Ehrenamt

Lust darauf, zum KinderHelden in Hamburg zu werden?

KinderHelden-Tandem: Anna (l.) und Annabel in der Grundschule Sterntalerstraße basteln ein Lesezeichen

KinderHelden-Tandem: Anna (l.) und Annabel in der Grundschule Sterntalerstraße basteln ein Lesezeichen

Foto: Andreas Laible

Der bundesweite Verein sucht dringend ehrenamtliche Mentoren, die Hamburger Grundschüler mindestens ein Jahr lang begleiten

Annabel sitzt im Spielraum der Schule Sterntalerstraße konzentriert am Tisch und bastelt an einem Lesezeichen, schneidet, klebt, schmückt es mit Laub und schlägt es in Plastikfolie ein. Anna sitzt neben ihr. Sie ist 30 und eigentlich Software-Entwicklerin bei Otto, heute hilft sie der Zehnjährigen beim Basteln. Annabel und Anna haben sich über die Organisation KinderHelden gefunden, die Grundschulkinder mit schwierigen Startbedingungen und Erwachsene, die sich engagieren wollen, zusammenbringt.

Diese Gespanne nennt man „Tandems“ – und so eines sind Anna und Annabel seit knapp einem Jahr. Wöchentlich treffen sie sich, im ersten halben Jahr übten sie vor allem intensiv das Lesen. Danach beschlossen die beiden, weiter daran zu üben, aber auch immer mal etwas gemeinsam zu unternehmen.

Bundesweit gibt es 700 Tandems

Gutes tun, mit Kindern arbeiten, das wollen viele. Aber wo fängt man da an? „Ich hatte das Bedürfnis, etwas mit Kindern zu machen. Ich habe mich umgesehen, was es so gibt, und dann war da dieser Aushang der KinderHelden bei Otto. Und das passte“, erzählt Anna.

Gegründet wurde die gemeinnützige Organisation 2014 in Stuttgart, von dort ging es in andere Städte. Seit April 2016 coachen ehrenamtliche Mentoren auch in Hamburg junge Mentees. An verschiedenen Standorten in ganz Deutschland gibt es aktuell etwa 700 Tandems.

Annabels Lesezeichen ist fertig. Sie kann es gut gebrauchen, gerade hat sie zusammen mit Anna ein neues Buch angefangen. Regelmäßig wird gemessen, wie sich die Treffen auf die Kinder und ihre Fähigkeiten auswirken. Bei Annabel zeigen diese Wirkungsmessungen, dass sie sich im Lesen deutlich verbessert hat. Auch Anna merkt das: „Mittlerweile liest Annabel schon viel flüssiger und versteht das Gelesene richtig gut.“

Das Ehrenamt gibt eine ganze Menge zurück

Jetzt wird aber erst mal getobt, denn Annabels Lieblingsspiel in diesem Raum heißt Parcours. Sie arrangiert Kissen, Sitzsäcke, Balken und ein kleines Trampolin so, dass man – ohne den Boden zu berühren – darüber balancieren kann. Der Parcours ist ein kleiner Ausgleich zur konzentrierten Bastelarbeit.

Wer sich entscheidet, Mentor bei den KinderHelden zu werden, der bekommt auch eine Menge zurück, wie Anna festgestellt hat: „Mir ist aufgefallen, dass mir das mental gut tut, weil ich oft das Gefühl habe, dass Kinder stark im Moment leben. Das steckt dann wirklich an und ist sehr erholsam.“

Mentor werden kann jeder. Man braucht keine pädagogische Vorerfahrung, nur genug Motivation und etwa acht Stunden Zeit pro Monat. Nach einer Online-Anmeldung werden Mentoren zu einem persönlichen Gespräch eingeladen und besuchen einen Einführungsworkshop. Die ersten Treffen mit den Mentees werden betreut, wenn alles glattgeht, können sich die Tandems danach selbstständig im öffentlichen Raum treffen.

Schön, wenn der Kontakt über die Grundschulzeit hinaus geht

Dass Annabel jede Woche mit Anna Zeit verbringt, hat sich auch bei ihren Freundinnen schon herumgesprochen. „Meine Freundin Anne-Marie sagt immer: Warum bekomme ich keinen KinderHelden?“, erzählt Annabell. Schön ist es, wenn sich Mentoren über die Grundschule hinaus mit ihren Mentees treffen. „Ich glaube, wir werden definitiv in Kontakt bleiben“, sagt Anna schon heute.

Zu wissen, dass Anna ihrer Mentee weiter zur Seite stehen wird, hinterlässt ein gutes Gefühl. Es gibt jedoch noch viel mehr Kinder, denen ein Mentor helfen könnte. Das Programm KinderHelden sucht dringend weitere Ehrenamtliche, die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Lebensweg ein Stück begleiten.

Infos dazu gibt es unter: www.kinderhelden.info