Menschlich gesehen

Hamlet sein

"Wieso eigentlich nicht?", sagte sich Rosemarie Kraft. Ein Kollege im Theaterkursus an der Volkshochschule in Othmarschen hatte ihr vom "Hamlet"-Monolog-Projekt des neuen Thalia-Intendanten Joachim Lux erzählt.

Die studierte Neurobiologin und Wissenschaftsautorin stand gestern als Erste von 240 Hamburgern auf der großen Bühne am Alstertor. Sie hat ein selbst geschriebenes Lied gesungen. "Der Text bezieht sich auf Hamlets Kritik am Druck der Mächtigen und am Übermut der Ämter." Die Hartz-IV-Empfängerin findet das Sozialgesetz entwürdigend und wollte das mit ihrem Lied einmal öffentlich loswerden.

Seit 1995 lebt die gebürtige Münchnerin in Hamburg, kam wegen eines Jobs bei Greenpeace an die Alster. Der ledigen 56-Jährigen liegt das Schreiben an sich viel näher als das Theater. "Ich habe Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben, auch Lieder."

Den "Hamlet" kannte sie vorher nicht: Weder das Shakespeare-Stück noch eine Aufführung. Und bisher hatte sie nur im VHS-Kursus vor Bekannten gespielt. "Ich bin noch nie auf so einer großen Bühne vor so vielen Leuten gestanden."

Um sich vor ihrem Bühnenauftritt zu beruhigen, hat Rosemarie Kraft einen Krimi gelesen. "Das entspannt mich." Will sie denn nun zur Schauspielerei wechseln? "Wäre schön, aus Hartz IV herauszukommen. Wenn es klappen soll, dann klappt's!"