Sven Amtsberg

Eigene Sprache, eigene Stimme, eigener Atem

Foto: Roland Magunia

Sven Amtsberg ist neuer Hamburg-LIVE-Kolumnist. Er mixt Lakonie mit Matrosen-Sinnlichkeit. Sein Motto: "Ich mag Texte, wo was passiert."

Hamburg. Für Sven Amtsberg muss ein Text nicht nur gut geschrieben sein. Er muss beim Vorlesen auch gut klingen. Seine Texte, zum Beispiel aus der Geschichtensammlung "Das Mädchenbuch", trägt er mit einem stilsicheren Mix aus Lakonie und Matrosen-Sinnlichkeit vor. Es freut ihn, wenn man ihn "Barry White des Nordens" nennt, dann lächelt er bescheiden. Die Talente des Sven Amtsberg sind vielfältig: Er ist Mitbegründer der Literaturfusion Macht e. V., die gerade zehnjähriges Bestehen feierte, moderiert seine eigene Unterhaltungsshow "Das war Ihr Leben" im Grünen Jäger und konstruiert Stadtrundgänge der anderen Art aus zusammengeflunkerten Geschichten vom Karoviertel bis Rahlstedt.

+++ AMTSBERG ÜBER AMTSBERG IM VIDEO+++

Dabei ist der Mann mit der gescheitelten Frisur, den Charakterkoteletten und dem ironischen Blick eine eher unterkühlte Rampensau. Konsequent obendrein. Auf seiner Homepage bietet er Moderationen mit dem Zusatz "keine Autohauseröffnungen oder Tombolas" an. Er schreibt keine Reden und weigert sich, "Böses" zu sprechen - böse wird er auch als neuer Kolumnist von Hamburg LIVE nicht sein. Allerdings ist er keiner, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält: "Da geht es darum, was gerade in der Stadt los ist. Das kann auch einfach mal der Schnee sein."

+++ AMTBERGS ERSTE KOLUMNE +++

Auch dank der Stadtrundgänge kennt er sich in der Historie Hamburgs, wo der gebürtige Hannoveraner seit 14 Jahren lebt, sehr gut aus. "Ich finde es toll, mit den Gegebenheiten der Stadt zu spielen. Aus ihren Elementen eine fiktive Geschichte zu entwickeln." Bis zu 100 Besucher zieht er damit an. Zwängt sich mit ihnen in enge Kiezkneipen wie sein früheres Lieblingslokal Zum Kamin (heute Nachthafen) und trägt dort selbst gedrechselte Poesie vor. Der Vielleser verschlingt Bücher von Paul Auster, Haruki Murakami oder Michel Houellebecq. Autoren mit ungekünstelt kunstvollem Stil, wie er selbst ihn pflegt. "Ich mag Texte, wo was passiert." Das sprachlich Aufgesetzte mancher Literaten mag er nicht.

Amtsberg ist ein Gewächs der Kiez-Subkultur. Hier hat er lange Jahre gelebt, geschrieben und in der Schanze im Saal II gekellnert. Wenn er heute den Puls der Metropole spüren will - und das will er regelmäßig -, zieht er sich in sein Zimmer nahe der Reeperbahn zurück. Sonst pendelt er zu Freundin und Sohn in einem alten Landhaus bei Glückstadt. Der Ausblick auf Werft und Kühe sei ideal zum Schreiben, sagt er. Aber: "Ich brauche dringend die Bühne. Das Schreiben ist oft sehr einsam."

Derzeit hat Amtsberg mit einem Literaturstipendium der Stadt im Rücken seinen ersten Roman in Arbeit. "Für die Kurzgeschichte habe ich meine Sprache gefunden, für den Roman bin ich noch auf der Suche", gibt er zu. Eine eigene Sprache, eine eigene Stimme, einen eigenen Atem zu haben ist ihm wichtig.

Hamburg ist für ihn nicht weniger als die "beste Stadt der Welt". Doch, nach Berlin fährt er auch schon mal, aber lieber kommt er wieder nach Hamburg zurück. In seinem sechsten Hamburg-Jahr hat er sich "Heimat süße Heimat" vor einer Silhouette mit Michel und Hafen auf den Oberarm tätowieren lassen. "Das ist eine Liebeserklärung, weil ich hier auch nicht weggehe. Ich mag die Leute, die Literatur- und Musikszene. Das hat Flair. Da passiert was." Davon wird zu lesen sein.

Amtsbergs Ansichten lesen Sie ab diesem Donnerstag jede Woche in Hamburg LIVE.