Projekt

Ein Ort der Begegnung für Blankeneser und Geflüchtete

Helga Rodenbeck und
Daniel Tilgner
stehen vor dem
Bunten Haus in
Blankenese.

Helga Rodenbeck und Daniel Tilgner stehen vor dem Bunten Haus in Blankenese.

Foto: Bettina Mittelacher

Buntes Haus feiert sein Bestehen. Möglich wurde das Projekt durch den Abendblatt-Flüchtlingshilfepreis.

Hamburg. Es war die Vision von einem Treffpunkt „Mittendrin“. Einer Begegnungsstätte, die Alteingesessene und Geflüchtete zusammenbringt, die die Integration und den Austausch fördert. Was Katharina Castelli und Helga Rodenbeck, beide seit vielen Jahren engagiert beim „Runden Tisch Blankenese“, schon länger vorschwebte, nahm schließlich mit dem Bunten Haus Gestalt an. Jetzt feiert die Begegnungsstätte im Zentrum von Blankenese zweijähriges Bestehen.

„Wir wollen den Geflüchteten etwas geben“, sagt Helga Rodenbeck, Mitinitiatorin und Flüchtlingsberaterin. „Es geht uns aber auch darum, dass es eine Begegnung auf Augenhöhe ist. Man muss die Leute wahrnehmen, wie sie sind, wer sie sind. Wir versuchen, den Menschen das Gefühl zu geben: Wir stehen euch bei. Die Geflüchteten können gemeinsam mit uns Zeit verbringen und auch zeigen, was sie können.“ So gibt es im Bunten Haus beispielsweise nicht nur Deutschunterricht für die Menschen, die überwiegend aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak und Westafrika nach Hamburg gekommen sind, sondern auch Arabisch-Stunden, in denen die Geflüchteten ihre Heimatsprache interessierten Blankenesern beibringen.

Fester Stundenplan

Wer mit Helga Rodenbeck über das Bunte Haus sprechen möchte, braucht etwas Geduld. Denn während der Unterhaltung öffnet sich immer wieder die Tür zum Gebäude an der Blankeneser Bahnhofstraße 30, und ein für die umtriebige Dame bekannter Mensch schaut herein, der herzlich begrüßt wird. Offenheit, Freude, Miteinander: Das sind Geist und Seele des Bunten Hauses. Da ist der syrische Arzt, der regelmäßig zum Deutschunterricht kommt, da ist die junge Afghanin mit ihrer kleinen Tochter, die Hallo sagen. Es erscheint auch Ibtisam Ismail aus dem Irak, die seit drei Jahren in Deutschland lebt und seit acht Monaten zweimal in der Woche mit einem der ehrenamtlichen Lehrer die deutsche Sprache paukt. „Es ist sehr gut, dass ich herkommen kann“, sagt die 57-Jährige. „Ich habe schon viel gelernt. Und hier sind sehr nette Leute.“

Neben Sprachunterricht als Einzel- oder Gruppenstunden gibt es nach einem festen Stundenplan auch beispielsweise eine Schachgruppe, eine Nähgruppe, einen Stammtisch und Sonnabendmorgen ein Frühstück. Buntes Haus – so wie der Name für die Vielfältigkeit der Menschen und der Begegnungen wirkt auch die Einrichtung der Begegnungsstätte farbenfroh und fröhlich. In der Foto-Projektgruppe geschossene Fotos schmücken die Wände, die gemütliche Sitzgruppe ist mit bunten Kissen aufgelockert, Wimpel und Stickereien dienen als farbenfrohe Tupfer. Neben den beiden Tischen, an denen beispielsweise der Sprachunterricht stattfindet, sorgt ein Regal mit etlichen Büchern und Gesellschaftsspielen sowie eine kunterbunte Spielecke mit Teddy, Malstiften und Steckspielen dafür, dass sich auch die Kleinsten wohlfühlen. „Wir sind dankbar, dass wir das Bunte Haus haben“, sagt Helga Rodenbeck.

Einrichtung wird gut angenommen

Möglich wurde die Begegnungsstätte auch durch den „Hamburger Preis für Flüchtlingshilfe“ des Abendblatts und der PSD Bank Nord, mit dem die Initiative 2015 ausgezeichnet wurde – 10.000 Euro seien eine gute Starthilfe gewesen. „Es ist wunderbar zu erleben, dass das Bunte Haus gut angenommen wird: von den Geflüchteten, den Nachbarn, der Bevölkerung, dem Bezirk. Es gab durchweg positive Resonanz. Und wir haben das Glück, großzügige Spender zu haben.“ Durch das Bunte Haus gebe es auch verstärkt Kontakt zu Geschäftsleuten, die vermehrt anfragten, ob es Flüchtlinge gebe, die bei ihnen eine Lehre machen wollen. „Dann guckt man, wie man zusammenkommt.“

Am 15.6. von 11 bis 14 Uhr feiert das Bunte Haus, Bahnhofstraße 30, einen Tag der offenen Tür.