Konzertkritik

The War On Drugs elektrisieren – und trösten 2000 Fans

The War On Drugs: Ihr aktuelles Album „A Deeper Understanding“ wurde Anfang des Jahres mit einem Grammy gekürt.

The War On Drugs: Ihr aktuelles Album „A Deeper Understanding“ wurde Anfang des Jahres mit einem Grammy gekürt.

Foto: Shawn Brackbill

Die US-Amerikaner boten im Mehr! Theater ein wohliges Bad im Sound. Einen Song widmeten sie einem hiesigen Rock ‘n’ Roller.

Hamburg.  Lange sei es her, erzählt Adam Granduciel, da habe er mit The War On Drugs im Molotow auf St. Pauli gespielt. Doch längst reicht den US-Amerikanern ein kleiner Kiezclub nicht mehr aus. Gut 2000 Fans kamen Mittwochabend ins Mehr! Theater am Großmarkt, um die Rockband der Stunde zu erleben. Ihr aktuelles Album „A Deeper Understanding“ wurde Anfang des Jahres mit einem Grammy gekürt.

Doch Sänger und Gitarrist Granduciel, ein unprätentiöser Typ mit Hippiehaar in Jeans und T-Shirt, vergisst die alten in Hamburg geknüpften Bande nicht. So widmet er die wunderbar driftende Nummer „Pain“ dem hiesigen Rock ‘n’ Roller Dave Doughman vom Duo Swearing At Motorist.

Ein wohliges Bad im Sound

Ohne Schmerz keine Schönheit, ohne Musik keine Heilung – Granduciel elektrisiert und tröstet zugleich mit seinem dunklen verheißungsvollen Gesang. Satt zwei Stunden ziehen die sechs Musiker das generationenübergreifende Publikum immer tiefer in ihre hymnischen, hypnotischen Songs hinein. Kein Set, zu dem die Menge permanent ausrastet. Vielmehr ein wohliges Bad im Sound. Ein Wogen. Ein Druck. Ein Atmen.

Verstärkt wird dieser Sogeffekt durch eine beeindruckende Lichtshow, die die volle Höhe der Halle nutzt. Und das bei bestem Sound – egal ob elegische Keyboardpassagen wie in „Strangest Thing“, ob beat-getriebene Euphorie wie in „Red Eyes“ oder ob psychedelisches Gitarreninferno wie in „Under The Pressure“. Und in der Zugabe „Holding On“ zeigt sich dann noch einmal die ganze zu Herzen gehende Wucht des großen Storytellers Granduciel, wenn er von ewigen Themen wie Erinnerung und Verlust, Veränderung und Hoffnung erzählt. Ein Abend, der nachhallt.