Spielbudenplatz

Das Schmidtchen ist das jüngste Baby in Cornys Imperium

Sind vier Scheren besser als eine? Corny Littmann, Andy Grote, Katharina Fegebank und Norbert Aust durchschneiden zur Eröffnung das rosa Band vor dem Eingang zum Schmidtchen

Sind vier Scheren besser als eine? Corny Littmann, Andy Grote, Katharina Fegebank und Norbert Aust durchschneiden zur Eröffnung das rosa Band vor dem Eingang zum Schmidtchen

Foto: Roland Magunia

Am Sonnabend eröffnete das Schmidtchen am Spielbudenplatz, Littmanns Kleinkunstbühne Nummer drei auf dem Kiez, mit einer Gala.

Hamburg.  Rosa Häschen, angetüterte Matrosinnen, kichernde Biene Majas, noch mehr angetüterte Matrosinnen, noch mehr rosa Häschen … Man kann sich einen Spaß daraus machen, auf dem Weg zum neuen Schmidtchen auf dem Spielbudenplatz die Junggesellinnenabschiede zu zählen, die man notgedrungen passiert. Natürlich wird auch das Schmidtchen, der kleine Club-Nachwuchs in Corny Littmanns verzweigter Schmidt-Familie, die eine oder andere dieser proseccoseligen Grüppchen künftig zum Besuch bewegen. Und obschon auch am Premierenabend der Alkohol selbstredend etwas generöser floss, darf man wohl die These wagen: Ein total beschwipstes Grundgefühl kriegt dieses Schmidtchen locker auch ohne Promille auf die Reihe.

Auf stilecht pinkfarbenem Teppich und vor rosa Luftballons trafen sich am Sonnabend Freunde und Familie im Geiste, um die neue Kleinkunstbühne mit New Yorker Kellerclub-Anmut und detailverliebter Ausstattung (die Bodenfliesen! die Kerzenleuchter!) bestens gelaunt aus der Taufe zu heben. Ein „zentraler Bestandteil von Sankt Pauli“ sei das Schmidt-„Imperium“, schmeichelte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin (und Sankt-Pauli-Bewohnerin) Katharina Fegebank (Grüne) bei schönstem Sonnenschein, auch „weil hier die Zukunft gemacht“ werde.

Nun ja, nicht die ganze Zukunft, versteht sich, und selbst für die Zukunft der Abendunterhaltung wirkt an dieser Stelle vielleicht etwas reichlich Retro-Charme. Aber der dafür umso wonniger. Wer das Schmidtchen betritt, merkt (trotz des noch eine Weile vorherrschenden Baustellen-Ambientes an der Fassade und in den oberen Stockwerken) sehr schnell: Hier wird man so einige hemmungslos gute Abende haben können. Zahlreiche Newcomer oder wenigstens: in Hamburg neu zu entdeckende Künstler haben Programmchef Mirko Bott und Schmidtchen-Gastgeber Henning Mehrtens für das Theater bereits gebucht. Den Stand-up-Comedian Stefan Danziger zum Beispiel, der sein Publikum auf Kosten der Berliner amüsiert – in Hamburg immer gern genommen. Oder Sven Ratzke, der am Mittwoch den Auftakt des regulären Programms startet und zur Einweihung im Die-Elbe-glüht-Glamouranzug mit passend roten Glitzerschuhen eine anrührende Variante von „I Will Survive“ auf Deutsch singt und ansonsten für jede Menge schräg-distanzlose Komik gut ist. Den Gästen aus der ersten Reihe trinkt er die Umsonst-Schnäpse weg – und Christa Goetsch, frühere Zweite Bürgermeisterin, geht an diesem Abend mit Steven Spielberg, der ihrem Mann immerhin verblüffend ähnlich sieht, nach Hause.

Aber „nicht nur Newcomerbühne, auch Gnadenhof“ will das Schmidtchen sein, wie Hausherr Corny Littmann – nun ganz in Weiß mit roter Fliege – gewohnt charmant seinen ältesten Künstler ansagt: Karl Dall („Hans Albers war ein großer Fan von mir“) darf „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ singen, und der Saal darf schunkeln. O-Ton Littmann: „Man muss in so einem Programm auch einen Tiefpunkt haben.“ Karl Dalls komplettes Programm „Der alte Mann will noch mehr“ läuft jedenfalls als Hamburg-Premiere am 14. Juni.

Schon jetzt voll vielversprechendem Witz und sofort ansteckender Energie ist ein Ausschnitt aus der erst seit einer Woche geprobten Eigenproduktion „Entführung aus dem Paradies“ mit Nik Breidenbach und Carolin Fortenbacher (Uraufführung 9. Juli; Regie: Littmann). Und Promi-Imitator Jörg Knör kommt künftig sogar einmal im Monat, auch um dem Schmidtchen sein -chen zu rauben und als dauerschmauchender Altkanzler Helmut „mental und menthol“ voll auf der Höhe zu sein.

Ihn erinnere das Schmidtchen an das alte, erste Schmidt Theater, gestand Littmann ein wenig sentimental. Stimmt. Überschaubar, stellenweise glamourös und mit Hang zu leicht derangierter Beklopptheit. Dieser Neuzugang der Schmidt-Dynastie hat genau das, was Nachwuchs in jeder Familie so liebenswert macht: Man kann sich vom ersten Moment an kaum mehr entsinnen, wie es ohne war.

Schmidtchen Spielbudenplatz 21/22, Programm ab 10.6., Karten: T. 31 77 88 99