Fahrerflucht

Hamburg sucht den Todesfahrer von Poppenbüttel

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Jörg Riefenstahl
Die Polizei wertet die Spuren an der Unfallstelle derzeit noch aus (Symbolbild)

Die Polizei wertet die Spuren an der Unfallstelle derzeit noch aus (Symbolbild)

Foto: Frank May / picture alliance / dpa / Frank May

Eine 21-Jährige wurde am Sonntagmorgen an der Poppenbütteler Hauptstraße überfahren und liegen gelassen. Die Polizei sucht Zeugen.

Hamburg. Der Tod der 21 Jahre alten Kathrin D. aus Poppenbüttel entsetzt die Stadt und beschäftigt die Ermittlungsbehörden. Die junge Frau war am frühen Sonntagmorgen mit schwersten Verletzungen am Oberkörper auf der Poppenbüttler Hauptstraße aufgefunden worden – wenig später starb Ka­thrin D. im Krankenhaus Heidberg. Die Polizei fahndet nach einer Person, die zuerst die Frau mit ihrem Auto erfasste und unerkannt flüchtete. „Die Spuren werden ausgewertet“, sagte Polizeisprecher Holger Vehren.

Nach den bisherigen Erkenntnissen wurde Kathrin D. am Sonntag gegen 5.13 Uhr von dem Auto überfahren. In der Fahrtrichtung nach Lemsahl herrscht am mutmaßlichen Unfallort auf 300 Meter freie Sicht. Ob Kathrin D. auf der Straße lief oder bereits zuvor dort lag, ist noch unklar.

Die 21-Jährige litt an Epilepsie. Aus demselben Grund schied Kathrin D. zu Jahresbeginn aus der Freiwilligen Feuerwehr in Poppenbüttel aus, für die sie seit drei Jahren auch an Unfallstellen Erste Hilfe geleistet hatte. Ihr Vater besichtigte gestern mit Tränen in den Augen den Unfallort. „Ich treffe mich nun zunächst mit meinem Anwalt“, sagte er. Das Elternhaus von Kathrin D. liegt nur wenige Meter vom Unfallort entfernt.

Um den flüchtigen Fahrer zu finden, war die Polizei bereits am Sonntagabend mit einem 3-D-Scanner vor Ort. Das Gerät wird üblicherweise für Tötungsdelikte eingesetzt und erstellt ein millimetergenaues Bild des Unfallortes. Die Indizienlage wird von Ermittlern dennoch als sehr dünn beschrieben. So gab es keine eindeutige Bremsspur am Tatort. „Wir sind auf Zeugen angewiesen“, sagte Polizeisprecher Vehren. Hinweise nimmt das Landeskriminalamt unter Tel. 040/4286-56789 entgegen.

Fahrerflucht ist nach einer Polizeistatistik ein Massenphänomen. Im Jahr 2014 ereigneten sich insgesamt rund 65.000 Verkehrsunfälle in Hamburg – davon wurde bei 17.000 Kollisionen auch eine Unfallflucht registriert, also in rund jedem vierten Fall. Auch bei 900 von 7800 Unfällen mit verletzten Personen fuhren die Beteiligten einfach davon. In mehr als der Hälfte dieser Fälle konnte die Polizei im Nachhinein jedoch die Fahrer ermitteln. Für Unfallflucht sieht das Gesetz bis zu drei Jahre Gefängnis vor. Der oder dem Unbekannten, der am Sonntag Kathrin D. in Poppenbüttel überfuhr, drohen in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung maximal acht Jahre Haft.

Nach der Erfahrung von Ermittlern handelt es sich bei den Tätern häufig um Bürger, die polizeilich unbescholten sind. „Aus Angst vor Strafe und Konsequenzen fahren sie im situativen Schock weg“, sagt Verkehrspsychologin Birgit Thiel. Erst später komme es zur moralischen Bewertung, worauf viele Täter zum Anwalt gingen.

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