Unfall in Hamburg-Eppendorf

Hatte der Todesfahrer einen epileptischen Anfall?

| Lesedauer: 18 Minuten
Burkhard Fuchs und Denis Fengler

Gegen Alexander S. (38) wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Bei dem Unfall starben Günter Amendt, Angela Kurrer, Sibylle und Dietmar Mues.

Hamburg. Mit Entsetzen reagierte der Arbeitgeber von Alexander S. (38), der am Sonnabend mit seinem Fiat Punto in Eppendorf vier Menschen getötet hat: „Das ist ein schwerer Schock für uns alle“, sagte Harald G. Schroes, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WEP des Kreises Pinneberg. Er habe am Morgen davon erfahren, dass sein Mitarbeiter diesen schweren Unfall verursacht haben soll. „Wir sind zutiefst betroffen. Es tut uns unendlich leid um die Opfer und deren Angehörige.“

Zur Arbeit sei S. am Montag nicht gekommen. Er hätte sich aber nicht abgemeldet. „Er steht bestimmt selber unter Schock“, vermutet Schroers. Mehr wollte er dazu nicht sagen. „Das ist ein laufendes Verfahren. Das muss jetzt erst einmal aufgeklärt werden.“

Ähnlich positiv äußert sich ein Geschäftspartner von Alexander S.: „Ich habe ihn als höflichen, zuvorkommenden Menschen erlebt, der immer seriös wirkt.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass S. unter Drogeneinfluss gestanden habe. „Das muss einen anderen Grund haben.“

Wie das Abendblatt erfuhr, soll Alexander S. unter epileptischen Anfällen leiden. Möglicherweise hatte er einen solchen Anfall, als er am vergangenen Sonnabend mit seinem Auto auf die Eppendorfer Kreuzung raste. Er soll wegen der Erkrankung sogar starke Medikamente eingenommen haben. Und: Es soll nicht sein erster Unfall gewesen sein. Bereits vor sechs Jahren sei er einmal schwer verunglückt.

Die Polizei hat bislang keine Hinweise darauf, dass der 38-Jährige Epileptiker ist und somit nur unter bestimmten Voraussetzungen Auto fahren darf - in seiner Vernehmung hatte Alexander S. geschwiegen. Sicher scheint bisher jedoch, dass er Marihuana konsumiert hatte, wie ein Drogenschnelltest der Polizei ergab.

Der 38 Jahre alte Immobilienkaufmann arbeitet seit etwa sieben Jahren für die WEP in Pinneberg. Davor war er für die Norderstedter Entwicklungsgesellschaft EgNo etwa ebenso lange tätig. Beruflich sei er sehr zuverlässig, betonen alle Gesprächspartner. „Er hat ein hervorragendes Fachwissen, ist immer freundlich mit den Kunden umgegangen. Er ist einfach ein netter Kerl“, beschreibt ihn eine frühere Vorgesetzte. „Fachlich ist nichts an ihm auszusetzen.“

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Hunderte gedenken der Opfer - Sondersendungen geplant

Zahlreiche Menschen stehen an der Kreuzung Eppendorfer Baum um die niedergelegten Blumen, Briefe und Bilder versammelt. Der Regen löscht die zahllosen Kerzen immer wieder aus, die Trauernden zünden sie immer wieder an. Der kleine Baum an der Unfallstelle ragt kahl aus dem bunten Blumenmeer. Von einem abgebrochenen Ast baumelt ein Kettchen mit einem gläsernen Kreuz. Zahllose Briefe und Bilder bedecken das Beet und die Bänke.

Unter einer weißen Rose liegt der Abschiedsbrief einer jungen Lehrerin, sie hat erst am Morgen erfahren, dass ihre Kollegin Sibylle Mues eines der vier Todesopfer ist: „Das ist alles so surreal. Gerade hatten wir noch darüber geredet, wie es nach den Ferien weitergeht. Jetzt kommt sie nicht mehr wieder. Sie war so ein toller Mensch, sie hat mich mit offenen Armen empfangen als ich im vergangenen Herbst neu an die Schule kam, war immer freundlich und herzlich. Sie wird uns allen so fehlen.“

Am kommenden Montag geht auch an der Marie-Beschütz-Schule, ganz in der Nähe der Unfallstelle, der Unterricht wieder los. Jemand muss den Erstklässlern erklären, warum ihre Lehrerin nicht mehr da ist. Schülerbriefe zeugen davon, wie beliebt Sibylle Mues auch bei den Kindern war: „Sie waren die beste Lehrerin. Mit Ihnen hatte die ganze Klasse Spaß. Ich vermisse Sie sehr“ steht da, mit Buntstift geschrieben, mit Herzchen verziert.

Der weithin sichtbare Farbtupfer im sonst eintönigen Regengrau dieses Montags verleitet jeden zum Innehalten: Jogger, die ihre Runde drehen, Hundebesitzer beim Gassigehen, Mütter mit ihren Kinderwagen, Alte, Junge, niemand geht einfach vorbei. Angehörige und Unbeteiligte treffen sich, trösten sich, tauschen sich aus über das Unfassbare, einige weinen.

Nicoletta Dreger beobachtet die Szene durch die Fensterfront ihrer Bäckerei-Filiale und erinnert sich an den Unglücksnachmittag. Um 16.44 Uhr hatte sie gerade fertig geputzt und wollte nach Hause gehen, als sie den gigantischen Knall hörte. „Es war der reinste Horror“, sagt die Verkäuferin, die alles mitangesehen hat. „Ich habe ständig diese toten Menschen im Kopf“. Frei nehmen kam für Nicoletta Dreger trotzdem nicht in Frage: „Am Sonntag hatten wir extra geschlossen, aber heute wollte ich wieder arbeiten. Zu Hause sitzen ist noch schlimmer.“ Hier könne sie den Schock besser verarbeiten, reden, sich austauschen. Nach der Arbeit möchte sie auch noch eine Kerze kaufen und ein kleines Licht für die Toten anzünden.

+++ Günter Amendt: Der berühmte Soziologe +++

+++ Dietmar Mues: Der bekannte Schauspieler +++

+++ Angela Kurrer: Die engagierte Bildhauerin +++

Zum Gedenken will der NDR ab Dienstag in mehreren Sendungen in Radio und Fernsehen an die Opfer erinnern. „Dietmar Mues war ein sehr vielseitiger Künstler mit einer ganz breiten Palette von darstellerischen Möglichkeiten. In meiner Erinnerung sind seine Auftritte mit der NDR Bigband unter Dieter Glawischnig besonders präsent", sagte NDR-Intendant Lutz Marmor dem Radiosender NDR Kultur. "Sein tragischer Tod ist sehr traurig und auch für uns ein großer Verlust. Mein und unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.“

Auch an den Wissenschaftler Günter Amendt will NDR 90,3 in einem Schwerpunkt am Montag, 14. März erinnern. Im „Abendjournal“ ab 18.05 Uhr spricht Patricia Seeger mit Freunden und Wegbegleitern der Verunglückten.

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Dem Todesfahrer drohen bis zu fünf Jahre Haft

Nach dem schweren Autounfall in Eppendorf mit vier Toten droht dem Unfallverursacher bei einer Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe. In diesem Fall sei ein Strafrahmen von bis zu fünf Jahren zu erwarten, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Wilhelm Möllers, am Montag in Hamburg. Bis zu einem Prozess würden die Ermittlungen jedoch „einige Zeit in Anspruch nehmen“. Derzeit lägen keine Haftgründe gegen den 38-jährigen Lokstedter vor.

Inzwischen seien Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung in vier Fällen gegen den Fahrer des Fiat Punto im Gange, wie Polizeisprecher Andreas Schöpflin sagte. Die Polizei hatte zunächst Ermittlungen wegen Körperverletzung mit Todesfolge in vier Fällen eingeleitet.

Bei dem schweren Unfall an der Kreuzung Eppendorfer Baum und Eppendorfer Landstraße waren am Sonnabend der Schauspieler Dietmar Mues (65, "Tatort“, "Großstadtrevier“, "Bella Block“) ) und seine Ehefrau Sibylle (60) getötet worden sowie der prominente Sozialwissenschaftler Günter Amendt (71) und die Bildhauerin Angela Kurrer (65), die Stiefmutter des Schauspielers Dominic Raacke ("Tatort“). In den Unfall wurde auch das Schauspieler-Ehepaar Peter und Ulla Striebeck verwickelt. Sie wurden leicht verletzt.

Der möglicherweise unter Drogen stehende 38-jährige Autofahrer hatte mit „deutlich überhöhter Geschwindigkeit“ eine rote Ampel überfahren. Er kollidierte mit dem von Ulla Striebeck gesteuerten Pkw. Sein Auto überschlug sich und schleuderte in die Gruppe an der Ampel wartender Fußgänger. Amendt wurde laut Polizei unter dem Auto eingeklemmt und starb noch an der Unfallstelle. Auch Mues konnte nicht mehr durch Reanimationsmaßnahmen an der Unfallstelle gerettet werden. Der Unfallverursacher konnte das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung verlassen. Fünf weitere Fußgänger erlitten einen Schock.

Polizeisprecher Schöpflin zufolge wird im Laufe dieser Woche mit Ergebnissen der Blutanalyse des Unfallfahrers gerechnet. Nach dem Unfall war bei dem 38-Jährigen bereits ein Urintest durchgeführt und dabei der Haschisch-Wirkstoff THC festgestellt worden. Es besteht der Verdacht, dass der Unfallverursacher berauscht gefahren ist. Aus dem Test lasse sich aber nicht ableiten, wie viel Rauschgift der Mann genommen habe, erklärte Schöpflin – und wie lange der Drogenkonsum zurücklag.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll ein toxikologisches Gutachten weitere Erkenntnisse über den Zustand des 38-Jährigen zum Unfallzeitpunkt ergeben. Dabei werde etwa geklärt, welche Drogen der Mann genommen habe und ob diese ursächlich für Fahrfehler seien, sagte Sprecher Möllers. "Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen.“

Die Behörde will auch die Leichen obduzieren lassen. Einen Haftbefehl habe die Staatsanwaltschaft nicht beantragt, weil keine Haftgründe vorlägen, sagte Möllers – es handele sich nicht um ein Vorsatzdelikt, und es gebe weder Flucht- noch Wiederholungsgefahr. Der 38-Jährige ist bei der Anklagebehörde bisher nicht auffällig geworden: „Wir kennen ihn nicht.“ Wann die Polizei den Mann befragen will, blieb am Montag zunächst unklar. Seinen Führerschein hatten die Ermittler direkt nach dem Unfall beschlagnahmt.

Der schwere Unfall hat in Hamburg Trauer und Entsetzen ausgelöst. Viele Menschen legten an der Unglücksstelle Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Am Unfallort, einer belebten Kreuzung, treffen sechs Straßen aufeinander. Ein Unfallschwerpunkt, betont Polizeisprecher Schöpflin, sei die Kreuzung aber „definitiv nicht“.

Der Sozialwissenschaftler Amendt hat sich Anfang der 70er Jahre mit aufklärenden Büchern über Sex und Drogen einen Namen gemacht. Sein Buch "Sexfront“ galt wegen der offenen Behandlung des Themas als skandalös. Später untersuchte er in diversen Büchern die Thematik Drogen und widmete sich dem Phänomen des von ihm verehrten Musikers Bob Dylan. In dem Buch "Natürlich anders. Homosexuelle in der DDR“ (1989) wagte er sich an ein im damaligen sozialistischen Teil Deutschlands stark tabuisiertes Thema.

Der Schauspieler Mues ist vielen TV-Zuschauern aus zahlreichen Krimis wie „Tatort“ und „Bella Block“ sowie der Serie „girl friends“ bekannt. Der gebürtige Dresdner lebte seit 1973 in Hamburg und gehörte zwölf Jahre zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses. Mues und seine Frau hinterlassen drei Söhne.

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Der schwarze Sonnabend von Eppendorf

Kerzen brennen. In Gedenken an die vier Leben, die binnen Sekunden so sinnlos ausgelöscht wurden. Niedergelegte Rosen, Nelken und Osterglocken leuchten bunt - doch sie erinnern an einen schwarzen Sonnabend. "Das Auto kam einfach angeflogen und krachte mit voller Wucht auf die Fußgänger", sagt Augenzeugin Barbara Prinz, 50. Sie gehört zu den etwa 40 Trauernden, die sich gestern Nachmittag an der Kreuzung Eppendorfer Landstraße/Lehmweg versammelten.

Auch 24 Stunden später sei dieser Unfall unfassbar, sagen sie. Eine Tragödie, die Spuren hinterlassen hat. Im Gedächtnis der unfreiwilligen Beobachter und am Unglücksort. Blut ist in die Steinplatten des Gehwegs eingezogen, die Holzbank vor der BackWerk-Filiale liegt in Trümmern und lässt die Wucht des aufprallenden Wagens erahnen. Eine 25-jährige Jura-Studentin, die nur wenige Meter von der Unfallstelle entfernt wohnt, gedenkt der Opfer: "Es ist ein Drama. Wahrscheinlich wollten sie nur kurz den Wochenend-Einkauf erledigen - doch sie kamen nie zurück." Die Wahrheit klingt schrecklich banal: Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort.

Rückblick: Es ist 16.44 Uhr an diesem frühlingshaften Sonnabend, als das Leben mitten in Eppendorf plötzlich angehalten wird. Von der Eppendorfer Landstraße rast ein silberfarbener Fiat Punto heran. Der 38-jährige Fahrer, der offenbar unter Drogen (Marihuana) steht, wie die Polizei noch am selben Abend in einem Schnelltest nachweisen wird, ignoriert die rote Ampel, gibt Gas und rauscht in den rechten hinteren Kotflügel eines VW Golf Cabriolets, das vom Eppendorfer Baum kommend Richtung Lenhartzstraße unterwegs ist.

Mit welcher Geschwindigkeit der Immobilienkaufmann aus Lokstedt auf die Kreuzung fuhr, wird noch untersucht. "Er fuhr aber auf jeden Fall deutlich schneller als erlaubt", sagte Polizeisprecher Andreas Schöpflin gestern. Durch das hohe Tempo ist der Aufprall so heftig, dass der Fiat sofort ins Schleudern gerät und sich mehrfach überschlägt, ehe er aus der Höhe in eine Gruppe von Fußgängern und Radfahrern kracht. Eine junge Mutter schreit und legt schützend die Hand über das Baby auf ihrem Arm.

Der berühmte Soziologe und Aufklärer Günter Amendt ("Sexfront"), der mit zahlreichen anderen Passanten an der Fußgängerampel Eppendorfer Baum/Lehmweg auf grünes Licht wartet, hat keine Chance. Der 71-Jährige wird unter dem rund 1,2 Tonnen schweren Wagen eingeklemmt und von dem Wrack erdrückt - er stirbt noch an der Unfallstelle.

Der Wissenschaftler war offenbar mit seinem engen Freund, dem 65-jährigen Fernseh- und Theaterschauspieler Dietmar Mues, und dessen Ehefrau Sibylle unterwegs. Der Wagen reißt auch das Ehepaar zu Boden, beide gehören zu den Todesopfern. Die 60-jährige Sibylle Mues, die als Lehrerin an der Eppendorfer Grundschule Marie Beschütz unterrichtet, kann am Unfallort zunächst zwar noch wiederbelebt werden, erliegt dann jedoch im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Für die Hamburger Bildhauerin Angela Kurrer, die Stiefmutter des Schauspielers Dominic Raacke, der im Fernsehen als Berliner "Tatort"-Kommissar Till Ritter ermittelt, kommt jede Hilfe zu spät.

Noch ehe der erste Rettungswagen den Unfallort erreicht, kümmern sich Ersthelfer - darunter vier UKE-Ärzte, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks zufällig an der belebten Kreuzung aufhalten - um die Schwerverletzten. Der Unfallfahrer selbst ist nur leicht verletzt, er wird von der Feuerwehr aus seinem Autowrack geschnitten. Gegen den 38-jährigen Lokstedter ermittelt die Polizei nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge in vier Fällen.

Die Insassen des getroffenen VW Golf Cabriolets, der Schauspieler Peter Striebeck ("Unsere Hagenbecks"), der morgen 73 Jahre alt wird, und seine Ehefrau Ulla, die am Steuer saß, kommen glücklicherweise leicht verletzt mit einem Schrecken davon.

Feuerwehr und Polizei sind mit einem Großaufgebot im Einsatz: Mehr als 70 Feuerwehrleute und vier Notärzte kümmern sich um die Opfer. Neben den vier Menschen, die ihren Verletzungen erliegen, gibt es acht Verletzte. Die Polizei ist mit 19 Peterwagenbesatzungen und dem Polizeihubschrauber vor Ort. Notfallseelsorger und Mitglieder des Kriseninterventionsteams kümmern sich um die unter Schock stehenden Augenzeugen und um die trauernden Angehörigen.

Im Freundeskreis der Opfer herrschen Fassungslosigkeit und Trauer: "Vergangene Woche saß ich noch mit Dietmar Mues zusammen. Er war voller Tatendrang, hat mir von neuen Projekten erzählt", sagte Michael Lang, Intendant der Komödie Winterhuder Fährhaus, gestern dem Abendblatt. Dass sowohl Dietmar Mues als auch Peter Striebeck, die einander sehr gut kannten und auch schon gemeinsam auf der Bühne standen, in denselben Unfall verwickelt worden seien, sei "unglaublich". Wie überhaupt die Tragweite des gesamten Unglücks.

Das betonen auch die Trauernden, die jetzt - Stunden, nachdem die Sperrung der Kreuzung aufgehoben wurde - an der Unfallstelle innehalten. Darunter ist auch Jörg Vennewald, Lebenspartner der Schauspielerin Rhea Harder ("Notruf Hafenkante"). Der Aufnahmeleiter war am Sonnabend zwar nicht selbst vor Ort, hörte aber die kreisenden Hubschrauber und die Sirenen der Krankenwagen. "Rhea war gestern mit den Kindern spazieren, und sie sind nur durch Zufall nicht an dieser Kreuzung vorbeigegangen", sagt der zweifache Vater. Nach einer solchen Tragödie lebe man plötzlich bewusster. "Weil einem brutal vor Augen geführt wird, wie schnell alles vorbei sein kann."

Auch die Eppendorferin Ulla Paeper nimmt Anteil, obwohl sie den Unfall nicht miterlebt hat. "Es hätte jeden treffen können, das macht mich so nachdenklich und machtlos", sagt die 35-Jährige, die drei gelbe Tulpen niedergelegt hat. Als sie die umstehenden Menschen sieht, die einander weinend in den Armen liegen, sagt sie: "Ich bin froh, dass ich das gestern nicht mitansehen musste. Diese Bilder brennen sich doch auf ewig in das Gedächtnis ein."

Kritisch äußert sich eine Mutter, die am Eppendorfer Weg wohnt. "Wir sind hier sehr traurig und gleichzeitig wütend, schließlich brauchten wir hier dringend eine verkehrsberuhigte Zone", sagt die 42-jährige Werberin. "Vielleicht trägt dieser traurige Tag zumindest dazu bei, dass hier Raser künftig endlich ausgebremst werden."

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