Unser Star für Baku

Neues Konzept: Der Sängerwettstreit in Echtzeit

Beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2012 wird das Konzept runderneuert und ein neues Bewertungssystem eingeführt.

Köln. Drei Tage vor dem Start der Castingshow "Unser Star für Baku" am 12. Januar auf ProSieben ist sie zum Zerreißen gespannt. Nicht die Stimmung bei der routinierten Pressekonferenz in den Kölner Brainpool-Studios, sondern die scheinbar auflaminierte, bei jedem Schritt ächzende Lackhose von Frida-Gold-Sängerin und Jury-Mitglied Alina Süggeler. Der Fototermin ist beendet, aber ein Bildberichter versucht immer noch, dieses Wunderwerk der Bekleidungstechnik in Pixel zu fassen. "Du kannst jetzt mal aufhören", murrt der um fehlende Aufmerksamkeit besorgte Thomas D, ein Viertel der Rapper Die Fantastischen Vier, Stefan Raabs Nachfolger als Jury-Präsident und mediales Zugpferd der Show.

+++ Neuer Jurychef: Thomas D beerbt Raab +++
+++ Fanta-Viertel sucht unseren Star für Baku +++

Der erneut gemeinsam von ARD und ProSieben ausgestrahlte nationale Vorentscheid zum kommenden Eurovision Song Contest (ESC) 2012 am 26. Mai in Aserbaidschans Hauptstadt Baku kann jede Aufmerksamkeit gebrauchen. Die Quoten des letztjährigen, komplett auf Lena Meyer-Landrut zugeschnittenen Vorentscheids "Unser Song für Deutschland" waren enttäuschend, und nun ist im November mit "The Voice Of Germany" (ProSieben/Sat.1) die nächste - sehr erfolgreiche - Pop-Castingshow in das Revier von "Deutschland sucht den Superstar" (RTL) und "X Factor" (Vox) eingebrochen. Der Produzent von "Unser Star für Baku", Stefan Raab, muss dem Format also neue Dynamik verleihen. Das Grundprinzip entspricht weitgehend dem Auftakt der ARD-ProSieben-Kooperation von 2010 mit "Unser Star für Oslo": Aus knapp 5000 Bewerbern wurden vorab zwölf weibliche und acht männliche Kandidaten ausgewählt, die bis zur Finalfolge am 16. Februar in sieben Ausscheidungsrunden (ARD zeigt das Viertelfinale und Finale, ProSieben die übrigen Folgen) gegeneinander ansingen. Die Jury bewertet die Beiträge betont fair und seriös, überlässt die Auswahl der Teilnehmer für die nächste Runde jedoch dem TV-Zuschauer.

Ansonsten aber wurde das Konzept konsequent runderneuert. Statt stetig wechselnder Gast-Juroren bilden Thomas D, Stefan Raab und Alina Süggeler ein festes Trio mit Drei-Millimeter-Durchschnittshaarlänge, wobei Raab Thomas D die musikalische Betreuung und Verantwortung komplett überlässt.

Sandra Rieß vom Bayerischen Rundfunk und der Hamburger ProSieben-Moderator Steven Gätjen ersetzen Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel bei der Präsentation, wobei Gätjen als Kommentator des ersten ESC-Halbfinales in Düsseldorf sowie als Moderator von Dauerfernsehsendungen wie "Schlag den Raab" bereits viel Großevent-Erfahrung mitbringt. Rieß hingegen muss erst üben, "auf hohen Schuhen zu gehen", wie sie sagt. Wobei die Fußstapfen, die Opdenhövel und Heinrich hinterlassen haben, keine großen sind.

Die entscheidende Änderung soll das neue Televoting-Verfahren sein: Statt die TV-Zuschauer am Ende jeder Folge zur Wahl zu bitten und dann das Ergebnis bekannt zu geben, kann das Publikum nun während der gesamten Sendung anrufen. Die aktuelle Rangfolge der Kandidaten wird nahezu in Echtzeit laufend angezeigt.

Raab, dem diese Idee erst vor vier Wochen gekommen sein soll, betont den innovativen Ansatz: "Die Idee war: Warum macht man es nicht so wie im Sport? Stellen Sie sich vor, Sie sehen ein Fußballspiel, und Sie dürfen erst am Ende das Ergebnis erfahren - wie langweilig wäre das denn?" Daher soll von Donnerstag an eine sich stetig ändernde "Blitztabelle" für "mehr Transparenz und Spannung" sorgen. Nebenbei wird diese laut Raab "neue Zeitrechnung im Unterhaltungsfernsehen" wohl auch noch mehr kostenpflichtige Anrufe und SMS zur Folge haben - Kunst und Kommerz, eine Kombination, mit der sowohl Raab als auch Thomas D seit vielen Jahren erfolgreich spielen.

Dennoch bleibt abzuwarten, ob sich die Ideen für "Unser Star für Baku" bewähren oder ob das "mit heißer Nadel" (Raab) genähte Konzept platzt. Der Präsident, das tätowierte Fanta-Viertel, ist überzeugt: "Stefan Raab hat alles richtig gemacht. Ich mache es genauso. Nur besser."

Unser Star für Baku Do 12.1., 20.15, ProSieben; www.unser-star-fuer-baku.tv