Galerie der Gegenwart bis Herbst geschlossen

Offiziell genannter Grund sind Sicherheitsmängel im Brandschutz. Geht es in Wahrheit um eine Sparmaßnahme?

Die Nachricht, dass die Hamburger Kunsthalle ihre Galerie der Gegenwart für mehrere Monate schließen muss, sorgte am Freitag in der Kulturszene für erhebliche Aufregung. Dabei bemühte sich die Kulturbehörde nach Kräften, den Eindruck zu vermitteln, diese Maßnahme habe nichts mit der finanziellen Schieflage der Kunsthalle zu tun. Auf Anfrage teilte die Behörde mit, der Grund für die Schließung seien Sicherheitsmängel im Brandschutz. "Die Vermietungsfirma IMPF hat am Dienstag festgestellt, dass die Brandschutzklappen in der Galerie der Gegenwart dringend erneuert werden müssen. Um Mitarbeiter und Besucher keiner Gefahr auszusetzen, muss das Gebäude bis zur Behebung der Mängel geschlossen bleiben", sagte Behördensprecherin Susanne Frischling dem Abendblatt. Die Arbeiten werden sich vermutlich bis zum Herbst hinziehen. Da die soeben zu Ende gegangene "Pop Life"-Ausstellung zurzeit abgebaut wird, ist die Galerie der Gegenwart ohnehin geschlossen.

Doch schon vor Bekanntwerden der aktuellen Sicherheitsmängel hatte die Kunsthalle die Teilschließung der Galerie der Gegenwart bis zum Herbst geplant. Wie Kunsthallen-Geschäftsführer Roman Passarge dem Abendblatt am Freitag bestätigte, sollte dieser bislang beispiellose Schritt aus Kostengründen erfolgen. Die Kunsthalle, die erst 2007 entschuldet worden war, hatte bis Ende 2009 bereits wieder ein Defizit von mehr als 1,9 Millionen Euro verbuchen müssen. Während Passarge dafür vor allem geplatzte Sponsorenzusagen als Folge der weltweiten Finanzkrise und ein seit Jahren bestehendes strukturelles Defizit verantwortlich machte, warf eine von der Kulturbehörde eingesetzte Expertenkommission der Kunsthalle schlechtes Wirtschaften vor. Nach den Vorgaben von Kulturbehörde und Bürgerschaft hat die Kunsthalle ihren Haushalt bis 2013 zu konsolidieren, was nur durch drastische Sparmaßnahmen erreicht werden kann.

Im laufenden Jahr muss die Kunsthalle ein Defizit in Höhe von 220 000 Euro abbauen. Das wollte man mit der mehrmonatigen Schließung von drei der vier Ausstellungsgeschosse der Galerie der Gegenwart erreichen. Nur das Basement sollte weiterhin öffentlich zugänglich sein. "Um Kosten zu sparen, bleiben uns nicht sehr viele Möglichkeiten. Daher kommen wir um eine Einschränkung des Leistungsumfangs nicht herum. Das ist für unser Publikum schmerzhaft, wir können auf derartige Maßnahmen aber leider nicht mehr verzichten", meinte Passarge.

Statt einer solchen unpopulären Sparmaßnahme erfolgt nun eine Sicherheitsmaßnahme. Doch an dieser offiziellen Version gibt es erhebliche Zweifel. "Es ist schon merkwürdig und sehr unglaubwürdig, dass ausgerechnet in dieser Situation festgestellt wird, dass die Brandschutzklappen falsch montiert sind", sagt die Bürgerschaftsabgeordnete Dorothee Stapelfeldt, die für die SPD im Haushaltsausschuss sitzt. "Erstaunlich ist auch, dass eine solche Maßnahme gleich eine Schließung von fünf Monaten nach sich ziehen soll. Ich kann mir kaum vorstellen, dass so etwas bei einem großen Museum in Paris oder London so lange dauern würde." Tatsache sei, dass die Betriebskosten der Galerie der Gegenwart extrem hoch sind und sich durch mehrmonatige Schließung tatsächlich große Einsparungen erbringen lassen. "Tatsache ist aber auch, dass die Kunsthalle ein strukturelles Defizit von mindestens einer halben Million Euro hat und nur durch solche Verzweiflungsmaßnahmen einen ausgeglichen Haushalt erreichen kann. Ob der Brandschutz tatsächlich ein zwingender Grund für die Schließung ist, weiß ich nicht. Aber das spielt eigentlich auch keine Rolle, denn wir wissen ja, dass die Galerie der Gegenwart auch mit funktionierenden Rauchschutzklappen bis zum Herbst weitgehend geschlossen geblieben wäre. "

Auch die in der Hamburger Gesellschaft gut vernetzten "Freunde der Kunsthalle", mit 18 000 Mitgliedern der größte Museumsfreundeskreis in Deutschland, halten das Brandschutzargument für vorgeschoben. In einem Appell an Hamburgs Ersten Bürgermeister Ole von Beust heißt es: "Eine Stadt, die sich eine Elbphilharmonie leistet, darf nicht zulassen, dass ein so erfolgreiches Traditionshaus wie die Kunsthalle systematisch ausgetrocknet wird: Erst fiel der Ankaufsetat, dann der Ausstellungsetat. Inzwischen sind selbst so grundlegende Dinge wie die Neuhängung der Sammlung in der Galerie der Gegenwart und deren Bewachung zu Kostenfaktoren geworden, die von der Stiftung Hamburger Kunsthalle nicht mehr verantwortet werden können."