Fussball-Bundesliga

Wie aus dem Hamburger SV der Kühne SV wird

Foto: witters

Anstoß³-Investor Klaus-Michael Kühne erhält Beteiligungen an sieben Profis des Hamburger SV, kritisiert aber die Transferpolitik.

Hamburg. Es ist nicht einfach, einen Termin mit Klaus-Michael Kühne zu erhalten. Der Hamburger Unternehmer, der seinen Wohnsitz in der Schweiz hält, ist ein sehr beschäftigter Mann. Aber wenn man etwas Glück und Geduld hat, dann bekommt man von Kühnes freundlicher Sekretärin Inge Lauble ein Zeitfester von zehn Minuten zugesprochen, in dem man sich dann mit dem umtriebigen Milliardär unterhalten kann. Nur am kommenden Sonnabend ab 18.30 Uhr hat Kühne veranlasst, unter keinen Umständen gestört zu werden. Der 73-Jährige will unbedingt in Ruhe den Bundesligaauftakt seines HSV gegen Schalke 04 während eines Abstechers nach Spanien im Fernsehen anschauen - und zwar mit "nicht weniger Engagement, als wenn ich im Stadion wäre", wie Kühne im Gespräch mit dem Abendblatt betont.

Kühne soll an allen vier Neuzugängen mit je einem Drittel beteiligt werden

Klaus-Michael Kühne fiebert dem Saisonstart genauso enthusiastisch entgegen wie jeder andere HSV-Anhänger auch. Anders als ein gewöhnlicher Fan hat Kühne aber noch ein ganz spezielles Interesse an einem gelungenen Saisonstart, hält er doch Beteiligungen an gleich mehreren HSV-Stars. Und nach neuesten Abendblatt-Informationen soll dem Protagonisten des Investorenmodells Anstoß³, das dem HSV zusätzliche Geldmittel für Transfers sichert, neben bereits bekannten Beteiligungen an Paolo Guerrero, Marcell Jansen und Dennis Aogo auch jeweils ein Drittel der Transferrechte an den Neuzugängen Heiko Westermann, Gojko Kacar, Dennis Diekmeier und Lennard Sowah eingeräumt werden. Ein HSV-Trikot mit der Rückennummer sieben und dem Namenszug Kühnes, auf dem die sieben Profis unterschrieben haben, liegt bereits für den potenten HSV-Fan bereit. Endgültig sollen die Beteiligungen aber erst in einem persönlichen Gespräch zwischen Kühne und HSV-Chef Bernd Hoffmann am kommenden Mittwoch geklärt werden. Sicher ist nach Abendblatt-Informationen nur: Bislang hat Kühne lediglich 7,5 Millionen Euro für die Beteiligungen an Guerrero, Aogo und Jansen überwiesen, für Westermann, Kacar, Diekmeier und Sowah ist dagegen noch kein Geld geflossen. "Es kommt darauf an, an welchen neuen Spielern ich mich schlussendlich beteiligen werde. Das ist zurzeit offen, weil nicht alles so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe", sagt Kühne und deutet dabei zumindest vorsichtig sein Unverständnis über die diesjährige Transferpolitik des HSV an.

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Tatsächlich ist der Geschäftsmann überhaupt nicht glücklich über die Einkäufe, die Hoffmann und Neu-Sportchef Bastian Reinhardt durch sein Geld realisiert haben. "Westermann war bisher keineswegs überzeugend, Diekmeier ist schon verletzt. Die Verletzten-Misere des HSV setzt sich unverändert fort! Woran liegt das eigentlich? Und bezüglich des Engagements von Kacar bin ich skeptisch", sagt Kühne, der noch immer auf einen Star für das Mittelfeld hofft: "Ich bin unverändert der Meinung, dass dem HSV ein hochklassiger Mittelfeldspieler und womöglich auch ein erstklassiger Stürmer fehlt. Hierfür würde ich eher Mittel einsetzen als für Westermann und Kacar." Zur Erinnerung: Sollte der HSV keinen "zentralen Mittelfeldspieler internationaler Klasse" verpflichten, wie es in der Spielerinvestment-Vereinbarung (liegt dem Abendblatt vor) festgeschrieben ist, würde sich das finanzielle Engagement Kühnes um 2,5 Millionen Euro auf "nur noch" 12,5 Millionen Euro verringern. Kacar, immerhin serbische Nationalspieler und WM-Teilnehmer, empfindet Kühne jedenfalls nicht als den Mittelfeldmann internationaler Klasse: "Die Auflage wurde nicht erfüllt."

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Von einer Liste mit elf hochkarätigen Spielernamen, die Kühne im Vorfeld von Hoffmann vorgelegt wurde, ist bislang kein einziger Spieler verpflichtet worden. Und trotzdem hofft Kühne, dass der HSV bis zum Ende der Transferperiode doch noch einmal auf dem Spielermarkt aktiv wird. "Ich hoffe auf interessante Vorschläge", sagt er. Allerdings macht Hoffmann seinem Geschäftspartner bereits vor dem Treffen in der kommenden Woche wenig Hoffnung auf einen weiteren Topspieler. "Für diese Transferperiode haben wir unsere Aktivitäten abgeschlossen", sagt er. Ohnehin dürfte das Investitionsvolumen, womit Kühne dem HSV unter die Arme greifen wollte, bereits zu großen Teilen verplant sein. Denn neben den Transfers von Westermann (7,5 Mio.), Kacar (5,5 Mio.), Diekmeier (2,2 Mio.) und Sowah (0,2 Mio.), die Kühne zu jeweils einem Drittel finanzieren soll, werden auch nicht zweckgebundene Gelder des Geschäftsmanns für Vertragsverlängerungen und andere Kosten (Berater, Handgelder) benötigt.

Der Milliardär ist über Siegenthalers Aus beim HSV verärgert und besorgt

Neben der aus Kühnes Sicht unglücklichen Transferpolitik hat sich der Unternehmer besonders auch über den Abgang Urs Siegenthalers ("Ein Ding aus dem Tollhaus"), in den er großes Vertrauen gesetzt hat, geärgert. "Ich bin sehr besorgt. Meine Investition war im Wesentlichen durch die überzeugenden Präsentationen von Herrn Siegenthaler bestimmt", sagt Kühne, der mit Sportchef Reinhardt noch immer kein Wort gewechselt hat. Ob Frau Lauble also für Reinhardt einen Termin - natürlich vor oder nach dem Bundesligastart am Sonnabend gegen Schalke - bereithalten soll, wollte Kühne so zunächst nicht beantworten. Sicher ist aber: Es gibt Gesprächsbedarf.