Hamburg

Ausstellung zeigt Skandinaviens Goldenes Zeitalter

Wirklichkeitsbild mit idealisierenden Elementen: Johan Thomas Lundbyes „Eine Wiese nahe des Arresø-Sees“ (1838) Öl auf Papier.

Wirklichkeitsbild mit idealisierenden Elementen: Johan Thomas Lundbyes „Eine Wiese nahe des Arresø-Sees“ (1838) Öl auf Papier.

Foto: Hamburger Kunsthalle/Anders Sune Berg

Die Hamburger Kunsthalle zeigt mit „Im Licht des Nordens“ eine kleine, feine Ausstellung über den dänischen Impressionismus.

Hamburg.  Es ist die spezielle Atmosphäre des Nordens, die aus den Bildern direkt in die Seele spricht. Ein Baum, der in einer Landschaft bei Silkeborg einsam in den Himmel ragt. Ein Mann, der gedankenverloren aus dem Fenster auf Roskilde blickt. Das Schloss Frederiksborg auf Seeland in der untergehenden Sonne, die aber nie so satt wirkt wie über der Riviera. Es ist eine Kühle, die – so absurd es klingt – das Herz öffnet.

Menschenleere Strände, Wege, die ins Nirgendwo führen – die Motive der dänischen Impressionisten sind uns aus unzähligen Urlauben bekannt. Doch die Stilrichtung? Hinkt im Bekanntheitsgrad ihrem überproportional großen französischen Pendant weit hinterher. Dabei ist der dänische Impressionismus eine Erfolgsgeschichte. Zeigt er doch, wie es den Künstlern einst gelang, ein Bild ihres Landes zu entwerfen, das uns bis heute als ewiges Sommeridyll erscheint.

Von den Kriegen und Konflikten, die Dänemark im 19. Jahrhundert beherrschen, ist in den Gemälden von Johan Thomas Lundbye, P. C. Skovgaard und Vilhelm Kyhn nichts zu spüren. Sie zeigen sanfte Hügel, dichte Buchenwälder und Küstenlinien – eine forcierte Wirklichkeitssicht mit idealisierenden Elementen, die der nationalen Identitätsbildung per verordneter Kunstprogrammatik dienen sollte.

Die Akademie führt die Malerei ins Goldene Zeitalter

Die Königlich Dänische Kunstakademie um Christoffer Wilhelm Eckersberg war es, die die Malerei in das Goldene Zeitalter zwischen 1810 und 1848 führte; die Künstler wirkten wie eine stabilisierende Kraft auf die Gesellschaft und schufen gleichzeitig Prototypen dänischer Landschaften. Christen Købkes „Partie von der Dossierung in Kopenhagen“ (um 1837) gilt als eines der Meisterwerke dieser Periode.

So wie uns Frankreich das perfekte Klischee der romantischen Liebe vorgaukelt, Italien für immer das Land der Genießer sein wird, so steht Dänemark für das Hyggelige, also Gemütliche, in der Landschaft ebenso wie im Einrichtungsstil. Kein Zufall also, dass in der ersten Etage der Kunsthalle ein eigener kleiner Museumsshop Vasen, Tischsets und Magneten zur Ausstellung „Im Licht des Nordens“ bietet.

Die chronologisch erzählte Schau dürfte, trotz ihrer quantitativen Bescheidenheit von 48 Werken, ein Volltreffer für den Museumssommer werden. Als Ausblick auf das Deutsch-Dänische Kulturelle Freundschaftsjahr 2020 werden Werke aus der Sammlung Ordrupgaard gezeigt, eine der hochrangigsten privaten Sammlungen an dänischer Malerei aus dem 19. Jahrhundert.

Die Fünen-Maler setzten ganz auf Freilichtmalerei

Sie geht auf die Kunstsammlung des Versicherungsdirektors Wilhelm Hansen und seiner Frau Henny zurück, die diese von den 1890er-Jahren an aufgebaut hatten – bis zum Tod von Wilhelm Hansen. Seine Frau vererbte die Sammlung und das Anwesen 1951 dem dänischen Staat. Seit 1953 ist Ordrupgaard, wenige Kilometer nördlich von Kopenhagen gelegen, als staatliches Museum öffentlich zugänglich.

Überwiegend ist die Natur Protagonist in den vom Winde verwehten Bildern der sogenannten Fünen-Maler: Peter Hansen, Johannes Larsen und Fritz Syberg setzten um 1900 ganz auf die Freilichtmalerei auf der gleichnamigen Insel. Prägende Figur war der mit Paul Gauguin befreundete „Chef-Impressionist“ Theodor Philipsen („Eine Straße im Hirschpark von Kopenhagen“, um 1890). Beeindruckend ist das Werk des Realismus-Malers Lauritz Andersen Ring: Anders als die meisten seiner Kollegen wollte er die Schattenseiten seiner Heimat zeigen und brachte das Leben von Bauern, Arbeitern und gesellschaftlich Ausgestoßenen auf die Leinwand. Und er malte wunderschöne Winterbilder, etwa „Klarer Wintertag am Spätnachmittag in Baldersbrønde“ (1904).

Fulminanter Schlusspunkt dieser kleinen, feinen Schau ist der Symbolist Vilhelm Hammershøi mit dem Schlüsselwerk „Ein junges nähendes Mädchen“ (1887). Es sind Bilder wie „Tanz der Staubkörnchen in den Sonnenstrahlen“ (1900) oder „Interieur mit sitzender Frau“ (um 1910) mit ihrer „unabgeschlossenen Rezeption, die Vilhelm Hammershøi zu einem sehr modernen Künstler machen“, so Kunsthallen-Kurator Markus Bertsch. „Seine Interieurs erzählen nichts und beantworten auch keine Fragen.“ Sie sind so still und bedeutsam – ein Sehnsuchtsort wie das Land selbst.

„Im Licht des Nordens“ 10.5.–22.9., Hamburger Kunsthalle (U/S Hauptbahnhof), Glockengießerwall 5, Di–So 10.00–18.00, Do bis 21.00, Eintritt 14,-/8,- (ermäßigt)