischen Gedanken und natürlich auch böse Erzieherinnen. Dahlhaus (im Kleid) und Els (in der Lederhose) spielen bravourös und mit feinen Zwischentönen alle Rollen durch, wobei sie munter zwischen den Geschlechtern hin- und herwechseln.

Konzept geht wundervoll auf

Mal ist Dahlhaus das Waisenkind Heidi, das von der Tante, die zur Karriere ins ferne Frankfurt reist, beim Großvater auf der einsamen Schweizer Alm zurückgelassen wird. Dann wieder verwandelt sich Dahlhaus mit Kappe und schiefem Lächeln in den ungelenken Ziegenhirten Peter. Wohl dosiert wird in der klaren, nicht überstark modernisierten Sprache Lokalkolorit eingesetzt. Die von Peter und Heidi gehüteten Tiere treten als Kuh-Glocken (!) auf und spielen der vom Alm-Leben zusehends begeisterten Heidi ein Gute-Nacht-Lied vor.

Auf der Bühne ergeht es Heidi jedoch nicht besser als im Buch. In Frankfurt soll sie der im Rollstuhl sitzenden Klara, Tochter einer wohlhabenden Familie, Gesellschaft leisten, die durch eine Rollstuhl-Barbie dargestellt wird. Heidi findet hier eine echte Freundin, gelangt schließlich auf ihre geliebte Alm zurück und darf endlich gemeinsam mit Peter zur Schule gehen. Das Konzept, die Geschichte darzustellen und sie gleichzeitig als Spiel im Spiel zu präsentieren, geht wundervoll auf.