Trauer

Armin Sandig war Maler und Förderer der Kunst

Armin Sandig vor einem Jahr bei der Eröffnung seiner letzten Ausstellung in der Handelskammer

Armin Sandig vor einem Jahr bei der Eröffnung seiner letzten Ausstellung in der Handelskammer

Foto: Axel Heimken / dpa

Der langjährige Präsident der Freien Akademie der Künste Hamburg ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

Hamburg. Der Hamburger Maler und Grafiker Armin Sandig ist tot. Er starb bereits am 7. August im Alter von 86 Jahren. Über Jahrzehnte hinweg hat der gebürtige Oberfranke die Hamburger Kulturszene geprägt, als Künstler, aber ebenso als Präsident der Freien Akademie der Künste, an deren Spitze er von 1980 bis 2011 stand. Mit großer Beharrlichkeit engagierte er sich für die hoch geschätzte, aber finanziell nur bescheiden ausgestattete Institution am Klosterwall.

Ungeachtet der von ihm attestierten „zuverlässigen Ungunst der Verhältnisse“, hat er der Akademie im Hamburger Kulturleben stets Gewicht und Stimme gegeben und seine eigene künstlerische Arbeit dabei oft hintangestellt. Mit einem Charme, dem sich so leicht keiner zu entziehen vermochte, gelang es ihm immer wieder, Förderer und Sponsoren zu finden, ohne die die Arbeit der Akademie gar nicht denkbar gewesen wäre. Zugleich verstand er sein Wirken als Akademiepräsident stets auch als persönliche Bereicherung, weil es ihm die Gelegenheit bot, in einen spannenden Dialog mit anderen Kunstsparten zu treten und sich auch für diese zu engagieren. Dabei verstand er es, die Arbeit des Präsidenten mit der des Malers pragmatisch zu verbinden. Ein- oder zweimal pro Woche war er in der Akademie vor Ort, sonst regelte er alles vom Atelier aus.

„Es gibt Momente, in denen der schöpferische Funke aufscheint, aber das sind nur Momente. Dann kommt auch für einen Maler das Handwerk, und dabei kann man wunderbar telefonieren“, sagte Sandig, der häufig vor der Staffelei stand, in der einen Hand den Pinsel, in der anderen das Telefon. Während er malte, führte er Gespräche, diktierte Briefe oder besprach sich mit seinen Mitarbeitern.

„Eigentlich habe ich damit gerechnet, jung zu sterben. So mit 35 vielleicht, aber dann war ich auf einmal 40“, hatte der Maler vor sechs Jahren im Abendblatt-Gespräch gesagt. Bei der Eröffnung seiner letzten eigenen Ausstellung im vergangenen Jahr in der Handelskammer sprach er offen über seine zunehmende Erblindung, die er mit Gelassenheit zu ertragen versuchte. Trotz aller Einschränkungen hat er noch fast bis zuletzt in seinem Atelier gearbeitet, das für ihn zugleich der Lebensmittelpunkt gewesen ist. Dort ist er am Freitagabend auch gestorben.

„Professor Armin Sandig hat sich um die Hamburger Kultur verdient gemacht. Ich habe ihn stets als einen sehr anregenden Gesprächspartner geschätzt“, schrieb Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, und fügte hinzu: „Seine weit gefächerten Interessen, sein enormes Wissen im Bereich der Musik, der Literatur, der Philosophie, sein Denken auf der Höhe der Zeit, seine Urteilskraft, sein Engagement für die Freie Akademie der Künste und für die gesamte Kultur in Hamburg – all dies wird uns sehr fehlen. Wir wissen aber, dass es in seinem Sinne wäre, wenn wir uns über das freuten, was er uns hinterlassen hat und was unvergänglich bleiben wird: Sein reiches künstlerisches Erbe.“

Armin Sandig stammt aus Hof an der Saale, wo er als Autodidakt seine künstlerische Laufbahn begann. Er hatte schnell Erfolg, bekam bereits mit 19 seine erste Einzelausstellung. Ein Jahr zuvor hatte ihn seine Heimatstadt schon mit dem Jean-Paul-Preis geehrt. Max Beckmann, Paul Klee und Wassily Kandinsky waren jene Maler, die ihn in seinen frühen Jahren besonders beeinflusst und geprägt hatten.

Sandigs Werke sind in den Sammlungen vieler bedeutender Museen vertreten

Der Erfolg des jungen Malers, der sich bald dem Informel zuwandte, hielt auch an, als er 1951 nach Hamburg zog. 1960 wurde er mit dem Lichtwark-Stipendium ausgezeichnet, 1972 mit dem Edwin-Scharff-Preis. Seit den 70er-Jahren veränderte sich Sandigs Bildsprache, abstrakte Positionen wurden zunehmend von gegenständlichen und figürlichen Kompositionen abgelöst, der er eine ganz eigene Bildsprache zu verleihen verstand.

Die Staatsgalerie Stuttgart, das Museum Ludwig in Köln, das Städel in Frankfurt, das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, die Kunsthalle Bremen und selbstverständlich auch die Hamburger Kunsthalle gehören zu den Museen, in deren Sammlungen Sandigs Werke vertreten sind.

Anlässlich seines 80. Geburtstags zeigte die Kunsthalle 2009 eine große Retrospektive. Eigentlich habe er schon genug Bilder gemalt, gab er damals zu Protokoll. Doch brauche er das Malen für seine seelische Gesundheit und seine Identität. Er wolle lieber morgen ohne Schmerzen als in zehn Jahren mit Schmerzen sterben.

„Es gibt eine kleine aber feine Gemeinde von Sammlern, die seine Bilder hoch schätzen. Vielleicht wird daraus ja einmal ein großer Kreis von Kunstbegeisterten. Manchmal braucht so etwas einfach seine Zeit, und die Gründer hoffen, dass sie mit ihrer Vereinsgründung helfen können, diese Zwischenzeit zu überbrücken“, heißt es in der Präambel der Stiftung Armin Sandig, die sich um Sicherung, Bewahrung und Förderung des Œuvre des bedeutenden Hamburger Künstlers bemühen wird.