Hamburg

Ein erster Blick ins erneuerte Bucerius Kunst Forum

Das Bucerius Kunst Forum bezog neue Räume - in unmittelbarer Nähe zu den alten.

Das Bucerius Kunst Forum bezog neue Räume - in unmittelbarer Nähe zu den alten.

Foto: Andreas Laible / HA

Der Umzug schafft Möglichkeiten. Das Bucerius Kunst Forum offenbart in neuen Räumen Großzügigkeit, Helligkeit und Nussbaum.

Hamburg.  Beim nicht anders als imposant zu nennenden Treppenaufgang, der im neuen Bucerius Kunst Forum in den Ausstellungsraum führt, wurde die Holzsorte „Amerikanischer Nussbaum“ verbaut. Importiert aus Übersee also, wie etliche Exponate der zukünftigen Schauen. Da wird sich das Hamburger Haus für pointierte, fokussierte Ausstellungen treu bleiben, das immer auch den Blick nach Amerika richtete.

Also inhaltlich nicht alles neu beim Bucerius Kunst Forum, aber räumlich eben alles: Es ist umgezogen. Und dabei im gleichen Gebäudekomplex geblieben. Statt an der postalischen Adresse Rathausmarkt 2 residiert das Museum nun am Alten Wall 12. Offiziell öffnet es seine Pforten für den Publikumsverkehr am 7. Juni (mit der multimedialen Schau „Here We Are Today. Das Bild der Welt in Foto- & Videokunst“). Eine Führung durch die neuen und noch leeren Räume gab es für die Presse (und ausgewählte Instagrammer) aber schon vorher.

Seit 2002 gibt es das Bucerius Kunst Forum

Und so stapfte man dann über nämliche, beeindruckende Treppe – als En­tree leibesertüchtigender und fast, aber nur fast so beeindruckend wie die längst berühmte Rollschnecke der Elbphilharmonie, genannt Tube – der Zukunft des Bucerius Kunst Forums entgegen, die soeben begonnen hat. Die Mitarbeiterbüros am neuen Standort sind bereits besetzt, während in den benachbarten Ensembleteilen noch deutlich vernehmbar geschuftet wird. Am Gebäuderiegel zwischen Adolphsbrücke und Rathausmarkt entsteht ein derzeit vollständig neues Innenleben. In neuen, modernen Räumen sollen Einzelhandel und Büroflächen Platz finden – und Herzstück wird das Ausstellungshaus sein.

Als Andreas Hoffmann, der Geschäftsführer des Bucerius Kunst Forums, die ersten Gäste durch die neuen Räume begleitete, führte er das Wort „großzügig“ beständig im Munde. Logisch, denn die seit 2002 bestehende Kulturinstitution ohne eigene Sammlung eifert zwar dem Ideal der komprimierten Ausstellung nach, ist nun aber doch froh, künftig mehr Platz zu haben.

Auditorium bietet Platz für 200 Besucher

Dabei hat sich die Ausstellungsfläche gar nicht mal so deutlich vergrößert: Sie befindet sich im ersten Obergeschoss des insgesamt vierstöckigen Bucerius Kunst Forums und erstreckt sich auf 850 Quadratmeter. Vorher waren es 670 Quadratmeter – aber auf zwei Ebenen. Die neue Fläche wird von einer sehr schicken Anlage – die zwischen kalt-weiß und warm-gelblich leuchten kann – ins jeweils rechte Licht gerückt und soll künftig im Ganzen bespielt oder in einzelne Kabinette unterteilt werden.

Das Auditorium, der Ort für Konzerte, Vorträge, Lesungen etc., hat sich mit angeschlossenem Foyer und Lichthof auf knapp 500 Quadratmeter Fläche verdoppelt. Er bietet Platz für 200 Besucher. Geplant wurde das neue Bucerius Kunst Forum von Gerkan, Marg und Partner. Und zurate gezogen wurden auch Spezialisten: Weil im Auditorium auch Kammerkonzerte stattfinden sollen, wurde für die Architektur der Akustiker konsultiert, der das Konzertdomizil des Ensemble Resonanz im Bunker an der Feldstraße gestaltet hat. Das Resultat ist eine in Falten geschlagene Decke. Nicht die einzige Idee, die auch ästhetisch zu überzeugen weiß.

Attraktivität soll gesteigert werden

Die Attraktivität des Veranstaltungs-, aber vor allem eben Ausstellungshauses – Schlüsselwörter aufseiten der Planer: „Offenheit“, „Flexibilität“, „Optionalität“ – soll mit dem Umzug weiter gesteigert werden. Für Leihgabengeber, also Museen und Sammler aus aller Welt, will das Bucerius Kunst Forum eine gute Adresse bleiben. Mit den neuen Räumlichkeiten, zu denen auch ein museumspädagogischer Raum gehört, dürfte das gelingen.

Was die Hülle angeht, lässt es ohnehin keine Wünsche offen. Nicht nur aus Gründen des Denkmalschutzes war die Erhaltung der historischen Fassaden oberste Planerpflicht. Wer sich im neuen Bucerius Kunst Forum den schönen Dingen in Vitrinen oder an den Wänden widmet, dem bleiben Hamburgs prominente Signatur-Architekturen nicht verschlossen. Man muss nur aus dem Fenster schauen, dann blickt man auf Alsterfleet, Rathaus, Handelskammer.