Pay-TV-Sender

Sky steckt in seinem Jubiläumsjahr in der Krise

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Zum 20-jährigen Bestehen steht der einzigen deutschen Pay-TV-Plattform Sky das Wasser bis zum Hals. Kritik kommt auch aus der Bundesliga.

Hamburg. Dies könnten schöne Tage für den Bezahlsender Sky sein. Morgen beginnt die neue Saison der Fußball-Bundesliga. Und weil Sky der einzige herkömmliche TV-Kanal ist, der alle Spiele live zeigt, steigt vor Beginn einer neuen Spielzeit in der Regel die Zahl der Abonnenten. Zudem jährt sich das Bestehen des Senders zum 20. Mal: Im Juni 1990 wurde der Sky-Vorgänger Premiere in Hamburg gegründet. Sendebeginn war der 28. Februar 1991. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.

Doch in Feierlaune ist bei Sky derzeit niemand. Die wirtschaftlichen Kennzahlen des zweiten Quartals 2010, die der Sender Anfang des Monats präsentierte, fielen abermals miserabel aus. Der Pay-TV-Kanal verlor unterm Strich knapp 82 Millionen Euro. Das entspricht einem Verlust von etwa 900 000 Euro pro Tag. Um eine finanzielle Schieflage zu vermeiden, sah sich Hauptgesellschafter Rupert Murdoch gezwungen, 340 Millionen Euro frisches Kapital nachzuschießen. Es ist bereits die siebte Kapitalerhöhung des Senders seit dem Börsengang 2005. Statt der erforderlichen 2,8 bis 3 Millionen Kunden hat Sky nur 2,47 Millionen.

Der Geschäftsführer von VfL Wolfsburg verlangt einen eigenen Liga-Kanal

Als sei dies nicht genug der Negativ-PR, kritisierten auch noch zwei hochrangige Bundesliga-Manager in den für die Abo-Werbung wichtigen Wochen vor Saisonbeginn Sky scharf. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge stellte das Geschäftsmodell des Senders infrage: "Ich mache mir große Sorgen, weil es uns gemeinsam, Liga und Bezahlsender, in 20 Jahren nicht gelungen ist, Pay-TV in Deutschland wirklich zu etablieren", sagte er.

Der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, Thomas Röttgermann, forderte die Gründung eines eigenen Senders: "Die Vereine sind stark genug, ein autonomes Bundesliga-Fernsehen auf die Beine zu stellen", sagte er. Droht Sky mit der Bundesliga sein mit Abstand wichtigstes Programmangebot zu verlieren? Steht der Sender vor der Pleite?

So weit ist es längst nicht. Murdochs jüngste Kapitalspritze verschafft dem Pay-TV-Kanal noch mindestens ein Jahr Zeit, um sich zu konsolidieren. Kein Sky-Kunde muss damit rechnen, dass während der kommenden Bundesliga-Saison sein Abo wertlos wird.

Das müssten auch die Fußballmanager Rummenigge und Röttgermann wissen. Bislang hat sich keiner ihrer Kollegen ihrer scharfen Sky-Kritik angeschlossen. Im Gegenteil: Die Liga, die zwar für alle Fälle schon mal eine Sendelizenz erworben hat, sucht den Schulterschluss mit dem Sender. "Es gibt überhaupt gar keinen Grund, laufende Verträge infrage zu stellen", sagt der Geschäftsführer des Bundesligaverbands DFL, Christian Seifert. Die Liga plane auch keinen eigenen TV-Kanal.

Dennoch hat Rummenigge mit seiner Bemerkung, es sei in 20 Jahren nicht gelungen, Pay-TV in Deutschland zu etablieren, einen wunden Punkt getroffen. Die geringe Bereitschaft der Deutschen, einen Pay-TV-Kanal zu abonnieren, hat lange Zeit auch Murdoch unterschätzt, der 2008 bei Sky eingestiegen war. In der Annahme, der Sender sei bisher nur schlecht geführt worden, ließ er mit sehr mäßigem Erfolg Manager seiner Kanäle Sky Italia und BSkyB an der deutschen Neuerwerbung herumdoktern.

Der neue Sky-Chef will aus dem Sender wieder eine deutsche Firma machen

Nun soll es der seit dem 1. April amtierende Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan richten. Er wolle aus dem Kanal "wieder eine deutsche Firma" machen, sagt eine Führungskraft. So wird Sky wohl in Kürze wieder einen deutschen Marketingchef bekommen.

Die neue Senderführung weiß, dass die Deutschen, die über 30 Free-TV-Kanäle empfangen, sich mit Bezahlfernsehen schwertun. Sullivan verspricht nun mehr HD-Angebote, mehr technische Innovationen wie 3-D-TV und mehr Exklusivität. So hat sich Sky für drei Jahre die Übertragungsrechte des Tennisturniers von Wimbledon gesichert. Im Sender ist man überzeugt, dass frei empfangbare Privatkanäle sich nur durch Werbefinanzierung nicht auf dem derzeitigen Niveau halten werden - und hofft, die Politik möge die Aktivitäten von ARD und ZDF beschränkt.

Das ist verwegen, zumal es längst neue Konkurrenz gibt. Der von der Telekom über ihr Internet-Netz verbreitete Sender Liga total ist eine ernste Bedrohung für das Bundesligageschäft von Sky. So oder so: Für Festivitäten hat man am Sendersitz in München-Unterföhring keine Zeit. Feierlichkeiten zum 20. Jubiläum des Senders wird es jedenfalls nicht geben.