Hamburg

Demenzkranker nach zwei Wochen tot in Klinikkeller gefunden

Die Asklepios Klinik in Wandsbek

Die Asklepios Klinik in Wandsbek

Foto: picture alliance / dpa

Der 76-Jährige verschwand Mitte Juli aus Asklepios Klinik Wandsbek. Erst 15 Tage später wurde seine Leiche gefunden.

Hamburg. In der Asklepios Klinik in Wandsbek ist es zu einem tragischen Todesfall gekommen. Am 13. Juli verschwand ein 76 Jahre alter, an Demenz erkrankter Mann. Wochen später wurde der Patient tot im Keller des Krankenhauses entdeckt. Es ist ein Fall, der viele Fragen aufwirft. Insbesondere warum niemand nach dem Mann im Untergeschoss gesucht hatte.

Die Klinik rekonstruiert den Fall, über den zuerst die "Bild"-Zeitung berichtet hatte, folgendermaßen: Am Sonnabend, 13. Juli, sollte der 76-Jährige entlassen und wieder zurück in ein Pflegeheim nach Barsbüttel gebracht werden. Noch bevor der Patient seine Entlassungspapiere bekam, war er spurlos verschwunden. Laut Klinik suchten Mitarbeiter den Flur und die Räume ab, in denen sich Patienten für gewöhnlich aufhalten. "Jedoch ohne Erfolg. Deswegen haben wir die Polizei alarmiert", sagt Asklepios-Sprecher Mathias Eberenz.

Patient war früher Oberkommissar an der Davidwache

Laut Polizei sei der Mann – ein ehemaliger Oberkommissar der Davidwache – vermutlich durch eine Fluchttür in ein Treppenhaus geraten und habe den Weg zurück auf die Station nicht mehr gefunden. Auch den Ausgang aus dem Treppenhaus ins Freie habe der Mann wohl nicht bemerkt. Stattdessen ging er die Stufen hinunter ins zweite Untergeschoss.

Dort befindet sich unter der Treppe eine nur rund einen Meter hohe, in die Wand eingelassene Stahltür, die in einen kleinen Verschlag führt. Durch diese muss sich der demenzkranke Mann in die Kammer begeben haben. Dem jetzigen Stand der Ermittlungen zufolge starb er bereits kurz danach an Herzversagen.

Suche der Polizei nach dem Demenzkranken blieb ohne Erfolg

Die Polizei hatte mehrfach nach dem 76-Jährigen gesucht, unter anderem mit einem Spürhund. Dieser hatte die Beamten zu einer Bushaltestelle vor dem Krankenhaus geführt, was den Verdacht erhärtete, dass der Patient die Klinik verlassen hatte. Unter anderem die Polizei in Barsbüttel, wo der Mann in einem Pflegeheim untergebracht gewesen war, und seine ehemaligen Kollegen von der Davidwache wurden über den Vermissten informiert: Laut einem Polizeisprecher hatte er bereits zuvor versucht, zu Fuß zu seiner ehemaligen Dienststelle zu gelangen.

Nach mehreren Tagen ohne Spur wurde er zur Öffentlichkeitsfahndung ausgeschrieben. Gefunden wurde seine Leiche schließlich, nachdem Mitarbeiter des Krankenhauses am 28. Juli – 15 Tage nach dem Verschwinden – Verwesungsgeruch im Keller bemerkt hatten.

Asklepios: "Wir hätten nicht viel anders machen können"

In dem Treppenhaus gibt es keinen Zugang zu den Stationen zurück. Es gibt dort Türen, die sich nur von einer Seite öffnen lassen, damit keine Fremden auf die Stationen kommen. Der 76-Jährige fand den Weg nach draußen nicht oder wollte ihn nicht gehen. Er hätte den Keller selbstständig wieder verlassen können.

Warum niemand dort nach dem Mann gesucht hatte, bleibt unklar. Asklepios-Sprecher Eberenz: "Wir hätten nicht viel anders machen können." Dabei betont der Klinik-Sprecher, dass umgehend die Polizei informiert wurde. Das seien die Profis, die dann die Suche übernehmen. Die Klinik habe alles getan, somit seien aus diesem Fall auch keine Konsequenzen zu ziehen.

Allgemein erarbeite der Krankenhaus-Konzern derzeit Ideen, wie die Situation für an Demenz erkrankten Patienten in den Asklepios-Kliniken verbessert werden könne. Dabei geht es laut Eberenz beispielsweise um die Verbesserung des Ambientes, um den Patienten keinen Anreiz zu geben, die Station zu verlassen.