Museum für Kunst und Gewerbe

Kunstwerke aus Knete – eine Ausstellung nicht nur für Kinder

Nick Donkins Knetfiguren „Bill & Tony“ waren in mehreren Coca-Cola-Werbespots zu sehen.

Nick Donkins Knetfiguren „Bill & Tony“ waren in mehreren Coca-Cola-Werbespots zu sehen.

Foto: cartoon network

Bei der Ausstellung „Alles Kneten“ geht es um die Metamorphose des weichen Materials. Gäste sind zum Mitmachen eingeladen.

Hamburg. Ein quietschgelber, langgezogener Kunststofftisch ist der erste Blickfang. Darauf verteilt stehen rote, blaue und schwarze Knetblöcke, die noch ganz jungfräulich darauf warten, geformt zu werden. „Alle sind eingeladen zu gestalten und sich zu verewigen“, sagt Susanna Kumschick, Kuratorin der Ausstellung „Alles Kneten. Metamorphose eines Materials“, die aktuell im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) gezeigt wird. Eine Ausstellung, die sich ausschließlich um eine Modelliermasse dreht und sofort Kindheitserinnerungen wach ruft.

„Knete ist ein wundersames Material. Sie spielt in verschiedenen Bereichen eine Rolle, nicht nur in der Kinderwelt“, betont Susanna Kumschick, die die Schau ursprünglich für das Gewerbemuseum Winterthur kuratiert hat. Bei einem Rundgang wird schnell klar, was sie damit meint. Über die zahlreichen Bildschirme flimmern Musikvideos und Animationsfilme, darunter Klassiker wie „Nightmare Before Christmas“ nach einer Idee von Kultregisseur Tim Burton oder die ungemein beliebten Kinderserien „Wallace & Gromit“, „Shaun das Schaf“ und „Pingu“. Mit Animationstechniken wie dem Stop-Motion-Verfahren wurden hier die Knetfiguren zum Leben erweckt.

Auch in zahlreichen Musikvideos wurde und wird auf Knet-Ästhetik gesetzt. Von Peter Gabriel und Frank Zappa in den 80er-Jahren bis zu neueren Arbeiten wie dem Video „Forest“ von Allison Schulnik für die amerikanische Indierock-Band Grizzly Bear aus dem Jahr 2009.

Eine Bar und eine Werft aus Knete

„Man kann es riechen, sehen, fühlen und sogar hören“, fasst der Berliner Künstler Henrik Jacob die Vorzüge des weichen Materials zusammen. „Ich habe Schallplatten überknetet, und jede klingt anders.“ Der knarzende Plattenspieler ist Teil eines größeren Ensembles. Jacob hat eine ganze Bar in Originalgröße geknetet. Fotos, Flaschen, Aschenbecher und Kühlschränke hat er mit zahlreichen kleinen Knetstückchen in Schwarz, Weiß und verschiedenen Grautönen überzogen, die wie Pixel wirken. Der Effekt: Je weiter man sich vom Ensemble entfernt, desto schärfer das Bild.

Bei der Installation des Hamburger Illustrators Marlin van Soest sollte man hingegen dicht dran sein, um all die fili­gran ausgearbeiteten Details sehen zu können. Er hat die Steinwerder Flintwerft aus der ofenhärtenden Modelliermasse Fimo geknetet – vom schweißenden Metallarbeiter bis zu den kleinen blau-weißen Kacheln der Arbeiterküche. „Ich habe die Arbeiter sechs oder sieben Monate begleitet, Fotos gemacht und gezeichnet“, so van Soest. Anschließend begann die Modellage im Atelier.

Die mehr als 60 internationalen Arbeiten zeigen die Vielfältigkeit eines keineswegs nur für Kinder faszinierenden Materials – im MKG noch bis zum 3. November zu bestaunen.

„Alles Kneten. Metamorphose eines Materials“ bis 3.11., Museum für Kunst und Gewerbe (U/S Hauptbahnhof), Steintorplatz, Di–So 10.00–18.00, Eintritt 12,- (erm. 8,-)