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Warum Netflix jetzt einige Filme erst in US-Kinos zeigt

Yalitza Aparicio als Cleo im Drama „Roma“: Der Film von Alfonso Cuarón ist die erste Netflix-Produktion, die einen Oscar gewonnen hat.

Yalitza Aparicio als Cleo im Drama „Roma“: Der Film von Alfonso Cuarón ist die erste Netflix-Produktion, die einen Oscar gewonnen hat.

Foto: Alfonso Cuarón / imago/Cinema Publishers Collection

Zehn Netflix-Filme laufen in Kinos an – bei Netflix sind sie erst später zu sehen. Der Grund für die Entscheidung: preisverdächtig.

Hamburg.  Die Nachricht, dass der neue Film von Star-Regisseur Martin Scorsese im Kino zu sehen sein wird, ist normalerweise keine.

Wo denn sonst, könnte man fragen. Doch im Falle des Mafia-Thrillers „The Irishman“, der mit Robert De Niro, Joe Pesci, Al Pacino und Harvey Keitel mit der für Scorsese-Werke üblichen Star-Besetzung aufwartet, ist der Kino-Start alles andere als selbstverständlich.

Denn „The Irishman“ wurde für Netflix produziert. Und dem Streamingdienst sind Kinos normalerweise herzlich egal. Ihm geht es allein um die Zufriedenheit seiner Abonnenten.

Oscar: Film muss im Kino gelaufen sein

Dass Scorseses neuer Film zumindest in den USA im Herbst für ein paar Wochen zusammen mit neun weiteren Netflix-Produktionen – unter ihnen Steven Soderberghs „The Laundromat“ und Noah Baumbachs „Marriage Story“ – im Kino laufen wird, bevor ihn die Abonnenten des Streamingdienstes zu sehen bekommen, hat einen einfachen Grund: Netflix möchte mit seinen Filmen gern Preise gewinnen.

Hintergrund: Netflix wird teurer - aber nicht in allen Tarifen

Und die Regularien der wichtigsten Auszeichnungen der Branche schreiben eine Kinoverwertung zwingend vor. So müssen etwa Filme, die für den Oscar nominiert werden, mindestens sieben Tage in einem Kino im Großraum Los Angeles zu sehen sein. „The Irishman“ werden jetzt schon gute Chancen auf die begehrteste Trophäe der Branche eingeräumt.

„Roma“ gewann als erster Netflix-Film einen Oscar

Im vergangenen Jahr hatte Netflix nur vier Produktionen in die amerikanischen Kinos gebracht, unter ihnen „Roma“, der erste Film des Streamingdienstes, der einen Oscar gewann. Das Rassismusdrama „Green Book“ wurde bei der Oscar-Verleihung als bester Film geehrt. Die deutschen Nominierten gingen leer aus.

Die Entscheidung, die Zahl der Kinopremieren mehr als zu verdoppeln, ist keineswegs als Einknicken des Dienstes vor der Lobby der Betreiber von Lichtspieltheatern zu verstehen. Die Forderung amerikanischer Kinobesitzer, neue Produktionen 90 Tage lang ausschließlich in ihren Häusern zu zeigen, bevor sie von Streamingdiensten verwertet werden dürfen, lehnt Netflix nach wie vor ab.

Allerdings steht den Kinobetreibern manche Hollywood-Größe bei: Anfang des Jahres forderte der Regisseur Steven Spielberg die Academy of Motion Picture Arts and Sciences auf, ihre Regularien für die Vergabe der Oscars zu ändern und Produktionen von Online-Video-Plattformen wie Netflix und Amazon Video grundsätzlich auszuschließen.

Spielbergs Begründung: Deren Filme seien streng genommen TV-Produktionen. Im April lehnte die Academy diese Forderung ab.

In Cannes dürfen Produktionen von Streamingdiensten nicht teilnehmen

Erfolgreicher war die Lobby der Kinobesitzer in Cannes. Die Teilnahme am Wettbewerb der dortigen Filmfestspiele ist Produktionen von Streamingdiensten verwehrt. Beim Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig dürfen Netflix, Amazon & Co. ihre Produktionen dagegen einreichen.

Diesen Februar erreichte die Diskussion Deutschland: Öffentlichkeitswirksam protestierten deutsche Kinobetreiber gegen die Teilnahme der Netflix-Produktion „Elisa und Marcela“ am Wettbewerb der Berlinale. Ihr Ziel erreichten sie aber nicht. Trotz ihrer Proteste blieb der Netflix-Film im Wettbewerb des Filmfestivals.