Kabarett

Horst Schroth legt sich in die „Schlusskurve“

Horst Schroth (71) blickt zurück und
bleibt doch aktuell.

Horst Schroth (71) blickt zurück und bleibt doch aktuell.

Foto: Birgit Schössow

Der zweifache Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises spielt das Beste aus 40 Jahren – immer am Zahn der Zeit.

Hamburg. Horst Schroth braucht nicht mehr als einen Tisch, zwei Stühle und einen Kleiderständer (behangen mit Schiebermütze, Weste und einer Jacke, deren Blumenwiesen-Muster an 70er-Jahre-Tapeten erinnert), um auf Betriebstemperatur zu kommen. So lässt er sich über Politiker dieser Tage aus und meint etwa zu Grünen-Popstar Robert Habeck: „Er ist Doktor, aber kein Praktiker: Zwei linke Hände mit lauter Daumen dran.“

Für Zuschauer von Schroths wohl letztem Programm „Schlusskurve“ wirkt der 71-Jährige nicht wie jemand, der bald Abschied von der Bühne nimmt. Zu nah dran ist er noch am aktuellen politischen Geschehen. Dies scheint auch immer wieder durch – und das bei einer Darbietung, die als Best-of seiner acht vorherigen Programme konzipiert ist.

Schroth ist zweifacher Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises in der Kategorie Kabarett (1990, 1999). Dass er ein Könner seines Faches ist, wird im St. Pauli Theater mehr als deutlich: So schafft er es meisterhaft, das Publikum durch die deutsche Nachkriegsgeschichte zu führen, indem er seinen Blick zwischen den großen politischen Ereignissen der damaligen Zeit und den bürgerlichen Erlebnisräumen schweifen lässt.

Auch nachdenkliche Töne

Einerseits erzählt er vom DDR-Bürger Silvio, der sich über den Geschmack einer der amerikanischsten Erfindungen überhaupt („Ahhh, Cola!“) gar nicht mehr einkriegt, während durch den Fall der Mauer ein ganzes Gesellschaftssystem über den Haufen geworfen wird. Andererseits scheint bei Schroth das Funktionieren einer Paarbeziehung abhängig von der Reaktion des Mannes auf die Fragen der Gattin zu sein: „Findest du mich zu dick?“, oder „Liebst du mich?“, werden selbstverständlich mit „nein“ respektive „ja“ beantwortet.

Die Herren im Publikum sehen das genauso – und intonieren dies inbrünstig. Schroth muss dabei auch nur ein klein wenig nachhelfen. Sei’s drum – die Lacher sind auf seiner Seite. Schließlich kennen sich viele von denen, die im St. Pauli Theater zu Gast sind, mit der „Mixed Zone des Lebens“ (Schroth) mindestens so gut aus wie der Kabarettist selbst. Man teilt halt einige Lebenserfahrungen miteinander.

Nachdenkliche Töne schlägt der Künstler aber auch einige an – lässt er doch sein Alter Ego Lehrer Laux über Friedenspädagogik, Waldsterben und Neonazis sinnieren.

„Schlusskurve“ wieder Di 19./Mi 20.5. 2020, St. Pauli Theater (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 29-30, Karten zu 17,80 bis 35,40 auch in der Abendblatt- Geschäftsstelle, Großer Burstah 18-32, unter T. 30 30 98 98