Kultur

Bestürzung über Tod von George Michael

George Michael (1963-2016), hier 2012 bei einem Konzert in Cardiff, verkaufte fast 100 Millionen Alben

George Michael (1963-2016), hier 2012 bei einem Konzert in Cardiff, verkaufte fast 100 Millionen Alben

Foto: Geoff Caddick / dpa

Der britische Sänger, Komponist von Hits wie „Last Christmas“, starb zu Weihnachten im Alter von nur 53 Jahren.

Es ist erschütternd genug, dass George Michael im Alter von nur 53 Jahren gestorben ist. Dass der britische Sänger aber just zur Weihnachtszeit starb, erscheint als besonders bittere Ironie. Wird doch gerade in diesen Tagen immer wieder auf allen Kanälen „Last Christmas“ gespielt, sein größter Hit aus der Wham!-Zeit, der allein ihm pro Jahr Millioneneinnahmen bescherte. „Last Christmas“ meint eigentlich nur das Weihnachten vom Vorjahr, jetzt wird daraus natürlich das „letzte Weihnachten“. Und nie wieder wird man den Song ganz unbeschwert hören können.

George Michael starb in einem Haus in Goring-on-Thames, 90 Kilometer von seiner Geburtsstadt London entfernt. Von Herzversagen war die Rede, auch das ist eine bittere Ironie bei jemandem, der zunächst als Schmuse- und Herzschmerzsänger berühmt geworden war. Es ist der tragische Endpunkt einer Karriere, die von vielen Höhen und Tiefen geprägt war.

Faith war sein größter Erfolg

George Michael, der 1963 als Sohn einer Britin und eines Griechen geboren wurde und eigentlich Georgios Kyriakos Panagiotou hieß, hat Musikgeschichte geschrieben. Noch als Teenie gründete er 1981 mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley das Duo Wham!, das mit langen Mähnen und eingängigen Popsongs wie „Wake Me Up Before You Go-Go“, „I’m Your Man“ und besagtem „Last Christmas“ die Charts stürmte – und von kreischenden Mädchen verfolgt wurde.

Ridgeley sollte davon bald genug haben. George Michael aber, der fast alle Songs von Wham! schrieb und produzierte und schon währenddessen mit „Careless Whis­per“ einen Solo-Hit landete, erfand sich 1987 musikalisch wie optisch neu. Und startete seine Solokarriere mit dem Album „Faith“, das sein größter Erfolg wurde und ihm einen Grammy einbrachte.

Er kaschierte zunächst seine Homosexualität

Schon zu Wham!-Zeiten hatte Michael mit seinem Image als Frauenschwarm gehadert. Er litt darunter, seine Homosexualität kaschieren zu müssen. Bis er im Januar 1991 in dem Brasilianer Anselmo Feleppa seinen Lebensgefährten fand. Das Glück währte jedoch nur kurz. Noch im selben Jahr, zu Weihnachten, offenbarte Feleppa Michael, dass er HIV-positiv sei. Er starb 1993 an einer Hirnblutung als Folge von Aids. Das stürzte Michael, der sich nicht angesteckt hatte, in eine schwere Krise, die nicht nur von einer monatelangen Schreibblockade geprägt war, auch von exzessivem Drogenkonsum. Seitdem hatte er immer wieder mit Suchtproblemen zu kämpfen.

George Michael wurde dann Schwulen-Ikone

Wieder erfand er sich neu, wechselte von der Plattenfirma Sony zu Virgin und legte 1996 mit „Older“ sein persönlichstes Soloalbum vor. Es war so etwas wie sein Coming-out, der erste Song „Jesus To A Child“ war Feleppa gewidmet. Von da an war George Michael auch eine Ikone der Schwulenbewegung.

Als 1997 seine Mutter starb, erlitt er eine schwere Depression und erneute Schreibblockaden. Und als er im April 1998 auf einer öffentlichen Toilette in Los Angeles von einem Polizisten in Zivil verhaftet wurde, durfte man das als sein persönliches „Michaelgate“ einstufen. Die US-Medien und bigotte Moralhüter gaben sich empört. Michaels Erklärung, er habe sich wohl unbewusst nach einen öffentlichen Skandal gesehnt, scheint gar nicht so abwegig. Zumindest konterte er politisch mit der Single „Outside“, in deren Videoclip er als Polizist Verhaftungen wegen vermeintlich unsittlichen Verhaltens geißelte.

1998 brachte George Michael seine Best-of-CD „Ladies and Gen­tleman“ heraus, 1999 mit „Songs From The Last Century“ ein Album, auf dem er Klassiker des American Songbook coverte. Sein Album „Patience“ sollte 2004 sein letztes sein.

Keine verdächtigen Todesumstände

Zum Schluss musste man sich immer häufiger Sorgen um den Sänger und Songwriter machen. 2011 wäre er in Wien beinahe einer Lungenentzündung erlegen. Eine Erfahrung, die er im Song „White Light“ verarbeitete. Zur Olympia-Abschlussfeier in London 2012 trat er wieder auf, kurz danach aber ein neuer Schock, als er aus einem Auto fiel. Immer wieder wurde er mit Drogen hinterm Steuer erwischt. Auf seiner Internetseite begann Michael seine Vita mit dem symbolträchtigen Satz: „Alle wissen, wer George Michael ist. Oder zumindest denken sie, sie wissen es.“

Nun ist der Mann, der fast 100 Millionen Alben verkauft hat, überraschend gestorben. Die Polizei, die am Sonntagnachmittag in sein Haus gerufen wurde, sah keine verdächtigen Umstände.

Kollegen und Weggefährten zeigten sich in den sozialen Medien bestürzt. „Ich habe einen geliebten Freund verloren – den nettesten, großzügigen und einen brillanten Künstler“, teilte Elton John auf Instagram mit. Sein Wham!-Gefährte Andrew Ridgeley schrieb: „Mein Herz ist gebrochen über den Verlust meines geliebten Freundes Yog.“ Madonna postete, was wohl viele denken dieses Jahr, das uns so viele Legenden nahm: „Lebe wohl, mein Freund. Wieder ist ein großer Künstler von uns gegangen. Kann sich 2016 jetzt nicht verpissen?“