Versteigerung

Für Kunstauktion: Zwei Maler beschenken das Sasel-Haus

Die Künstler Kriemhild Flake und Otto Quirin haben für die versteigerung Bilder zur Verfügung gestellt

Die Künstler Kriemhild Flake und Otto Quirin haben für die versteigerung Bilder zur Verfügung gestellt

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Kunst beflügelt Musik im wahrsten Sinne – denn nun soll eine Gemäldeauktion das fehlende Geld für den neuen Konzertflügel im Sasel-Haus bringen.

Sasel.  Künstler sind in der Regel keine Mäzene. Am anschaulichsten symbolisiert das vielleicht Spitzwegs berühmter „Armer Poet“, der mit dem Schirm in der Hand in seiner nicht mehr ganz wetterfesten Dachkammer besserer Zeiten harrt. In Sasel ist das anders. Ganz anders.

Da spenden die Kunstmaler Kriemhild Flake und Otto Quirin insgesamt 22 Bilder aus den letzten zehn Jahren ihres Schaffens, damit das Sasel-Haus seinen Konzertflügel abbezahlen kann. Am Sonnabend, 11. April, 14 bis 17 Uhr und am Sonntag, 12. April, 14 bis 15 Uhr sind die Bilder zu sehen, eine Stunde später (16 Uhr) kommen sie unter den Hammer. „Kunst beflügelt Musik“ heißt das Motto.

Beide Maler haben vielfach im In- und Ausland ausgestellt. Beide wohnen in der Nähe. Beide haben ihre Bilder oft schon im Sasel-Haus gezeigt, beide schätzen die Konzerte und wollen dem Haus etwas zurückgeben. Es ist wie ein Vermächtnis. Sie ist 79, er 88. Sie wollen, dass das Sasel-Haus erfolgreich bleibt und weiter im Konzert der eigentlich viel Größeren mitmischt.

Mit den Bildern Flakes und denen des international bekannten Quirin tut es das. Beide beschäftigen sich mit Formen. Kriemhild Flake mit organischen, Otto Quirin eher mit geometrischen. Und beide lösen die Formen auf ins Spielerische. In der Betrachtung werden die Blätter und Blumen Flakes zu Gesichtern, Quirins Linien und Collagen zu Fabelwesen und Geschichten. Komik und Leichtigkeit sind ihm wichtig. „Ohne einen Schuss Albernheit geht es nicht“, sagt Quirin, „je älter ich werde, desto mehr brauche ich davon.“

Er liebt die kräftigen Farben, sie die zarten Töne. Mit der Struktur fängt Flake an. Und die ist immer erhaben bei ihr. Sie modelliert „Beton“, wie sie sagt, auf ihre Leinwand. Eine Masse, die nach dem Trocknen äußerst flexibel bleibt und trotzdem hart ist. Danach erst bringt sie die luftigen Farben auf ihre Form. „Die Bilder werden ja auch per Post verschickt, da darf nichts kaputt gehen!“, sagt sie. Auch Kunst gehorcht praktischen Zwängen.

Blätter und Blumen sind ihre bevorzugten Motive. An ihren Strukturen zeigt sich die Auflösung des Organischen wie eine Spur des Urschlamms, aus dem das Neue wächst. Die Fantasie findet beim Betrachten neue Bilder.

Bei Quirin kommt auch das Abgründige immer mit Humor auf die Leinwand. Strichmännchen kommentieren mit ihrem Blick auf das Werk, dessen Teil sie sind, die Arbeit ihres Schöpfers. Oder es taucht ein kleiner Störer zwischen den großen Linien einer Komposition auf, zentriert den Blick des Betrachters und gibt der Szene Tiefe. Als wenn nur der Störer, der Überflüssige, der Nichtsnutz dazu in der Lage wäre.

Die Bilder hängen am Ort der Konzerte, dem großen Saal im ersten Stock. Er ist Sporthalle, Konzertsaal, Flohmarktplatz oder eben Galerie. Das wohnliche Holz und die hervorragende Akustik prädestinieren den Saal allerdings für die Musik. „Es ist unglaublich überzeugend, was die Veranstalter hier auf die Beine bringen“, sagt Quirin, der oft und gern zuhört.

450 Plätze hat der Saal. Ensembles wie das Concerto Köln, Trio Con Brio Copenhagen, Rudolf Buchbinder, Markus Becker, Dorothee Oberlinger oder Ensembles der Berliner Philharmoniker, des Leipziger Gewandhausorchesters oder der Staatskapelle Dresden kamen und kommen regelmäßig in die Saseler Provinz und spielen vor vollem Haus.

20.000 Euro sind durch Spenden schon zusammengekommen

Die Treppe hinauf in den Saal ist zwar steil und beschreibt eine 180-Grad-Kurve. Aber den Steinway-Flügel für die Kammerkonzerte da hoch zu schleppen war trotzdem lange Routine für die Männer vom Musikalientransport. Doch im Mai 2012 machte einer von ihnen eine unbedachte Bewegung. Er konnte seinen Teil der gut 500 Kilo nicht mehr halten. Der Flügel stürzte ab.

Zwar wurde niemand verletzt, aber das Instrument hatte sich erledigt. Und die Transporte auch. Niemand wollte das Risiko eines zweiten Absturzes noch tragen. Es wurden nur noch die kleinsten Instrumente geliefert und die Versicherungssumme wurde absurd teuer. Die Konzerte waren in Gefahr. Eine lange gewachsene Tradition, ein mühsam aufgebautes Netzwerk zu Spitzenmusikern aus aller Welt drohte nutzlos zu werden.

Da ging das Sasel-Haus ins Risiko, setzte auf die Solidarität der Mitglieder und Konzert-Abonnenten und kaufte sozusagen bargeldlos ein Instrument. Trotz eines großzügigen Nachlasses des Pianohauses Zechlin wurden 36.000 Euro fällig, abzutragen in jährlichen Raten.

20.000 Euro sind durch Spenden inzwischen schon zusammengekommen. Jetzt soll die Auktion die verbliebene Lücke schließen helfen. Zwischen 300 und 1500 Euro liegen die festgesetzten Mindestgebote. Zehn Bilder sind von Flake, zwölf von Quirin.

„Die Hälfte zu verkaufen wäre schon ein großer Erfolg“, sagt Rechtsanwalt Rüdiger Warnke aus dem Förderverein des Sasel-Hauses, der den hölzernen Auktionshammer schwingen und die Bilder fachgerecht anpreisen will.

Quirin legt die Latte höher und fordert mehr Optimismus: „Unter 100 Prozent verkaufte Bilder gehen wir nicht nach Hause.“