Neue Ausstellung im Lübecker Günter-Grass-Haus

Günter Grass bei einer Lesung im Günter-Grass-Haus (Archivbild von 2013)

Günter Grass bei einer Lesung im Günter-Grass-Haus (Archivbild von 2013)

„Grass, Kehlmann und die Welt des Barocks“ zieht eine Verbindung vom Dreißigjährigen zum Syrienkrieg und wird am Montag eröffnet.

Lübeck. Das Lübecker Günter-Grass-Haus spannt in seiner neuen Ausstellung einen Bogen vom Barock über die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Grundlage für „Grass, Kehlmann und die Welt des Barocks“ sind die Erzählung „Das Treffen in Telgte“ von Günter Grass, die vor 40 Jahren erschien, und der aktuelle Roman von Daniel Kehlmann, „Tyll“. Original Manuskriptseiten, eine opulente Barocktafel mit Speisen und Blumen sowie spielerische Szenen sorgen dafür, dass diese Literaturausstellung „den Besucher nicht mit Textmassen erschlägt“, sagte Jörg-Philipp Thomsa, Leiter des Günter-Grass-Hauses. Die Ausstellung dauert bis zum 3. Februar 2020.

Beide Autoren blicken in ihren Werken zurück in die Zeit des Barock, als in Europa mit dem Dreißigjährigen Krieg ein Kampf um Glaube und Macht geführt wurde. Die Ausstellung zeigt die Parallelen zwischen den Jahrhunderten und zum Bürgerkrieg in Syrien. Sie ist unterteilt in die Themenwelten 1647, 1947 und 2017, in denen symbolhaft die Zerstörung der für den jeweiligen Krieg bedeutenden Städte Magdeburg, Dresden und Aleppo im Mittelpunkt stehen.

Ansichten dieser Städte sind auf Spiegel gedruckt. Das solle den Betrachter reinziehen und zum Teil der Geschichte machen, sagte Kuratorin Adeline Henzschel. „Er soll erkennen: Geschichte wiederholt sich, und sie kann einen selbst betreffen.“ Eine einladende Tafel in der Mitte des Raumes vereint in ihrer Symbolik die drei Jahrhunderte.

Dichter und Eulenspiegel als Protagonisten

In „Das Treffen in Telgte“ beschreibt Günter Grass ein Treffen von Barockdichtern, die inmitten der Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges einen Neuanfang der deutschen Sprache planen. Das ausgedachte Dichtertreffen spiegelt Themen und Mitglieder der Gruppe 47, zu der auch Grass in den 1950er-Jahren gehörte. Daniel Kehlmann versetzt in „Tyll“ den bekannten Narr Till Eulenspiegel aus dem Mittelalter in die Zeit des Barock und lässt ihn durch das vom Krieg zerstörte Land streifen.

Bewusst seien keine langen Textpassagen dargestellt, sagte Thomsa. Einzelne Szenen werden spielerisch aufgegriffen, wie etwa die Frage nach der Definition für einen Körnerhaufen in „Tyll“: mit einem Tablett voll Getreidekörnern. „Wir wollen mit der Ausstellung dazu anregen, die beiden Werke zu lesen.“

Eröffnet wird die Ausstellung am Montag (26. August) von Daniel Kehlmann im Theater Lübeck. Der Autor liest aus seinem Roman und spricht mit Jörg-Philipp Thomsa. Die Schauspielerin Christiane Paul liest aus „Das Treffen in Telgte“. Zuvor dreht Kehlmann in der Ausstellung einen Film über die Entstehung von „Tyll“, der anschließend Teil der Schau wird.