Ausstellung

Galerie der Gegenwart: Bilder von Schmerz und Zuversicht

Abflug? Ein Foto von Adrian Paci

Abflug? Ein Foto von Adrian Paci

Foto: © Courtesy the artist, Galerie Peter Kilchmann

Die Schau, die bis zum 13. September läuft, ist eine sehenswerte Fotoausstellung zum Thema Hoffnung.

Hamburg. Petra Roettig hat als Kuratorin an der Hamburger Kunsthalle schon viele herausragende Themen-Ausstellungen mit Fotografie verantwortet, etwa die grandiose Schau „Lost Places“. Nun hat sie – ursprünglich zur Triennale der Photographie – das Thema Hoffnung ausgewählt.

Fast ohne Etat ist diese Ausstellung zustande gekommen, und an manchen Stellen wirkt sie deshalb ein bisschen willkürlich zusammengefügt. Gut, dass die Kuratorin wenigstens Zugriff auf die Kunstsammlung der Deutschen Bank hatte. So ist eine sehenswerte Schau entstanden, mit sehr intensiven Arbeiten, oft auf Film. Hoffnung, so hat man das Gefühl, gebiert einen Sog: Während hierzulande die Menschen im Wohlstand leben, riskieren sie andernorts alles für ein besseres Leben. Fluchtbewegungen bilden ein großes globales Thema, und so lange ist es schließlich auch in Deutschland noch nicht her, dass Menschen zum Kriegsende in den Westen flohen und jahrelang in Flüchtlingsbaracken lebten.

Schmerzvolle Dinge sind an jenen Orten geschehen, wo Eva Leitolf fotografiert

Die Fotografin Eva Leitolf hat scheinbar nichtssagende, menschenleere Orte aufgesucht, die im Zusammenhang mit Hoffnung schmerzvolle Geschehnisse gespeichert haben. In dem sizilianischen Naturreservat Vendicari zum Beispiel fanden Spaziergänger am Strand mehrere angespülte Schuhe. Wenig später wurden 17 Tote angeschwemmt. Auf eigene Faust fanden die Spaziergänger die Identität der Toten heraus, nahmen Kontakt mit den Angehörigen auf und organisierten eine muslimische Totenzeremonie, an der 100 Menschen teilnahmen. Die Orte, die Leitolf fotografiert hat, tragen oft keine sichtbaren Spuren solcher Geschichten. Diese hat Leitolf auf Postkarten dokumentiert, die unter jedem Foto zum Mitnehmen gestapelt sind.

Weniger politisch, als auf dem Feld technischer Experimente lassen sich die Fotografien von Dayanita Singh und Rivane Neuenschwander lesen: Singh fotografiert nachts brillant farbige, verfremdete Motive mit einem Tageslichtfilm, während Neuenschwander im Kleinteiligen oder Verschwommenen Poesie offenlegt.

Direkt greift der Albaner Adrian Paci das Thema auf. Wenngleich seine Metapher dicht gedrängt stehender Arbeiter auf einer Gangway ohne Flugzeug sehr plakativ ist, funktioniert der Film als Ganzes auf einer tieferen Ebene. Paci geht mit der Kamera ganz dicht heran an die Männer, sodass sie nicht mehr als anonyme Masse wahrgenommen werden, sondern als einzelne Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben.

Die Absurdität staatlicher Ab- und Ausgrenzungspraktiken inszeniert Clemens von Wedemeyer in einem Film nach, indem er alltägliche Szenen, die er 2004 vor dem russischen Generalkonsulat in Moskau beobachtete, in einem Wald bei Berlin von russischen Immigranten nachspielen lässt. Die Verlagerung des Ortes steigert die Absurdität bis an die Grenze der Groteske.

Im nächsten Raum fällt wieder ein Film ins Auge, dessen Schauplatz durch die Gewaltigkeit seiner Maschinen unentrinnbar erscheint. Unabänderlich wie der Lebensverlauf all der jungen Arbeiterinnen und Arbeiter, die dort in der Osram-Fabrik im chinesischen Fosha­n Glühbirnen zusammenbasteln. Die Künstlerin Cao Fei bat sie, ihre Träume von einem anderen, schöpferischen und freien Leben vorzuführen, und sie verwandelten sich in traumverlorene Ballerinen oder Musiker.

Vielleicht hatte sogar der Slowake Roman Ondák die beste Idee: Am Ende seines Film „Lucky Day“ kippt der Protagonist einen ganzen Sack voller Geld einfach in einen Brunnen ...

„The Day will come, when there is hope“, Galerie der Gegenwart, Glockengießerwall, bis 13.9., Di-So