Uhlenhorst

Hamburger Arzt eröffnet Galerie für politische Kunst

Dr. Thanasis Bagatzounis, griechischer Arzt (Onkologe) und die Künstlerin Sylvia Henze mit Penny Monogiou

Dr. Thanasis Bagatzounis, griechischer Arzt (Onkologe) und die Künstlerin Sylvia Henze mit Penny Monogiou

Foto: Juergen Joost

Der Grieche Thanatis Bagatzounis hat auf der Uhlenhorst eine ganz andere Galerie eröffnet: Nun läuft eine Ausstellung mit Sylvia Henze über Zypern.

Hamburg. Im feinen Uhlenhorst, zwischen Gourmet-Restaurants, Friseuren, luxuriöser Floristik und Mode-Ateliers, hat kürzlich eine Kunstgalerie eröffnet, die so ganz anders ist als das, was man sonst von Galerien gewöhnt ist. Drinnen an der Wand der Papenhuder Straße 57 hängen Fotos von Fenstern, die mit Säcken verbarrikadiert sind – sie zeigen die Normalität in der streng überwachten „Pufferzone“ auf der geteilten Insel Zypern. Die Fotos stammen von der Hamburger Künstlerin Sylvia Henze, die jahrelang auf Zypern recherchierte und fotografierte, weil das Schicksal der dortigen Bewohner am vergessenen Rand Europas sie nicht losließ.

Ein sanfter, höflicher Mann tritt hinter seinem Schreibtisch hervor: Der Grieche Thanatis Bagatzounis, 52, ist der Galerie-Inhaber, aber er ist weder Künstler, noch war er bisher im Kunst-Business unterwegs. Bagatzounis ist ein sehr erfolgreicher Arzt, Onkologe, genauer gesagt. In seiner Jugend hat er einmal vier Jahre in Hamburg verbracht, und nach seinem Medizinstudium hat er mit schier grenzenloser Energie auf Zypern ein Onkologie-Zentrum aufgebaut, um den Krebskranken auf der Insel helfen zu können. Doch sein Engagement, erzählt er, wurde ausgebremst, und nach Jahren zäher, zermürbender Kämpfe um eine Erweiterung des Zentrums, nach vielen Zeitungsartikeln, Reden und Briefen hat sich Thanatis Bagatzounis zurückgezogen.

Für das Leid und die Ohnmacht findet Sylvia Henze starke Metaphern

Seit 2013 lebt und praktiziert er nun in Hamburg, aber schon länger ist die Idee in ihm gereift, eine Kunstgalerie zu eröffnen, um die Menschen von einer anderen Seite her aufzurütteln und auf diese Weise auch seine bitteren Erfahrungen zu verarbeiten. Tagsüber arbeitet die junge, pointiert politische Installationskünstlerin Penny Mono­giou in seiner Galerie, auch sie kam 2013 nach Hamburg. Mit Sylvia Henze hat er wieder eine passende Künstlerin gefunden, deren Arbeit zu seiner Idee passt, politische Kunst zu zeigen.

Sie befasst sich zwar mit der Situation auf Zypern, aber im Grunde haben ihre Arbeiten etwas Überzeitliches. „Ich bin überzeugt, dass ein Bild viel mehr Kraft hat, etwas auszudrücken“, sagt Bagatzounis. Mehr als sein Kampf um eine größere Klinik es je vermochte. Für das Leid und die jahrzehntelange Ohnmacht findet Henze starke Metaphern: In die Köpfe von Betonstelen, die wie eine kleine Armee auf den Besucher zuzumarschieren scheinen, integrierte sie Fenster für ihre Mini-Filme, in denen die klagenden Münder alter Frauen vom Verlust ihrer Söhne im Krieg 1974 berichten.

In einem Kabinett hat Sylvia Henze eine bürgerliche Idylle errichtet: In der Mitte ein Tisch mit Stühlen und hübschem Geschirr, bei näherem Hinsehen tragen Teller und Terrine Bilder hungernder Kinder und Panzer, die Lampe darüber besteht aus einer Bein-Prothese, an der zwei Glühbirnen baumeln. „Humanity“ heißt die Installation.

Der Galerist hofft, dass Künstler sich durch solche Ausstellungen auf hohem künstlerischem und ethischem Niveau inspirieren lassen, dass seine Galerie für ganz unterschiedliche Menschen ein „Ort des Austausches“ wird und die Themen Flucht, Gerechtigkeit und Menschlichkeit ins Bewusstsein rücken.

Sylvia Henze in der Galerie, Papenhuder Str. 57,
bis 7.5., Mo–Sa 10.00–18.00