Finanzen

Altonaer Theater knapp an Insolvenz vorbei

Hamburg. Das Altonaer Theater ist noch mal davongekommen. Die Wirtschaftskrise wirkte sich 2009 auf den Besuch aus und brachte die Privatbühne an den Rand der Insolvenz, wie Geschäftsführer Zebu Kluth bei der Präsentation des Spielplans für 2010/11 sagte. Das Sommermusical "Victor/Victoria" floppte, zudem fehlten Publikumshits wie Sven Regeners "Herr Lehmann" oder "Schillers sämtliche Werke ... leicht gekürzt". Bei Privattheatern schlagen mäßige Erfolge rasch empfindlich zu Buche. Trotz der 200 000 Euro Verlust konnte Schneider die Pleite verhindern, zählt aktuell bei "Anna Karenina" wieder mehr Zuschauer.

Schneider und Kluth konnten durch Einkünfte aus Gastspielen und Tourneen mit den Altona- oder Kammerspiele-Produktionen, Einsparungen bei Personal- und Werbekosten und Vorgriff auf Subventionsraten das Schlimmste verhindern. "Wir haben nun eine starke Struktur, gute Einnahmen - und doch reicht das Geld nicht", sagte Schneider. Eine der Ursachen sei die zu knapp veranschlagte Subvention für die Theater in Altona und Harburg (370 000 Euro) wie der Kammerspiele (930 000 Euro) - zusammengefasst in der Staitsch-Produktionsgesellschaft.

"Der Punkt der Leistungsgrenze ist erreicht, wo es nichts mehr einzusparen gibt." Im nächsten Jahr steht eine Evaluation an und überprüft die Effizienz der Privattheater. Ein Theater zu schließen brächte nichts, meinte Kluth. "Die Konstruktion gleicht einem Kartenhaus, fällt eines um, kippen auch die anderen." Durch das Weiterspielen der Produktionen kommen die Kosten herein. Die Staitsch zeigte im letzten Jahr 733 Vorstellungen, machte 530 000 Euro Gewinn durch Gastspiele.

Im Spielplan setzt Schneider weiterhin auf die Programmlinie "Wir spielen Bücher". Diesen Sommer zeigt er "Robin Hood" (Premiere: 7.8.) in der Regie von Fechtmeister Malcolm Ransom. Zu Saisonauftakt inszeniert der Intendant seine Fassung von Walter Kempowskis "Tadellöser & Wolff" (Premiere: 26.9.), die Saga einer Rostocker Bürgerfamilie zwischen 1936 und 1945.

Diese Spielzeit bringt Schneider in Altona 289 Vorstellungen und rechnet mit einer Platzauslastung von 73,5 Prozent (Spielzeit 2008/09: 80 Prozent). Den Erfolg mit "Herr Lehmann" soll Sven Regeners "Neue Vahr Süd" fortsetzen. Walter Sittler widmet sich erneut Erich Kästner: "Vom Kleinmaleins des Seins". Christian Nickel wird Daniel Kehlmanns Bestseller "Die Vermessung der Welt" herausbringen. Jostein Gaarders Liebesroman "Das Orangenmädchen" überträgt Martin Lingnau in Musiktheater. Jedenfalls blickt das Altonaer Leitungsteam wieder optimistisch in die Zukunft.