Dubiose Geldgeschäfte

MDR-Skandal erreicht eine neue Dimension

Intendant Reiter lagen wohl schon früh Informationen zu dubiosen Geldgeschäften des Unterhaltungschefs vor. Weitere Personen verwickelt.

Leipzig. Die MDR-Affäre um den suspendierten Unterhaltungschef Udo Foht bekommt eine neue Brisanz: Nach Recherchen von "Welt Online“ lagen Intendant Udo Reiter schon im Herbst 2009 detaillierte Informationen über die Machenschaften von Foht vor. Obwohl die Unterlagen damals sofortige arbeitsrechtliche Sanktionen gerechtfertigt hätten, blieb Foht im Amt. In den Strudel der Affäre gerät jetzt auch einer der bekanntesten deutschen Fernsehproduzenten: Werner Kimmig, der quotenträchtige Formate wie die „Bambi-Gala“, den „Deutschen Fernsehpreis“ und „Verstehen Sie Spaß?“ herstellt.

Kimmig hat nach Informationen von "Welt Online" eine 10.000-Euro-Schuld beglichen, die Foht im Namen des MDR bei einem Berliner Musikmanager eingegangen war, angeblich um ein neues TV-Format zu entwickeln. Offenbar erhielt Kimmig dafür keine Gegenleistung.

Die Unterlagen zu dem Vorgang liegen inzwischen bei der Leipziger Staatsanwaltschaft, die gegen Foht ermittelt. Er war vom MDR wegen Betrugs und Untreue angezeigt worden. Auf Anfrage teilte die Anklagebehörde mit, es seien „mehrere Sachverhalte“ hinzugekommen. Produzent Kimmig ließ sich von Foht außerdem im Zusammenhang mit der ARD-Schlagersendung „Immer wieder sonntags“ beraten.

Von dieser Verbindung will der Südwestrundfunk (SWR), der die Sendung betreut, erst kürzlich erfahren haben. Er beanstandet, dass ein Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Systems mit Kimmig einen privaten Produzenten berät.

Sowohl Foht als auch Kimmig ließen Fragen von "Welt Online" unbeantwortet.

Kimmig ist der zweite namhafte Medienmanager, der in die Affäre verwickelt ist. Der Münchner Musikverleger Hans R. Beierlein, dessen Firma Montana bekannte Künstler der Volksmusik vertritt, hatte Foht 2008 aus der Patsche geholfen.

Auf dessen Bitte hin stellte er damals 180.000 Euro zur Verfügung. Das Geld war zur Vorfinanzierung einer MDR-Schlagersendung gedacht. Obwohl Beierlein nur einen Bruchteil des Geldes zurückerhielt, schwieg er. Am Mittwoch kommen die Verwaltungs- und Rundfunkräte des MDR zu einer Sondersitzung zusammen.

Eine Untersuchungskommission unter Leitung des früheren LKA-Chefs Ingmar Weitemeier will einen Zwischenbericht vorlegen. In der Sitzung dürfte auch die Rolle von Reiter thematisiert werden. Er hatte seinem erfolgreichen Programmmacher Foht immer den Rücken gestärkt, obwohl dieser mehrfach Anlass zu Beanstandungen gegeben hatte. So war der Unterhaltungschef abgemahnt worden, nachdem er eine teure Sendung ohne Genehmigung in Auftrag gegeben hatte.