St. Pauli

Reeperbahn-Festival begeistert mit Punk, Soul und Neoklassik

Joep Beving bei seinem Auftritt im Bahnhof Pauli beim Reeperbahn Festival

Joep Beving bei seinem Auftritt im Bahnhof Pauli beim Reeperbahn Festival

Foto: Florian Trykowski / © Florian Trykowski

Zum Start schon bilden sich Schlangen und Trauben von Punk’n Roll-Fans vor dem Molotow, am Spielbudenplatz und vorm Headcrash.

Hamburg.  „Hey, schenkst du uns dein Festivalbändchen?“, rufen zwei Schnorrer-Punks vor dem Millerntor-Hochhaus. Keine Ahnung, wen die beiden beim ersten Tag des Reeperbahn Festivals am Mittwoch unbedingt sehen wollen, aber bei MNNQNS im Headcrash wären sie goldrichtig. Die vier Mannequins aus Rouen gehören zu 42 Bands, die das Gastland Frankreich bis Sonnabend auf St. Pauli präsentiert, und nicht nur der wärmste Tag der Festivalgeschichte lässt den kleinen Club am Hamburger Berg dampfen. Punk’n’Roll, der klingt wie London 1977. Stark.

War der Festivalauftakt in früheren Jahren eine Gelegenheit zum lockeren Eingrooven, so geht es mittlerweile sofort in die Vollen. Das Molotow gleicht mit seinen vier Bühnen auf drei Etagen und im Hinterhof einem Bienenstock. Schottischer Indie-Wave-Rock von The Ninth Wave begleitet das Geschiebe vom Außenbereich die Treppen hoch zu den Londoner Math-Rockern black midi, die mit komplexen, dynamischen Songstrukturen das Durcheinander am Nobistor akustisch untermalen.

Zackiger Glam-Pop und filigrane Klavierkompositionen

Auch am Spielbudenplatz verknäulen sich die Schlangen und Trauben vor dem Klubhaus St. Pauli, vor Sommersalon, Häkken und Kukuun. Nina und Lotta Kummer, Schwestern der Gebrüder Kummer von Kraftklub aus Chemnitz, sowie der blinde Bassist Johann Bonitz bilden das Trio Blond und spielen vor offener Sommer-Salon-Fensterfront mit dem Rücken zur Straße zackigen Glam-Pop. Stimmengewirr, Beats, Gläsergeklirr. Trubel.

Der totale Kontrast dazu ist der Auftritt des niederländischen Pianisten Joep Beving. Seine neoklassischen, filigranen und traumwandlerischen Kompositionen im Kellerclub Bahnhof Pauli sind ideal zum Durchatmen – würde man denn wagen, Luft zu holen, so konzentriert hört das Publikum zu. Nur die Klimaanlage und das obligatorische Handyklingeln stören den großartigen, intensiven Auftritt.

Vorm Docks Tanzen zu Jungle

Zurück auf der Straße steht man direkt in der langen Schlange vor dem Docks. Dort spielt mit dem Londoner Modern-Soul-Ensemble Jungle, bereits Top-Ten-verwöhnt, die ideale Band, um den ersten Abend tanzend und mitwippend ausklingen zu lassen.

Reeperbahn Festival Fr 21.9., Sa 22.9.,
1-Tag-Ticket 45,-/55,-; 2-Tage­-Ticket 79,-; Ticketdesk am Festival Village Heiligengeistfeld; www.reeperbahnfestival.com