Hamburg

Ein Kunstwerk mit 299 Bäumen in einem Fußballstadion

Diese Zeichnung von Max Peintner inspirierte den Ausstellungsmacher Klaus Littmann zu seinem Projekt „For Forest“.

Diese Zeichnung von Max Peintner inspirierte den Ausstellungsmacher Klaus Littmann zu seinem Projekt „For Forest“.

Foto: Peintner/For Forest

Schweizer Klaus Littmann stellt in Hamburg sein Klagenfurter Projekt "For Forest" vor. Im Mittelpunkt: ein ausgewachsener Mischwald.

Hamburg.  Wetten, dass das Wörthersee Stadion in Klagenfurt in der kommenden Saison so gut wie nie zuvor besucht sein wird? Das hat aber nichts mit Fußball zu tun, sondern mit einem raumgreifenden Kunstprojekt, das sozusagen auf Champions-League-Niveau spielt und ähnlich wie die großen Arbeiten von Christo Massen in Bewegung setzen kann. „For Forest“ lautet der Titel der „temporären Kunstintervention“ von Klaus Littmann in der Kärntner Landeshauptstadt, für die der Ausstellungsmacher jetzt in Hamburg warb.

Vom 9. September bis zum 27. Oktober wird im Wörthersee Stadion ein Mischwald aus 299 Bäumen – mit 16 Baumarten von der Weißtanne bis zur Silberlinde, ein jeder 14 bis 16 Meter hoch – als eine Art Großskulptur täglich von 10 bis 22 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen sein. 30 Jahre hat es gedauert, bis der Schweizer Littmann, Spezialist für herausfordernde Kunstprojekte im öffentlichen Raum, diese Idee umsetzen konnte. Für die Initialzündung hatte bei ihm einst eine Zeichnung des Künstlers Max Peintner gesorgt, der ein volles Fußballstadion skizziert hatte, in dem statt Action auf dem Rasen als statische Attraktion ein dicht gedrängter Wald auftritt. Der ironische Titel: „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“.

Visionäres Bild

Für Littmann ein visionäres Bild. Wer habe sich damals schon vorstellen können, dass Natur einmal ausgestellt werden müsse wie aussterbende Tierarten im Zoo. Ein Bild, das heute nicht mehr so absurd erscheine. Insofern betrachtet Littmann die lange Vorlaufzeit als Glücksfall: „Das ist jetzt eine Punktlandung“, sagt er und bezieht es nicht allein auf die aktuelle Klimawandel-Diskussion, sondern auch auf die politischen Umstände, denn das Projekt provozierte in Klagenfurt vor allem die FPÖ-Klientel. Littmann musste sich gegen die Fake News wehren, dass sein Projekt Steuergeld verschlinge.

Tatsächlich ist es über Baumpatenschaften, Mäzene und Sachleistungen von Unternehmen zu 100 Prozent privat finanziert. Trotzdem wird der Ausstellungsmacher weiter angefeindet, im Netz bedroht; er wurde sogar tätlich angegriffen. Pikanterweise rückt seine Instal­lation ein Stadion in den Blickpunkt, das zur Europameisterschaft 2008 als überdimensioniertes Prestigeprojekt in Klagenfurt gebaut wurde, also Steuergeld verschlang und das Kärntner Regime des FPÖ-Vordenkers Jörg Haider als zwielichtig erscheinen ließ. Das beantwortet auch die Frage, warum das Projekt ausgerechnet hier möglich war. Weil das Stadion nicht ausgelastet ist.

Bäume sollen eingepflanzt werden

Rechenschaft wird Littmann auch gegenüber Klimaschützern ablegen müssen. Er wird eine Klimabilanz ziehen, und die Bäume sollen danach nicht entsorgt, sondern auf einem Grundstück in Kärnten als Mischwald-Skulptur fest instal­liert — vulgo: eingepflanzt — werden. Der Stadt Klagenfurt dürfte die Aufregung recht sein. Wenn sie zwei Monate lang ein volles Haus hat und weltweit über Littmanns Installation geredet wird, ist das Ergebnis zumindest in touristischer Hinsicht wirklich nachhaltig.