Hitler-Wachsfigur geköpft

Handlungsbedarf ist ganz woanders

Da geht in Berlin einer hin, ruft "Nie wieder Krieg!" und reißt einer Wachsfigur des Nazi-Diktators Adolf Hitler den Kopf vom Leib. Genau wie die unvermeidliche Political-correctness- Debatte ("Darf man den überhaupt zeigen?") im Vorfeld und frühere Angriffe auf Londons Wachs-Hitler zeigt der medienwirksame Kopf-ab-Angriff zweierlei: einmal, dass zum Glück nicht vergessen ist, was in Deutschland, Europa und der Welt unter Hitlers Regime - und von allen, die es unterstützt haben - an Verbrechen begangen wurde.

Und zum Zweiten, dass es Sinnvolleres gibt als Attacken gegen Wachspuppen. Bei Madame Tussaud's ist Hitlers mörderisches Gedankengut sicher nicht zu Hause. In vielen Köpfen ist es dafür umso lebendiger: 17 607 rechtsextremistische Straftaten in unserem Land im Jahr 2007 - 980 davon Gewalttaten, fast drei an jedem Tag - sind 17 607 zu viel. Dagegen sind persönlicher Einsatz und Zivilcourage, wie sie beispielsweise der Hamburger Bertini-Preis auszeichnet, entschieden besser angebracht.