Raser-Kontrolle

Falscher Bulgare führt die „Soko Autoposer“ vor

Der Hamburger Polizeioberkommissar Tobias Hänsch von der Kontrollgruppe "Autoposer" überprüft einen Golf GTI mit einem Spiegel

Der Hamburger Polizeioberkommissar Tobias Hänsch von der Kontrollgruppe "Autoposer" überprüft einen Golf GTI mit einem Spiegel

Foto: Georg Wendt / dpa

Erst wurde der schnelle Mercedes-Fahrer noch gestellt und angehalten. Doch dann gab der Fahrer Gas – zu viel für die Polizei.

Hamburg. Der zur Verfolgung von Rasern eingerichteten „Sonderkommisiion (Soko) Autoposer“ ist ein Mercedes weggefahren. Der 476 PS starke Mercedes AMG C63 ließ die kontrollierenden Beamten stehen und beschleunigte so schnell, dass die Beamten das Fahrzeug trotz aller eingeleiteten Sofortmaßnahmen nicht mehr finden konnten und das Rennen aufgeben mussten. Die Identität des Fahrers ist unklar. Er gab den Polizisten falsche Papiere.

Der Wagen war den Beamten in der Nacht zu Sonnabend aufgefallen, weil er sich gegen ein Uhr mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit auf der Lübecker Straße stadteinwärts bewegte. Es wurden 117 Stundenkilometer statt der erlaubten 50 gemessen. In Höhe Süderstraße (Hammerbrook) stoppten die Polizisten den Wagen, um Fahrer und Fahrzeug zu überprüfen.

Erst tat er zahm, dann gab er Gas

Der Fahrer gab sich zunächst kooperativ und händigte die Papiere aus: eine bulgarische Identitätskarte, einen bulgarischen Führerschein und die Zulassungsbescheinigung. Doch dann gab er Gas. Er flüchtete mit durchdrehenden Rädern und ausbrechendem Heck ohne Rücksicht auf Verluste in die Süderstraße. Der kontrollierende Polizist musste zur Seite springen, um nicht vom schlingernden Heck des Boliden erfasst zu werden.

Der Raser steuerte laut Polizei „unter Ausbeschleunigung aller Gänge“ in Richtung Amsinckstraße und war blitzschnell außer Sicht. Dann verlor sich auch der nicht unbeträchtliche Geräuschpegel des schweren Wagens. Die sofort eingeleitete Verfolgung brachte keine Ergebnisse.

Exotische, aber falsche Papiere

Bei der anschließenden Prüfung der ausgehändigten Personaldokumente stellte die Polizei „Fälschungsmerkmale bei Identitätskarte und Führerschein“ fest. Zwecks Beschlagnahme des Fahrzeugs wurde es zur Fahndung ausgeschrieben. Gegen den unbekannten Fahrer wurden Strafverfahren wegen „Gefährdung des Straßenverkehrs in Verbindung mit einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen als Einzelfahrer“ und wegen Urkundenfälschung eingeleitet. Die Ermittlungen zur Identifizierung des Fahrers dauern an.

Auf St. Pauli war es harmloser

Harmlos mutet dagegen die Verfehlung eines BMW-Fahrers auf der Budapester Straße auf St. Pauli an. Der X5-Fahrer hatte den Beamten zufolge am Freitag Abend „unnötigen Lärm“ verursacht und war deshalb angehalten worden. Die Prüfung ergab, dass der Endschalldämpfer des 218-PS-Wagens abgebaut worden war. Da damit die Betriebserlaubnis erloschen war, wurde das Fahrzeug sichergestellt. Gegen den 22 Jahre alten Fahrer wurde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.