Jenfeld

Hamburger Zeltlager stoppt Aufnahme von Flüchtlingen

Flüchtlinge in der Unterkunft am Jenfelder Moorpark

Flüchtlinge in der Unterkunft am Jenfelder Moorpark

Foto: Henrik Jacobs

Ansteckende Krankheit in der Unterkunft. Es fehlen Isolierräume. Sozialarbeiter kritisieren medizinische Versorgung.

Hamburg. Erstmals ist in Hamburg wegen einer ansteckenden Krankheit die Aufnahme von Flüchtlingen in einer Unterkunft gestoppt worden. Im Zeltlager Jenfelder Moorpark sei bei mehreren Dutzend Bewohnern die Krankheit Scabies (Krätze) festgestellt worden, teilte das städtische Unternehmen „Fördern & Wohnen“ am Wochenende mit. Bis auf Weiteres würden in Jenfeld keine weiteren Flüchtlinge aufgenommen oder von dort verlegt werden. Die rund 800 Bewohner des Zeltlagers würden eingehend untersucht.

Die oppositionelle CDU und Sozialarbeiter aus den Unterkünften beklagten Mängel bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen. Die Verfügbarkeit von Ärzten sei zuletzt „nicht zufriedenstellend“ gewesen, räumte auch „Fördern & Wohnen“ ein und kündigte eine Personalaufstockung an. Zudem fehlten Isolierräume, hieß es von Mitarbeitern der Unterkünfte.

Unterdessen verlangen Hamburger Politiker mehr finanzielle Hilfe der Bundesregierung. Der Bund habe zugesagt, beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zusätzlich bis zu 2000 Mitarbeiter einzustellen, damit über die Asylanträge zügig entschieden werden könne, sagte Bürgermeister Olaf Scholz und fügte hinzu: „Das muss jetzt ganz schnell vollzogen werden.“

FDP-Fraktionschefin Katja Suding forderte die komplette Übernahme der Kosten für die Flüchtlingsunterbringung durch Berlin. „Wenn der Bund für beides zuständig wäre, dann würden die Verfahren schneller laufen“, sagte sie dem Abendblatt. Ähnlich argumentierte Scholz. Der Bund sollte nach einem Jahr Aufenthalt die Lebenshaltungs- und Unterbringungskosten der Antragsteller tragen. „Das würde eine jährliche finanzielle Entlastung zwischen ein und zwei Milliarden Euro bedeuten, die bei wachsenden Flüchtlingszahlen automatisch mitwachsen würde.“ Zudem entwickelte der Bund so ein eigenes Interesse, die Asylanträge schnell zu bearbeiten.

„Länder und Kommunen brauchen jetzt schnelle Hilfen“, sagte die Linke-Fraktionschefin, Cansu Özdemir. „Vor allem für die menschenwürdige Unterbringung der Schutzsuchenden muss dringend eine Lösung gefunden werden.“ Der Haushaltsexperte der Grünen, Farid Müller, forderte einen „substanziellen Beitrag“ des Bundes. „Hamburg kann das nicht wuppen.“

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Andre Trepoll, verwies auf die Zusagen des Bundes und kritisierte den rot-grünen Senat. „Es kann nicht sein, dass die Behörden immer noch nicht wissen, wie viel Geld Hamburg letztes Jahr für Flüchtlinge ausgegeben hat.“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius forderte derweil ein Moratorium für alle Gesetze, die die Beschaffung von Unterkünften für Flüchtlinge erschweren. Dazu zählten das Vergaberecht und das Baurecht.