Preis für Kinderschutz

Robert, Emira, Ömer und Laura reisen in vier Tagen um die Welt

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Foto: Kulturbrücke Hamburg e.V.

HanseMerkur vergibt 50 000 Euro. Eva Luise Köhler, die Frau des Bundespräsidenten, übergab die Auszeichnungen an vier Initiativen.

Eva Luise Köhler, die Frau des Bundespräsidenten, übergab die Auszeichnungen an vier Initiativen aus Hamburg, Brandenburg und Bietigheim-Bissingen. Der mit 20 000 Euro dotierte Hauptpreis ging an das Projekt "Switch" der Kulturbrücke e. V.

Emira, Ömer, Robert und Laura gehörten zu den 50 Kindern und Jugendlichen, die im Dezember auf einer spannenden Reise in der eigenen Stadt, in Hamburg, unterwegs waren. "Switch - in vier Tagen um die Welt" heißt das mit dem Hauptpreis des HanseMerkur Kinderschutzpreises ausgezeichnete Projekt der Kulturbrücke Hamburg e. V.

Im Jahre 2003 gründete die Exil-Iranerin Hourvash Pourkian die Kulturbrücke, aus der "Switch" als Leuchtturmprojekt hervorgegangen ist. "Die Kulturen sind vor unserer Haustür. Warum klopfen wir nicht an?", fragt die 51 Jahre alte Unternehmerin und Buchautorin.

Schon als Kind in Teheran lernte sie die Switch-Idee kennen und entdeckte dabei, wie aufregend und interessant Menschen anderer Länder sein können, als sie gemeinsam mit ihren Brüdern in der iranischen Hauptstadt bei einer japanischen Familie eingeladen war: "Bunte Schirmchen hingen von der Decke, wir aßen rohen Fisch, lauschten den ungewöhnlichen Wortlauten und bestaunten die fremde Einrichtung", erinnert sich die Initiatorin von Switch.

Und diese Erinnerungen haben sie nie losgelassen. Unter dem Motto "Fremde sind Freunde, die wir noch nicht kennen" agiert die Beraterin des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust im Integrationsbeirat.

"Unser Ziel ist es, Toleranz und Verständnis für die Andersartigkeit aufzubauen und schon in der Kindheit die Neugierde für andere Kulturkreise und Menschen zu wecken", so Pourkian. Allein in Hamburg leben 186 Nationen. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, die schon mehr als 600 Kinder in unserer Stadt auf "Weltreise" schickte. Die Organisatoren stellen während der Sommer- und Weihnachtsferien Gruppen aus jeweils vier Kindern verschiedener Nationen zusammen, die sich dann tageweise gegenseitig besuchen. Jeder Switch-Teilnehmer hat die Aufgabe, seine Heimat bzw. sein Land vorzustellen. Die Teams sind international zusammengestellt, lediglich Deutschland ist als Nation immer vertreten.

Das internationale Quartett von Emira, Ömer, Robert und Laura im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren durfte so nach Tunesien reisen, in die Türkei, nach Deutschland und Italien.

"Wir wollen positive Erinnerungen an das 'Fremde' schaffen", so Pourkian. Dass dies gelingt, zeigen die leuchtenden Augen der Switch-Kinder und ihre Erinnerungen "an eine Weltreise mit Spaß und Freunden", wie es zum Beispiel der zwölfjährige Conrad berichtet.

Wie bunt unsere Welt ist, erleben auch die Kinder-Reporter, die als Kamerateam die schönsten Momente festhalten. "Leider ist es noch immer so, dass wir nicht alle deutschen Kinder in Teams unterbringen können", erläutert Petra Vaessen, Mitglied im Vorstand von Kulturbrücke Hamburg e. V. "Darum fassen wir diese Kids in Reporter-Teams zusammen, die dann die 'Weltreisenden' besuchen und begleiten. Die vielen Hundert Stunden Filmmaterial werden in einem Profi-Studio zusammengeschnitten und regelmäßig beim Hamburger Stadtsender TIDE TV ausgestrahlt."

Das Projekt "Switch", unter der Schirmherrschaft von Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Christa Goetsch, ist für Kinder von neun bis 14 Jahren kostenlos.

Kulturbrücke Hamburg e. V., Hourvash Pourkian und Petra Vaessen, An der Alster 25, 20099 Hamburg, Tel.: 040/37 51 73 73, E-Mail: info@kulturbrueckehamburg.de , www.switchdeutschland.de

Anerkennungspreisträger

Jeweils ein Anerkennungspreis des HanseMerkur Kinderschutzpreises, dotiert mit je 10 000 Euro, ging an drei hervorragende Projekte: Ampu-Vita" (siehe unten), "JuKi - Jugend für Kinder", Bietigheim-Bissingen und "Kinderland Dollenchen" - ein Dorf macht mobil - mit "KILADO - Zeit für Kinder". Die Jury urteilte: Kinderland Dollenchen ist ein gelungenes Projekt, das zeigt, welche Ressourcen durch die uneitle Vernetzung aller Angebote zum Wohle der Kinder und Jugendlichen in einem kleinen Dorf im Süden Brandenburgs vorbildhaft aktiviert werden können. Cordula Mittelstädt, die Mutter dreier Kinder, ist der Motor eines mittlerweile umfangreichen und kostenlosen Freizeitangebotes im Ort.

Kinderland Dollenchen e. V., Cordula Mittelstädt, Schulstraße 4, 03238 Sallgast OT Dollenchen, Tel. 0172/308 38 56, Fax: 03531/70 67 00, E-Mail: kinderland-dollenchen@web.de

Und "Juki - Jugend für Kinder" - das sind Janine, Özhan, Oliver und sechs weitere Mitstreiter, Schülerinnen und Schüler zwischen elf und 14 Jahren - wurde für ihren engagierten Einsatz für Kinder zur Verbesserung ihrer Bildungschancen ausgewählt.

Kontakt: JuKi - Jugend für Kinder, Julika Pfeiffer, Monreposstraße 10, 74321 Bietigheim-Bissingen, Tel.: 07142/77 34 60, E-Mail: juki@kifa.de , www.kifa.de/juki