Panoptikum: Hitler in Hamburg seit jahrzehnten unbehelligt

Hamburg. Während über die Hitler-Puppe in Berlins neuem Wachsfigurenkabinett bereits vor der Eröffnung heftig diskutiert wurde, stört sich in Hamburg offenbar niemand an dem Diktator: Auch im Panoptikum am Spielbudenplatz auf St. Pauli steht ein grimmig dreinblickender Hitler aus Wachs. Und das sogar schon seit 1948. "Doch damit hat es hier nie Ärger gegeben", sagt Hayo Faerber, der das 1879 gegründete Familienunternehmen heute führt. Auch am Sonntag, am Tag nach dem Kopf-ab-Anschlag auf den Berliner Wachs-Hitler, habe das Hamburger Pendant nicht mehr Aufmerksamkeit als sonst bekommen.

Die Hamburger Hitler-Puppe ist schon 1941, also noch zur Nazizeit, gefertigt worden, sagt Faerber: "Doch das Propagandaministerium hat es meinem Großonkel seinerzeit verboten, sie aufzustellen." Hitler als Puppe - das erschien den Nazi-Machthabern offensichtlich zu despektierlich. Erst während der britischen Besatzungszeit konnte das Hamburger Panoptikum seine Hitler-Figur erstmals aufstellen.

Anfang der 90er-Jahre wurde sie zudem in einen "besonderen Kontext" gestellt, so Faerber. Neben Hitler und anderen Nazigrößen sind in dem Hamburger Wachsfigurenkabinett im selben Raum auch die Geschwister Scholl zu sehen. Die Figuren halten Protest-Flugblätter in der Hand, für deren Verbreitung die beiden Münchner Studenten 1943 von den Nazis hingerichtet worden waren. Auch auf dem Boden des Ausstellungsraums liegen die Flugblätter verstreut auf dem Boden. Faerber: "Besucher sollen lesen können, um was es damals ging, das ist uns sehr wichtig."


Das Hamburger Panoptikum gilt als das älteste und größte Wachsfigurenkabinett Deutschlands. Mehr als 130 Figuren und ein "Anatomisches Kabinett" werden dort gezeigt. Etwa 150 000 Besucher sehen sich die Ausstellung jährlich an.