Hamburg

Für 25 Euro einen Überraschungsabend mit Kultur erleben

Auch eine Veranstaltung auf Kampnagel könnte dabei sein (Archivbild).

Auch eine Veranstaltung auf Kampnagel könnte dabei sein (Archivbild).

Foto: Klaus Bodig/HA

Per App oder Website wählt man den Tag, an dem man ausgehen möchte, und für 25 Euro bekommt man dann zwei Surprise-Tickets.

Hamburg.  Helmut Grokenberger ist eine Figur aus Jim Jarmuschs Episodenfilm „Night on Earth“: ein Taxifahrer, den es aus Dresden nach New York verschlagen hat, der allerdings nur bruchstückhaft Englisch spricht und schon vom Automatikgetriebe seines Taxis überfordert ist. Vom Stadtplan New Yorks hat er natürlich auch keine Ahnung, weswegen der von Armin Mueller- Stahl gespielte Helmut ein denkbar unfähiger Ratgeber ist. Oder?

Nachtleben heißt: sich treiben zu lassen. Nicht zu wissen, was einen erwartet, nicht zu wissen, wo man landen wird. Nachtleben heißt, jemanden wie Helmut nach einem Tipp zu fragen, und Helmut bringt einen dann irgendwohin. Es ist also eine ganz charmante Idee des Berliner Start-ups Ask Helmut, sich nach der Nebenfigur eines 28 Jahre alten Indiefilms zu benennen: Hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Ask Helmut jedenfalls bietet sogenannte „Helmut Surprise“-Pakete an: Per App oder Website wählt man den Tag, an dem man ausgehen möchte, und für 25 Euro bekommt man dann zwei Surprise-Tickets. Theater, Konzert, Club, was auch immer. Die Katze steckt im Sack, aber vielleicht ist es ja eine hübsche Katze?

Reizvolle Idee

Die Idee ist reizvoll und scheint sich in Berlin und München bewährt zu haben; das Hamburg-Debüt aber stolperte noch ein bisschen. Viel freundlich-trendiges Jungvolk fand sich da im Schanzenviertel ein, um sich im Hipsterhotel Superbude überraschen zu lassen. Es wurde überrascht: mit einer Rede von Ask-Helmut-Geschäftsführerin Conny Lohmann. Und einem Kurzkonzert der Hamburger Band Monako. Tja. Spannende Band zwischen Dub, Kraut und Indie. Aber nichts, was einen vom Hocker reißen würde, zumal Lohmann zuvor die Erwartungen hochgejazzt hatte, dass in Berlin die „Helmut Surprise“ einen schon mal zum Nick-Cave-Konzert bringen könnte. In Hamburg bringt sie einen zu Monako.

Aber immerhin: Mit der Superbude wurde für den Einstieg ein durchaus cooler Laden ausgesucht, da ließe sich was draus machen. Falls Ask Helmut es schafft, hier Vertrauen aufzubauen, dass man sich darauf verlassen kann, nicht in 08/15-Locations zu landen, könnte die „Helmut Surprise“ funktionieren. Bei Leuten, die einfach mal was unternehmen wollen, bei Touristen oder Neuhamburgern vielleicht. Es ist wie im Restaurant: Wer die Küche nicht kennt, macht mit einem Degustationsmenü nichts verkehrt. Wer sich aber halbwegs auskennt, isst besser à la carte.

Infos unter helmutsurprise.com