Menschlich gesehen

Der Lange

Thomas Ebermann bei einer Theaterprobe wie jetzt auf Kampnagel zu erleben hat für Zuschauer wie Schauspieler etwas Beruhigendes. Mit seiner tiefen Stimme äußert der Autor und Regisseur der Komödie "Der Firmenhymnenhandel" Kritik oder Lob, es fühlt sich an, als befände man sich in einem flauschigen Kokon. Dabei war der 1951 in Hamburg geborene Publizist einmal ein richtiger Volkstribun. Ein Rebell, der für seine linken Überzeugungen kämpfte und seinen politischen Gegnern die Zornesröte ins Gesicht trieb.

1980 gehörte der "Lange", wie er wegen seiner Größe von 1,95 Metern genannt wird, zu den Gründungsmitgliedern der Grünen, vertrat sie sowohl in der Hamburgischen Bürgerschaft als auch im Deutschen Bundestag. Doch schon 1990 verließ Ebermann die Partei wieder. "Das rebellische gesellschaftliche Milieu bei den Grünen schmolz. Sie wollten eine staatstragende Kraft werden. Wir waren überflüssig."

Seitdem schreibt er für Magazine wie "Konkret", hält Vorträge und hat die Literatur für sich entdeckt. Einmal im Monat lädt Ebermann mit seiner "Vers- und Kaderschmiede" ins Polittbüro und inszeniert seine Lieblingsautoren wie Gert Hofmann oder Richard Yates in szenischen Lesungen. Deren Romane sind sperrig, passen eher in literarische Nischen. Doch genau dort fühlt auch Ebermann sich wohl: an einem Platz am Rande des Kulturbetriebs.