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Lärmschutzschirme: Schanzen-Wirte sollen zahlen

Foto: Schröder/Kluyver

Tristes Bild in der Schanze: Weil der Bezirk auf Schallschutzschirmen besteht, haben die meisten Wirte der Susannenstraße ihre Tische abgebaut.

Hamburg. Die vom Bezirksamt verordneten "Schallschutzschirme" sorgen weiter für Aufregung. Die sonst sehr belebte Susannenstraße ist in diesen Tagen ungewöhnlich ruhig. Vor vielen Gaststätten sind Stühle und Tische zusammengeklappt. Aus Angst vorm angedrohten Bußgeld durch das Bezirksamt Altona haben es viele Wirte mit der Außengastronomie lieber sein lassen.

Am Montag war der Bezirkliche Ordnungsdienst (BOD) durch die Susannenstraße gezogen, um zu prüfen, ob sich die Gastronomen an die Auflagen halten. Und die sind hart: Die Wirte müssen entweder einen Antrag auf Sondergenehmigung gestellt und sich um einen Schallschutzschirm bemüht haben - oder eben auf Außengastronomie verzichten. Bei der Kontrolle wurden laut Angaben des Bezirksamts bei sechs Gaststätten Ordnungswidrigkeiten festgestellt. Die betroffenen Wirte wie Homayoun Zaker, Inhaber des Moraba, sprechen zwar lediglich von Verwarnungen. Doch verhängt wurden 500 Euro Strafgeld.

Eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht. "Bislang hat kein Gastronom den von uns geforderten Nachweis von Schallschutzschirmen mit den Anträgen auf Sonderschutzgenehmigung eingereicht", sagt Jürgen Langbehn, Fachamtsleiter im Bezirksamt Altona.

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Die Schallschutzschirme sind seit dem 16. August Pflicht. Damit reagierte der Bezirk auf Beschwerden der Anwohner wegen des Lärms. Betroffen von dieser Neuregelung sind elf Gaststätten. Bisher stehen aber nur vor zwei Lokalen die besagten Schirme, dem Chakra und der Kostbar. Es sind Prototypen des baden-württembergischen Schirm-System-Herstellers "May", die der Bezirk Altona den Wirten als Produktbeispiel genannt hat. Tests über die tatsächliche Schallschutzwirkung gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die Wirte in der Susannenstraße bezweifelten den lärmmindernden Effekt der rund 3000 Euro teuren Schirme von Anfang an. Auch bei "May" in Baden-Württemberg war man sich nicht sicher, ob die Schirme zwei bis drei Dezibel "schlucken" können, wie es der Bezirk vorgegeben hatte.

Deshalb hat die Firma den TÜV Nord beauftragt, die Schirme zu prüfen. Das Ergebnis: "Die Schirme können den Straßenlärm nur um 1,5 bis maximal zwei Dezibel senken", so Annika Burchard vom TÜV. Ein Wert, der die Vorgaben, wenn überhaupt, sehr knapp erfüllen könnte. Selbst Geschäftsführer Klaus-Peter May sagte der "taz" am Freitag: "Zu Schlaf verhelfen werden die Schirme kaum." Dafür müsse jedenfalls noch nachgebessert werden.

Dieses Testergebnis ist Kerstin Godenschwege, Pressesprecherin im Bezirksamt Altona, nach eigener Aussage nicht bekannt. "Und selbst, wenn es stimmen sollte, gibt es genügend andere Hersteller, die den Anforderungen genügen", versichert sie. Beispiele aber kann sie nicht nennen. Und wenn es nun gar keine Schirme gäbe, die genügend Lärm "schlucken" könnten? "Dann muss der Bezirk eben neu überlegen", so Godenschwege.

Das Schirm-Durcheinander ist somit perfekt. Bei den Wirten an der Susannenstraße ist die Verwirrung groß. Abbas Tehrani, Inhaber der Kostbar, hat den Überblick verloren. "Es ist unklar, wie es nun weitergehen soll", sagt er. Seine Gastronomie-Kollegen in der Straße überlegen jetzt, gemeinsam auf einen anderen Anbieter auszuweichen. Ruhe in der Susannenstraße scheint erst mal in weite Ferne gerückt zu sein.