Persönlich

Die zwei Gesichter des NDR-Moderators Philipp Kauthe

Philipp Kauthe (NDR-Moderator ) stellt seine Gedichtsammlung vor

Philipp Kauthe (NDR-Moderator ) stellt seine Gedichtsammlung vor

Foto: Juergen Joost

Nachrichten öffentlich-rechtlich, Gedichte und Kabarett privat: Philipp Kauthe kommen die Ideen beim Warten an der Supermarkt-Kasse.

Rotherbaum.  Wer mitten in der Nacht aufsteht, um pünktlich um 4.15 Uhr bei der Arbeit zu sein, braucht dafür einen Grund – und wenn er sich einen suchen muss. „Das Tolle ist ja, dass ich antizyklisch arbeite und tagsüber Behördengänge und so was erledigen kann“, sagt Philipp Kauthe. Ausschlafen ist aber auch nicht schlecht, könnte man denken, wäre man nicht ein unvergleichlicher Optimist. Passenderweise ist Philipp Kauthe einer.

Wenn Kauthe am Morgen die Nachrichten auf NDR 90,3 vorträgt, bleibt den Tausenden Hörern, die dann in Hamburg und Norddeutschland seine Stimme hören, der Optimismus meist verborgen. Sachlich und deutlich betont liest der Moderator dann die Texte vor, die er und seine Kollegen vorbereitet haben. „Bei den Nachrichten stecken wir ja gewissermaßen in einem Korsett“, sagt Kauthe, der deshalb den Spagat schaffen will und in seiner Freizeit als Kabarettist auftritt.

Gerade hat der 31-Jährige zudem eine Gedichtesammlung fertiggestellt, 77 Gedichte für Euphorie und gute Laune. Zweieinhalb Jahre hat Kauthe an dem Band gearbeitet. „Eigentlich müsste ich ständig an der Supermarktkasse stehen, da kommen mir die besten Ideen“, sagt er. Die Gedichte heißen zum Beispiel „Kraft der Leichtigkeit“ oder „Kraft der Toleranz“ und lesen sich wie eine Anleitung. Das sollen sie aber nicht sein. „Ich maße mir nicht an, den Leuten Ratschläge zu erteilen. Ich möchte nur für einen Augenblick Fröhlichkeit verbreiten.“ Dabei bedient sich der Moderator der „Immerhin-Methode“. „Humor ist nicht, wenn man Probleme weglächelt. Aber man kann sich über das freuen, was trotzdem gut läuft.“

Kauthe will mit seiner Einstellung einem Phänomen entgegenwirken, dem der „Tunker“. „Wir leben im Zeitalter der Tunker, die versuchen, andere Menschen in schlechte Laune zu tunken“, sagt Kauthe, der zugibt, auch selbst mal nicht gut drauf zu sein. „Das geht aber schnell vorbei. Und solange halte ich meine Klappe.“

Seine erste Frühstückssendung moderierte Philipp Kauthe vor dem Unterricht

Den „Drang, Menschen aufzuheitern“, wie er sagt, hatte Kauthe schon früh. Mit acht Jahren fing er an, Komiker wie Otto Waalkes und Heinz Erhardt zu imitieren. Mit zwölf entwarf er einen Flyer, auf dem er sich als „jüngster Kabarettist Deutschlands“ pries, den man buchen konnte. Dann moderierte Kauthe seine erste eigene Radiosendung, bei dem Amateursender Radio Rheinwelle in Wiesbaden. „Zum Glück hatte ich freitags immer erst zur dritten Stunde Unterricht. Ich bin um vier Uhr aufgestanden, war von sechs bis neun auf Sendung und bin danach in die Schule gegangen.“

Vor acht Jahren kam er dann nach Hamburg. wo er in einer Wohnung am Grindelhof lebt. „Schon als Kind hat mir bei Urlauben in Ostfriesland der Norden Deutschlands gut gefallen. Hier haben die Leute eine andere Mentalität, eher nach dem Motto: Leben und leben lassen.“ Nur eine Sache zurzeit zu machen, reicht Kauthe auch jetzt nicht. „Der Satz ,Du kannst das nicht’ sollte gesetzlich verboten werden“, sagt er. „Das erstickt den Mut, der in Leuten steckt, im Keim.“ Wohl auch, weil er ähnliche Sätze früher selbst manchmal hören musste, ist Kauthe stolz darauf, dass er neben Ausbildung und Arbeit mittlerweile sein zweites Studium an der Fernuni abgeschlossen hat. Vollzeit zu studieren sei nicht in Frage gekommen. „Dann hätte ich ja nur am Wochenende moderieren können. Das war mir zu wenig.“

Aber nur moderieren will Kauthe auch nicht. Deshalb steht er ab und zu noch immer auf der Bühne, wenn auch nicht mehr als Deutschlands jüngster Kabarettist. Meist erzählt er dem Publikum dann Wortwitze. Zum Beispiel den: „Ich habe neulich einen Film gesehen von Panda- und Koalabären. Das war das Wunder von Bären.“ Gut, richtig witzig wirkt das wohl erst, wenn die Scherze blitzschnell, ohne Pause aufeinander folgen, das gibt er selbst zu. Aber es geht ihm schließlich um diesen kurzen Moment der Aufheiterung.

Wenn man sich dann doch mal über etwas ärgert, rät Philipp Kauthe zum „Weihnachts-Trick“. „Ich frage mich: Welche Rolle wird dieses Ereignis am nächsten Weihnachtsfest noch spielen? Meistens ist meine Wut dann schnell verflogen.“ Aber Ärger kommt bei Kauthe ohnehin nicht oft auf. Schon gar nicht über die Arbeit. „Das macht so viel Spaß und wird auch noch bezahlt“, sagt Kauthe über die Nachrichtenmoderation. „Besser kann es nicht laufen.“