Hamburgische Staatsoper

"Don Giovanni", mehr tot als lebendig

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Joachim Mischke

Die Premiere der Mozart-Oper in der Staatsoper, dirigiert von Simone Young und inszeniert von Doris Dörrie, war ein kunterbunter Flop.

Hamburg. Wenn eine Opern-Spielzeit mit einem Klassiker wie Mozarts „Don Giovanni“ beginnt, dann ist das mehr als nur eine Stück-Auswahl. Dann ist das eine Ansage, denn bei kaum einem anderen Komponisten ist die mögliche Fallhöhe so respekteinflößend. Die Premiere am Sonntag, mit der Staatsopern-Chefin Simone Young ihre Saison eröffnete, war eine klare Ansage. Sie traute es der als Filmemacherin und Autorin erfolgreichen Doris Dörrie offenbar zu, als Regisseurin einen verständlichen, anspruchsvollen und stringenten Blick auf eine der schwersten Opern Mozarts bieten zu können. Dem war nur leider nicht so. Ganz und gar nicht.

Dörrie machte auch an der Dammtorstraße lediglich das, was sie schon des Öfteren auf einer Opernbühne versucht hatte: Bunte Bebilderung, verquirlt mit Zitaten und Mätzchen. Hier war ihr Regie-Leitmotiv die Idee, den Schwerenöter kreuz und quer durch die Zeiten zu jagen, verfolgt und umtänzelt von einem weiblichen Tod (Tadashi Endo, Stammgast in Dörries Arbeiten) und mit überputzigen Anspielungen an den mexikanischen Totenkult dekoriert. Schon nach Ende der Pause regten sich dagegen lautstarke Missfallensbekundungen im Saal.

Das heil- und konzeptlose Durcheinander auf der Bühne hätte man sich als anderen Blick auf das Stück noch gefallen lassen, wäre wenigstens der musikalische Teil angemessen gelungen gewesen. Doch auch das war auf dramatische Art und Weise nicht der Fall. Young ließ so ziemlich jedes Gespür für die Feinheiten, Abgründe und Höhepunkte dieses Stücks vermissen. Die Rezitative wurden lieblos abgearbeitet, die Ensembleszenen auf der von Young so beliebten Zentralpark-Position direkt vor ihrem Taktstock absolviert. Die diffizile Innenspannung, die den Rahmen für den Ablauf bildet, wurde durch eine Art Einheitstempo zunichte gemacht. Eine Leistung, die kaum noch diskutabel ist.

Die Sänger kämpften zumeist vergeblich mit denen ihnen zugewiesenen Aufgaben. Wolfgang Kochs knarrigem Don Giovanni fehlte jegliches Verführer-Charisma, Wilhelm Schwinghammer ist zwar viel versprechend, aber für den Leporello noch nicht reif. Donna Anna (Elza van den Heever) und Donna Elvira (Cristina Damian) machten einen stark gestressten Eindruck und waren so von der Charaktertiefe ihrer Figuren erschreckend weit entfernt. Zerlina (Maria Markina) gab den Kampf mit ihrer Partie fast von Anfang an auf. Einziger, wenn auch kleiner Lichtblick war Dovlet Nurgeldiyev als Don Ottavio, der zumindest eine schwache Ahnung davon vermitteln konnte, wie schön und ausdrucksstark dieses Stück sein kann, wenn man ihm gewachsen ist.

Am Ende der Premiere brach eine lautstarke Mischung aus Bravo- und Buh-Rufen für diesen verunglückten Spielzeitbeginn aus. Dörrie, dergleichen von ihren Opernarbeiten gewohnt, nahm’s gelassen und bedankte sich beim anschließenden Premierenempfang im Staatsopern-Foyer bei ihrem Bühnenbildner und Kostümlieferanten Bernd Lepel. Weil er es immer wieder schaffe, den ganzen Blödsinn, der ihr durch den Kopf gehe, auf die Bühne zu stellen.

Eine ausführliche Kritik lesen Sie Dienstag im Hamburger Abendblatt.

+++ Doris Dörrie vor "Don Giovanni"-Premiere in Hamburg +++

Don Giovanni nächste Vorstellungen: 21., 24., 27.9., Staatsoper (U Stephansplatz, U Gänsemarkt), Dammtorstr., www.hamburgische-staatsoper.de