Kampnagel

"Firmenhymnenhandel": Ist doch toll hier, im Betrieb

"Der Firmenhymnenhandel" mit Robert Stadlober und Pheline Roggan beschert den Kampnagel-Zuschauern einen vergnüglichen Theaterabend.

Hamburg. Das Befremden, das einen beschleicht, wenn man einer Firmenhymne lauscht, kommt noch vor Schlagermove und Karneval. Da reichen schon wenige Textzeilen: "Germany's Topmodel, das sind wir, wir bei VW, denn ein VW ist echt okay", kräht Bernadette La Hengst wippend per Videoeinspielung ins Mikrofon. Die Originalmusik von Volkswagen klebt vor zu viel Zuckerguss. Doch die eleganten Arrangements von Ted Gaier und Thomas Wenzel werten sie auf - es ist die Musik, die in der Uraufführung von "Der Firmenhymnenhandel", dem ersten Bühnenstück des Hamburger Altlinken Thomas Ebermann, eine ironisierende Funktion erfüllt. Als emotionaler Durchhalte- und Motivationskitt im Getriebe der modernen Unternehmenskultur.

Fasziniert belauscht von einem Glasfabrikanten und seiner künstlerisch ambitionierten Tochter (Pheline Roggan), die zwei alte Studienkumpels aus der digitalen Boheme zu einer Präsentation ihrer Firmenhymnenkonzepte ins natürlich cool gestylte weiß gläserne Büro lädt.

Doch während der Händler, gespielt von Robert Stadlober, fröhlich und mit allen Vokabeln des modernen Managements jonglierend ans Verkaufen geht, vergräbt sich sein depressiver Komponist, Tillbert Strahl-Schäfer, in Zynismus. Das geht in Dialogen über die Rampe, die Ebermann gerne saftig formuliert. Ansonsten überlässt er die Schauspieler weitgehend sich selbst, was zu manchem holprigen Übergang und manch halb fertiger Szene führt. Das macht aber nichts. Denn der Abend auf Kampnagel ist in seiner Gedankenfrische auch so extrem vergnüglich. Dazu tragen auch die ultrakurzen Auftritte von Künstlern aus der Hamburger Musikszene bei, von Kristof Schreuf bis Rocko Schamoni.

Rainer Schmitt gibt einen reichlich hemdsärmeligen Glasfabrikanten ab. Seine Figur ist dem Trigema-Chef Wolfgang Grupp abgeschaut, der gemeinhin als Prototyp des aufgeklärten Unternehmers und Shareholder-Kapitalismusgegner gilt. Die etwas flapsige Pheline Roggan als Tochter des Glasfabrikanten träumt als Juniorchefin von einem tollen Betriebsklima.

In der Kürze bleiben viele Gedankenanstöße notwendigerweise an der Oberfläche - bei gelegentlicher Tiefenbohrung. Etwa wenn sich ein Hauch von Adornos Kulturkritik Bahn bricht und der Unglücksmusiker über Schund lamentiert: "Fun is Stahlbad."

"Der Firmenhymnenhandel" 14.3. bis 17.3., jew. 20.00, Kampnagel, Jarrestraße 20-24