Begegnung: Arte-Reihe "Durch die Nacht mit..."

Zwei Filmfrauen feiern, als gäbe es kein Morgen

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Stuntfrau Zoë Bell und Drehbuchautorin Diablo Cody gondeln durch Los Angeles - und trinken mit beneidenswerter Standfestigkeit.

Reihe: Durch die Nacht mit ... Zoë Bell und Diablo Cody.

0.30 Uhr Arte

Den ersten Whisky schenkt Zoë Bell sich ein, als die Limousine um die erste Ecke gebogen ist und die Sonne noch hoch am Himmel steht. Die Alkoholmenge und die zupackende Art, in der sie die Flasche umfasst, zeigen: Hier sitzt keine Frau, die eigentlich stilles Mineralwasser bevorzugt. Und auch sonst widerspricht die blonde Stuntfrau, bekannt geworden mit den Tarantino-Filmen "Kill Bill" und "Death Proof", mit jeder einzelnen Pore dem Klischee der Hollywood-Barbie. Nicht nur das verbindet sie mit der Oscar-gekrönten Drehbuchautorin, Bloggerin und Ex-Stripperin Diablo Cody ("Juno"), an deren Seite sie durch Los Angeles schwirrt. Sie sind auf ähnliche, beneidenswerte Weise berühmt geworden, stellen sie fest: Haben "einfach ihr Ding gemacht", und irgendwann kam der Durchbruch. Selten wurde in der Arte-Reihe "Durch die Nacht mit ..." die "Nacht" so wörtlich genommen wie hier. Im Sinne von Alkohol-Trinken und Sich-gepflegt-daneben-Benehmen. Bell und Cody hocken mit angezogenen Beinen in der schwarzen Strechlimousine als trügen sie Jogginghosen und fläzten sich vor dem Fernseher. Noch bevor das japanische Essen auf der Dachterrasse eines Sternehotels serviert wird, haben die beiden Frauen mit Champagner, Sake und Bier angestoßen und vergeblich bei Quentin Tarantino geklingelt. Sie haben ein paar dreckige Witze erzählt, vor Begeisterung gekreischt und sehr viel gelacht. Bell lacht auf eine Art, als gehörte die Luft um sie herum allein ihr: laut, heiser, ansteckend. "Ich sehe aus wie ein besoffenes Flittchen", sagt sie und kriegt sich kaum noch ein.

Die Arte-Reihe, deren 68. Folge heute läuft, ist für gewöhnlich umso besser, je unvermuteter sich die Prominentenpaarung ausnimmt: Leander Haußmann und Alice Schwarzer. Bela B. und Julie Delpy. Christoph Schlingensief und Michel Friedman. Große Momente waren darunter, berührende wie entlarvende, in denen man mehr über die jeweiligen Personen erfuhr als in so manchem TV-Porträt. Meistens jedoch verlaufen die Begegnungen ohne Reibereien; man ist ausgesprochen lieb zueinander und hält sich gegenseitig für einen spannenden Künstler. In diesem Fall wird es meist dann unterhaltsam, wenn die Akteure die Kamera vergessen, die Strategien ihrer PR-Berater und ihr neues CD-, Ausstellungs- oder Filmprojekt und drauflos plappern, als säßen sie tatsächlich zusammen am Bartresen und wollten nichts als Spaß haben miteinander. Als gäbe es kein Morgen. Cody und Bell sind in dieser Hinsicht hemmungslos, fast schon unverschämt unbefangen - aber mit dieser Haltung sind sie schließlich berühmt geworden im streng normierten Geschäft der Traumfabrik, jede auf ihre Weise. Ihre Outfits wirken, als hätten sie nicht länger als fünf Minuten darauf verwendet, sie sind auf betont nachlässige Art sexy.

Man kann sich gut vorstellen, dass die beiden Frauen heimlich einfach weitergemacht haben mit dem Trinken und Reden, als das Arte-Team mit seinen Kameras längst verschwunden war. Oder sie haben die Kameramänner doch noch abgefüllt, die vorher nur ein Schlückchen Sake abbekommen haben. Vielleicht sind sie auch zu Quentin Tarantino gefahren, der dieses Mal die Tür geöffnet hat.