Kampnagel

Warm-up-Party mit Requisiten aus dem "Goldenen Handschuh"

Die Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein begrüßte das neue Jahr mit einer großen Party und zog eine positive Bilanz für 2018.

Hamburg. Viel mehr Leute hätten nicht in den großen Raum auf Kampnagel gepasst, in dem die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein in ihrer Warm-up-Party das neue Jahr begrüßte. Zum letzten Mal mit Maria Köpf als Geschäftsführerin, die die Hansestadt in Richtung Berlin verlässt. Sie erinnerte daran, dass 2018 ein sehr erfolgreiches Jahr für die Filmbranche gewesen sei. Einen Golden Globe und neun Lolas hätten Filme gewonnen, die Förderung aus dem Norden genossen hätten. „Mit aktuell zwei Filmen im Berlinale-Wettbewerb scheint 2019 nahtlos an diesen Erfolg anzuknüpfen“, sagte sie.

Kultur-Senator Carsten Brosda verabschiedete sich von Köpf und sagte: „Es geht beim Film um Überwältigung und um Erlebnisse, die uns aus den Socken hauen.“ Überwältigend sei auch die Bilanz des vergangenen Jahres mit den zahlreichen Dreharbeiten in Hamburg und Schleswig-Holstein gewesen. „Film ist eine der zentralen Säulen der Kultur in Hamburg“, so Brosda, der Köpf mit den Worten verabschiedete: „Es ist gut, dass sie dem Film erhalten bleibt.“

Moritz Bleibtreu beginnt mit den Dreharbeiten zu "Cortex"

Kampnagel kam am Mittwoch ziemlich Kiez-mäßig daher. In der großen Halle hatte man Teile der Requisiten des Films „Der Goldene Handschuh“ aufgestellt – die Leuchtreklame der kultigen Absturz-Kneipe und das schmuddelige Zimmer des Frauenmörders Fritz Honka. Fatih Akins Horrorfilm nach dem Roman von Heinz Strunk wird in der kommenden Woche am Sonnabend im Wettbewerb der Berlinale seine Weltpremiere erleben. Der Regisseur und sein Team waren viel befragte Gäste des Abends.

Noch in diesem Monat beginnt Akins Freund Moritz Bleibtreu mit den Dreharbeiten zum Psychothriller „Cortex“. Bei seinem Regiedebüt stehen unter anderem Nadja Uhl und Wotan Wilke Möhring vor der Kamera. „Das ist etwas, das ich schon lange machen wollte“, so Bleibtreu. „Es gibt wohl kaum einen Schauspieler, der nicht darüber nachdenkt, wie es wäre, eine Geschichte mal aus der eigenen Perspektive zu erzählen. Vielleicht liegt mir das ja. Ich würde mir sehr wünschen, wenn das für mich eine neue Perspektive eröffnet. Schauspielerei ist ein Ego-Trip. Alle betütern dich, fahren dich von A nach B. Du kannst Leute anschreien, und keiner ist dir böse. Das geht jetzt nicht mehr. Ich bin ja nicht nur Regisseur, sondern auch Produzent. Das ist eine völlig andere Art zu arbeiten. Ich lerne gerade viel, und es macht viel Spaß.“

Malte Grunert verspricht Hamburg eine Premiere des Nachkriegs-Films „Niemandsland“

Den hatte auch Detlev Buck, der zusammen mit Charly Hübner und Hermine Huntgeburth auf dem roten Teppich herum kasperte. Zusammen hatten sie an „Lindenberg! Mach dein Ding“ gearbeitet. Der Film ist jetzt abgedreht und in der Postproduktion. „Mit Hermine zu arbeiten ist fantastisch““, so Buck, der seine Regisseurin freundschaftlich knuffte.

„Es ist irre, dass ein Film die Leute mal so anfasst“, erzählte Drehbuchautorin Ruth Toma. Die Hamburgerin hat das Drehbuch zu Caroline Links Verfilmung der Kindheitserinnerungen von Hape Kerkeling „Der Junge muss an die frische Luft“ geschrieben, die mittlerweile schon mehr als 2,5 Millionen Zuschauer im Kino gesehen haben. Jetzt häufen sich bei ihr die Angebote, auch für andere Filmprojekte in die Tastatur zu greifen.

Produzent Malte Grunert verspricht Hamburg eine Premiere des Nachkriegs-Films „Niemandsland“ mit Keira Knightley, der im vergangenen Jahr in Hamburg und Umgebung gedreht wurde. Der von Ridley Scott mitproduzierte Film soll noch in diesem Monat in Großbritannien seine Weltpremiere erleben.

Grunerts Kollege Michael Eckelt berichtete, dass er gern einen Film über den Millionenbetrüger Felix Vossen drehen würde – und was ihn bisher daran hindert. „Die Geschichte finden alle geil, aber der Charakter ist den Leuten zu unsympathisch.“ Aber wenn man einen Film über Fritz Honka drehen kann…