Konzertkritik

Tingvall Trio: Tobende Kinder und verträumte Melodien

Das Jazztrio sorgte in der Fabrik für Wohlfühlstimmung (Archivbild).

Das Jazztrio sorgte in der Fabrik für Wohlfühlstimmung (Archivbild).

Foto: Jenny Kornmacher

Das international besetzte Jazztrio um Martin Tingvall sorgte beim Hamburg-Konzert in der Fabrik für enorme (Gruppen-) Dynamik.

Hamburg.  Das Tingvall Trio zum Jahresabschluss in der Fabrik, das hat Tradition. Bereits zum neunten Mal treten Pianist Martin Tingvall, Bassist Omar Rodriguez Calvo und Schlagzeuger Jürgen Spiegel hier in der Vorweihnachtszeit auf; die Atmosphäre ist entsprechend familiär, durch den Backstage-Bereich tobende Kinder inklusive.

„Wir machen das heute ein bisschen anders“, leitet Tingvall am Dienstagabend das erste von zwei Fabrik-Konzerten ein und meint: Es gibt in den nächsten zwei Stunden auch lange nicht mehr Gespieltes zu hören. Setlist-Routine, auf langen Touren kaum vermeidbar, soll sich nicht einstellen.

Beim Tingvall Trio herrscht Gleichberechtigung

Routine passt aber auch gar nicht zu einem Trio, das viel mehr ist, als lediglich musikalischer Erfüllungsgehilfe seines Leaders. Zwar macht Martin Tingvall mit sympathischem schwedischen Akzent alle Zwischenansagen, doch ansonsten herrscht hier Gleichberechtigung.

Omar Rodriguez Calvo und Jürgen Spiegel brauchen keine abgesprochenen Soloparts, um zu glänzen, sie sind unverzichtbarer Bestandteil des Gesamtsounds. Wie Calvo bei „Hjälten“ vom 2006er-Album „Skagerrak“ seinen Bass singen lässt: ein Traum in Melodie gegossen. Wie Spiegel sich immer wieder in Rage trommelt, das hat schon was von einem Rockschlagzeuger und sorgt für enorme (Gruppen-) Dynamik.

Wohlfühlstimmung nach der Pause

Natürlich gibt es auch „Bland Molnen“ (Unter Wolken), eine Nummer, die Martin Tingvall schrieb, als er nach einem Konzert ganz oben in der Elbphilharmonie saß und plötzlich diese sehnsüchtig-verträumte Melodie im Kopf (und in den Fingern) hatte.

Ein schönes, dahinfließendes Konzert, bei dem auch die mit 35 Minuten zu lange Pause nicht weiter ins Gewicht fällt. Sobald die drei wieder auf der Bühne stehen und Martin Tingvall auf dem Steinway die Töne perlen lässt, ist einfach Wohlfühlstimmung angesagt.

Für das Hamburger Label Skip Records, bei dem das Tingvall Trio unter Vertrag ist, Teil einer Erfolgsgeschichte, die im kommenden Jahr ausführlich gefeiert wird. Dann begeht Skip das 20. Jubiläum mit einem Konzert in der Laeiszhalle – und natürlich ist auch das Tingvall Trio dabei.