Finanzen Hamburg

Viel Theater um die Krise - Bühnen in schwarzen Zahlen

Foto: Juergen Joost

Die Wirtschaftskrise hat sich wenig auf die Bilanzen der Hamburger Bühnen ausgewirkt. Probleme wie in Altona sind die Ausnahme.

Hamburg. Die Besucherzahlen in fast allen Hamburger Theatern sind in der vergangenen Spielzeit gestiegen. Was bei allen Beteiligten für Aufatmen sorgt: Kulturgenuss richtet sich nicht nach konjunkturellen Ausschlägen (siehe angehängten Kommentar). Den meisten Bühnen geht es also keineswegs schlecht. Der Beinahe-Konkurs des Altonaer Theaters (wir berichteten) ist ein Ausnahmefall. Dort musste Intendant Axel Schneider in den beiden vergangenen Spielzeiten bei den Bühnen in Altona und Harburg ein dickes Minus und Verluste in Höhe von 35.415 und 193.302 Euro hinnehmen. Sie konnten jedoch durch Einkünfte aus Gastspielen mit Eigenproduktionen aufgefangen werden. Nur so konnte die drohende Insolvenz abgewendet werden.

Ganz anders die Zahlen am Schauspielhaus: Dort stieg (inklusive Junges Schauspielhaus) die Zahl der Zuschauer von 209.726 (Spielzeit 2007/2008) auf 224.472 (Spielzeit 2008/2009). Am Ende der vergangenen Saison stand ein Gewinn in Höhe von 247.000 Euro. Die Zuschüsse der Stadt blieben in beiden Jahren auf dem Stand von etwa 19,5 Millionen Euro.

Im Thalia-Theater stieg die Besucherzahl im gleichen Zeitraum von 319.238 auf 326.690 - ein zufriedenstellendes Ergebnis. Dass die Einkünfte trotzdem sanken (von 5.266.000 auf 4.142.000 Euro), hat mit einer fehlenden Fernsehaufzeichnung und weniger Gastspielen zu tun.

In der Hamburgischen Staatsoper wuchs die Auslastung im wirtschaftlichen Krisenjahr von 81,7 auf 85 Prozent. "Die Zahl der Besucher unserer Veranstaltungen stieg 2009 um 13.285", sagte eine Sprecherin dem Abendblatt. Auch Amelie Deuflhard konnte in der Kampnagelfabrik die Zuschauerzahl von 106.000 auf 126.000 und den Umsatz von 5,5 Millionen auf 6,1 Millionen Euro steigern.

Die privaten Spielstätten auf dem Kiez gehen ebenfalls entspannt mit der Krise um. Sowohl das St.-Pauli-Theater (2008: 143.000 Besucher) als auch Schmidt-Theater/Schmidts Tivoli (2008: 440.000 Besucher) konnten die Zuschauerzahlen im Vergleich zum vorangegangenen Jahr steigern. Auch die großen Musicalbühnen, an denen Stücke wie "König der Löwen", "Ich war noch niemals in New York" und "Tarzan" laufen, haben kaum mit Zuschauerschwund zu kämpfen. Zahlen wollte Stage Entertainment, das deutschlandweit zehn und in Hamburg drei Bühnen (Neue Flora, Operettenhaus, Theater am Hafen) betreibt, jedoch nicht nennen. Eine Sprecherin sagte dem Abendblatt: "Bisher sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise kaum zu spüren. Es sieht vielmehr danach aus, dass, solange sich die wirtschaftliche Situation nicht in einer massiven Zunahme der Arbeitslosigkeit auswirkt, nach wie vor viele Menschen bereit sind, sich ein 'Luxusgut' in Form eines Musicalbesuchs zu gönnen."

Nur unwesentlich schlechter als vor der Krise geht es derzeit den Hamburger Kammerspielen und dem Ohnsorg-Theater. Dessen Intendant Christian Seeler verzeichnete einen leichten Besucherrückgang (von 159 525 auf 149 148), der sich auch bei den Gewinnen auswirkte: Erwirtschaftete er 2008 noch ein Plus von 23 000 Euro, musste er sich 2009 mit 4800 Euro begnügen, was er dann doch, zumindest ein Stück weit, auf die Krise und die Sparsamkeit seiner nicht so liquiden Klientel zurückführt. In den Kammerspielen stieg dagegen die Zuschauerzahl etwas (von 80 782 auf 81 121), während die Bilanz am Ende der Spielzeit 2008/2009 einen Verlust von 3633 Euro verzeichnete.

Auch das Ernst-Deutsch-Theater schrieb bei gleich bleibender Subvention (1.488.500 Euro), leicht sinkenden Besucherzahlen (von 178.181 auf 177.949), angestiegenen Einkünften (2.221.760 auf 2.462.516 Euro) rote Zahlen. Geschäftsdirektor Jens-Peter Löwendorf nannte 29.745 Euro für 2008 und 174.012 Euro für 2009 als Fehlbeträge, erklärte jedoch: "Wir haben 2009 in eine Image- und Werbe-Kampagne für das Theater investiert. Wir können aber damit rechnen, das Minus durch die Projektförderung von 181.000 Euro in dieser Spielzeit auszugleichen."

In der nicht subventionierten Kammeroper erhöhte sich das Defizit von 122.930 auf 177.000 Euro, auch durch leicht sinkende Zuschauerzahlen (14.840 auf 12.320). Das subventionierte Theater für Kinder unterm Allee-Theater-Dach steht besser da, musste aber auch einen leichten Besucherrückgang (von 41.400 auf 38.450) verkraften.

Im deutschlandweiten Vergleich schneiden die Hamburger Privattheater noch gut ab, wie Ohnsorg-Intendant Seeler betonte. "In der Republik mussten die privaten Bühnen, sicherlich auch durch die Wirtschaftkrise bedingt, bis zu 28 Prozent Besucher-Rückgang hinnehmen, was sich auch nicht unerheblich an der Kasse für sie auswirkte."