Foht-Affäre

Staatskanzlei will von MDR besser informiert werden

Die Staatskanzlei in Magdeburg forderte in einem Brief an MDR-Intendant Udo Reiter eine umfassende Aufklärung der Vorgänge um Udo Foht.

Leipzig. In der Affäre um den mittlerweile suspendierten Fernseh-Unterhaltungschef Udo Foht wird der Druck auf die Spitze des Senders größer. Die Staatskanzlei in Magdeburg forderte in einem Brief an Intendant Udo Reiter eine umfassende Aufklärung der Vorgänge. Reiter selbst räumte laut einem Zeitungsbericht ein, dass sechsstellige Summen an Foht privat geflossen seien. Politiker von SPD und der Linken forderten eine rasche Sondersitzung des MDR-Fernsehrats. Das Gremium überwacht unter anderem die Einhaltung des MDR-Staatsvertrages und kann dem Intendanten Empfehlungen zu Programmangelegenheiten geben.

Foht wird vorgeworfen, auf MDR-Geschäftsbriefpapier Gelder von Dritten gefordert zu haben. Nach bisherigen Informationen soll es sich dabei um Summen von 20.000 und 40.000 Euro gehandelt haben. Angeblich sollten damit Produktionen vorfinanziert werden. Der MDR suspendierte seinen Unterhaltungschef Ende Juli wegen Amtsmissbrauchs und erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Bislang ist unklar, wo das Geld geblieben ist, und was Foht damit genau gemacht hat.

Die in Halle erscheinende „Mitteldeutsche Zeitung“ (Montagausgabe) zitiert aus einem internen Brief Reiters: „Aufgrund der bislang vorliegenden Unterlagen muss davon ausgegangen werden, dass die gezahlten Gelder von Herrn Foht oder anderen für private Zwecke verwendet wurden.“ MDR-Sprecher Dirk Thärichen sagte auf dapd-Anfrage, der Sender werde sich zu dem Fall vorerst nicht mehr äußern, um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht zu gefährden.

Die Staatskanzlei in Magdeburg verlangt unterdessen detaillierte Angaben darüber, wie das Verhältnis zwischen MDR-Verantwortlichen und externen Produktionsfirmen organisiert sei. Auch verlange man Auskunft darüber, wie die Senderspitze mit der angeblichen Gehaltspfändung Fohts umgegangen sei und wie genau jetzt der Untersuchungsauftrag der inneren Revision laute, sagte Regierungssprecher Franz Kadell. Das Land Sachsen-Anhalt übt momentan stellvertretend für die mitteldeutschen Länder die Rechtsaufsicht über den MDR aus.

Der Medienexperte der Linken in Sachsen-Anhalt, Stefan Gebhardt, forderte eine Sondersitzung des Fernsehausschusses. „Es muss Schaden vom Sender abgewendet werden, wenn das überhaupt noch möglich ist“, sagte der Politiker. Unterstützung erhielt Gebhardt vom sächsischen SPD-Generalsekretär Dirk Panter. „Ich halte eine Sondersitzung für ganz wichtig“, sagte Panter der Zeitung.

Der SPD-Fraktionschef im Thüringer Landtag, Uwe Höhn, schloss sich der Forderung an und betonte, die Gebührenzahler hätten ein Recht auf vollständige Information über „die sonderbaren Finanzierungsmethoden“ Fohts. „Die jahrelangen Betrügereien beim Kika und der jetzige Foht-Skandal zeigen eindeutig, dass die internen Kontrollen beim Sender nicht so funktionieren, wie sie es eigentlich müssten.“